Lied für die Mutigen: It’s My Life – Bon Jovi


Diese Tage werden vielleicht – hoffentlich?- in die Geschichte eingehen. Den ganzen Tag über habe ich die Bilder aus Ägypten verfolgt. Wird das ägyptische Volk den Weg in die Demokratie finden? Wie steht eigentlich „das Volk“ zu der ganzen Frage? Es demonstrieren ja längst nicht alle. Viele haben vielleicht Angst oder gar keine Meinung. Die Informationen fließen nur recht spärlich. Wer steigt da schon durch? Was ich sehe, berührt mich. Ich wünsche den Egyptern, dass ihr Wunsch, in einem demokratischen und freien Land zu leben, in Erfüllung geht.

Ein Lied aus dem Jahr 2000 von Bon Jovi kommt mir in den Sinn. „It’s my life“, die Hymne der Fußball-EM.

„I ain’t gonna be just a face in the crowd. You’re gonna hear my voice when I shout it out loud!” Über eine Million Menschen in Kairo – die Macht der Masse, aber eben auch: einzelne Gesichter, Individuen, die interviewt werden, die ihre Meinung sagen, die ihren Ärger und ihre Hoffnung den Reportern aus aller Welt offenbaren: „It’s my life, it’s now or never“. Dies ist die Stunde der Wahrheit, wenn sich jetzt nichts ändert, dann siegt vielleicht die Unterdrückung, der Machtwille einiger Weniger. Ich möchte leben, solange es noch nicht zu spät ist. Und Leben heißt hier: in Freiheit und Selbstbestimmung leben, im Hier und Jetzt, und nicht in einer Zukunft, auf die ihr, die Machthaber, die religiösen Führer mich vertrösten wollt.

Dieses Lied ist für die, die es schwer haben im Leben, für Tommy und Gina. Er, der Hafenarbeiter, sie, die Bedienung im Schnellrestaurant. Sie tauchen auch in anderen Liedern Bon Jovis auf, z.B. „Living on a Prayer“. Sie kämpfen, leben für ihren Traum, füreinander: “It doesn’t make a difference if we make it or not,we got each other and that’s a lot for love, we’ll give it a shot.”

Dieses Lied ist für die Kämpfer, nicht für die, die schon aufgegeben haben. “This ain’t a song for the broken-hearted, no silent prayer for the faith-departed”. Es ist für die, die ihren Weg gehen: “I did it my way“ (Zitat Frank Sinatra). Es ist für die, die die Herausforderung annehmen:  „Better stand tall when they’re calling you out“ , die sich nicht beugen, die  nicht brechen, nicht zurückweichen: „Don’t bend, don’t break, baby, don’t back down“.

Es ist leicht, sich vom gemütlichen Sessel aus eine Meinung zu bilden, zu sagen: lasst euch nicht unterkriegen.

Es fließt schon Blut, es gab schon mindestens ein Todesopfer.

Und trotzdem, was anderes bleibt uns jetzt nicht, als denen Mut zuzusprechen, die einen friedlichen und gerechten Weg suchen.

Unsere Gedanken, unsere Gebete sind mit euch.

It’s YOUR life, it’s now or never!

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Wünsch‘ dir ‚was! Airplanes – B.o.B./Hayley Williams

Den Song kann man hier hören und die Lyrics findet ihr hier

English version click here

„Airplanes“ ist schon mal ein guter Titel – für mich jedenfalls. Ich fliege gerne. Flugzeuge stehen für Wunder der Technik, Erfolg, Ferne, Abenteuer, den Traum von der großen, weiten Welt.

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Und um Träume geht es hier in diesem Song von B.o.B. „Lasst uns mal so tun als ob Flugzeuge Sternschnuppen wären…“ Wenn ich eine Sternschnuppe sehe, darf ich mir ‘was wünschen: „Can we pretend that airplanes in the night sky are like shooting stars.
I could really use a wish right now…“

Damit ist das Thema des Songs klar: Träume, Wünsche, Ziele und das Zerplatzen derselben.

Das Lied „Airplanes“ lebt von Gegensätzen. Mann-Frau, schwarz-weiß (B.o.B: und Hayley Williams), melodischer Pop im Refrain und schneller Rap in den Strophen.

Vom dunklen Nachthimmel geht’s auf die Bühne des Erfolgs. „After all the partyin’ and smashin’ and crashin’, and all the glitz and the glam and the fashion and all the pandemonium and all the madness
– Momentaufnahmen aus dem Leben des Superstars, aufregend, bunt, laut, hektisch.

Und dann der Absturz: „you fade to the blackness“ – du verblasst, löst dich auf in Dunkelheit. Auch hier wieder das Spiel mit Kontrasten.  Klassische Szene, Albtraum eines Künstlers: du wartest auf den nächsten Anruf, das nächste Engagement – und das Telefon bleibt stumm – „and when you’re staring at that phone in your lap and you hoping but them people never call you back….“ Du kannst dir nie sicher sein, wie die Sache sich entwickelt, und du musst immer auf dem Sprung sein, immer in Eile, keinen Flieger verpassen, Versprechungen machen: „So airplane airplane, sorry I’m late, I’m on my way so don’t close that gate. If I don’t make that then I’ll switch my flight and I’ll be right back at it by the end of the night…

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Wie wohltuend nach dieser Hetze wieder der Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel – „I could really use a wish right now…“.

In der zweiten Strophe dann der Wunschtraum, die Sehnsucht nach dem einfachen (?) Leben, das schon in der ersten Strophe einmal angedeutet wurde: „to go back to a place much simpler than this…“. Zurück zu den Anfängen als kleiner, unbedeutender Straßenmusikant, der für ein Trinkgeld in der U-Bahn spielt („to get a tip at subway“), der nur um der Musik willen und der Freude daran („for the hell of it“) rappte und nicht, um sein Bankkonto aufzufüllen. Geld, bzw. das Nichtvorhandensein von Geld, ist hier mehrmals Thema. Geld – manchmal etwa  eine Belastung?

Es geht auch um Heimat und Herkunft, um Sprache und Identität. „And back before I tried to cover up my slang. But this is for Decatur, what’s up Bobby Ray“ – Decatur, das ist die Heimatstadt des Künstlers Bobby Ray Simmons.

Damals sprach und sang er in seinem Slang, musste sich nicht verbiegen, nicht seine Herkunft verleugnen. Heute muss er verständlich sein für ganz Amerika, ja, für die ganze Welt. Also bitte nicht zu viel Slang…

Ok, das ist schon eine sehr idealisierte Sicht der Dinge, oder? Und darf einer, der so sehr am Musik-Business verdient, solche Kritik äußern?

Ob B.o.B. wirklich zurück will in die U-Bahn-Unterführung, zurück zu seiner ersten Demo-Mix-Kassette, die keiner hören wollte?

Nicht wirklich, vermutlich. Aber träumen darf man ja mal. Tun das nicht alle? Wir treffen Entscheidungen, das Leben nimmt seinen Lauf mit allen Aufs und Abs. Und irgendwo liegt das Paradies, in der Vergangenheit oder für manche auch in der Zukunft, wer weiß das schon?

Jetzt aber dürfen wir träumen und uns ‘was wünschen. Das hilft manchmal dabei, die Gegenwart und die sogenannten „Tatsachen“ in einem anderen Licht zu sehen…

Let’s pretend that airplanes in the night sky are like shooting stars…and make a wish!