Lieder, die das Leben schreibt: Tears in Heaven – Eric Clapton

Die Lyrics zum Lied findet ihr hier.

Wochenlang habe ich „Tears in Heaven“ auf dem Klavier geübt – fehlerfrei kann ich es immer noch nicht. Aber vorgestern spielte es die Organistin auf der Trauerfeier für eine Freundin. Das ging ganz besonders unter die Haut. Ich bin nicht die Einzige, der es so geht. Wo immer dieses Lied im Internet auftaucht, berichten Leute darüber, wie viel es ihnen in einer Trauersituation bedeutet hat. Das liegt sicherlich nicht nur an der Melodie und den Worten, sondern auch an der Situation, in der es entstanden ist. Es ist ein Lied, das das Leben schrieb – das Leben im Angesicht des Todes. Jochen Scheytt erklärt auf seiner Website „Popsongs und ihre Hintergründe„, dass Eric Clapton das Lied schrieb als sein 4jähriger Sohn tödlich verunglückte.

Es erzählt von einer Phantasiereise in den Himmel: „Would you know my name if I saw you in heaven? Would it be the same if I saw you in heaven?”

“Und in der zweiten Strophe heißt es weiter: “Would you hold my hand if I saw you in heaven? Would you help me stand if I saw you in heaven?” Würdest du mich wiedererkennen, würdest du mich trösten können, wenn wir uns im Himmel begegnen würden?

Dahinter steht natürlich die Frage: Was geschieht mit den Verstorbenen? Die christliche Vorstellung von einem Himmel, in dem wir uns alle wiedersehen werden,  ist ja nicht unbedingt biblisch belegt, ist für viele aber dennoch Trost. Damit wäre der Abschied von den geliebten Menschen nur ein vorübergehender,  der leichter  zu ertragen wäre. Das ist nur allzu verständlich, wirft aber auch eine Menge Fragen auf: welcher Art wäre der Kontakt dort oben, wie sehen wir aus, so wie wir gestorben sind oder als eine Art Idealbild oder körperlose Seelen – ich will auf diese Spekulationen gar nicht eingehen. Da kommt man unter Umständen eher in Teufels Küche oder zumindest in ein Gruselkabinett als in den Himmel…

Das tut Eric Clapton ja auch nicht. Er kommt sehr schnell zurück von seiner Traumreise in das wirkliche Leben: „I must be strong and carry on, ‚cause I know I don’t belong here in heaven.“ Sein Platz ist im Diesseits, im Wechsel der Tage und Nächte:“ I’ll find my way through night and day.“ Das irdische Leben ist manchmal schwer zu bewältigen: “Time can bring you down, time can bend your knees. Time can break your heart, have you begging please, begging please.” Der Verlust eines geliebten Menschen ist sicherlich solch eine Erfahrung, die mich in die Knie zwingen kann, mir das Herz bricht, mich um Gnade bitten und fragen  lässt: Warum ich? Warum meine Familie?

Dennoch: die Trauernden, wir Lebenden bleiben zurück hinter der verschlossenen Tür: „Beyond the door there’s peace I’m sure, and I know there’ll be no more tears in heaven.“

Diese Zeile hat dem Lied den Namen gegeben, das ja eigentlich “No more tears in heaven” heißen müsste. Hier gibt es in der Tat einen biblischen Bezug: „…und Gott wird abwischen alle Tränen“ (Offenbarung 21,4).

Das wäre ja schon viel geglaubt und gehofft, wenn wir das annehmen könnten.  Wir werden es sehen – hoffentlich. Denn eins ist sicher: wir werden alle durch diese Tür gehen, irgendwann.

Jetzt können wir wenigstens hier versuchen, einander die Tränen zu trocknen. Das wäre auch schon viel.

Gottes viele Gesichter: One of Us – Joan Osborne

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Joan Osbourne – One Of Us – MyVideo

Stell dir vor: du sitzt im Bus auf dem Weg  von der Arbeit nach Hause. Schräg gegenüber sitzt ein Typ, naja, du schwankst zwischen Mitleid und Unverständnis. Wie kann man sich nur so gehen lassen? Man muss ja nicht immer nach der neuesten Mode gekleidet sein– aber ein wenig kann man doch auf sein Äußeres achten. Eine Aktentasche hat der auch nicht dabei, wahrscheinlich arbeitslos, Hartz IV, also, das volle Programm läuft da ab in deinem Kopf. Man macht sich ja schnell ein Bild von anderen. Um dich herum wird munter telefoniert oder Musik gehört auf dem iPod. Manche unterhalten sich. Der Typ sieht schweigend aus dem Fenster. Er hat vielleicht kein Handy. Er sieht nicht glücklich aus.

Über so einen Typen singt Joan Osborne in ihrem Lied “One of Us“ (hier geht’s zu den Lyrics). Ich bin meinem Bloggerkollegen djbaroque sehr dankbar dafür, dass er mir durch sein Blog „My 2011 Musical Diary“ dieses Lied aus dem Jahr 1995 wieder in Erinnerung gerufen hat. Es geht um Gott. Um unser Gottesbild. Ist das vorstellbar, dass dieser Typ im Bus Gott ist – dieser eher unangenehme „slob“: “What if God was one of us, just a slob like one of us, just a stranger on the bus trying to make his way home”. Was, wenn Gott genauso ein Chaot, Lümmel, Tölpel, Nichtsnutz, ja, Waschlappen wäre wie viele von uns? Ein ganz gewöhnlicher Mensch auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, ein einsamer Mensch sogar, dessen Adressenliste auf dem Handy nicht lang ist und der höchstens mal einen Anruf vom Papst bekommt- ok, immerhin! 😉 : “He’s trying to make his way home, back up to heaven all alone, nobody calling on the phone ‚cept for the Pope maybe in Rome“. Das widerspricht dem Gottesbild, das in vielen Traditionen der großen Weltreligionen hochgehalten wird. „God is great“ – das entspricht dem schon eher. Darin könnten sich Judentum,  Christentum und Islam wahrscheinlich wiederfinden, auch wenn es vielen Menschen heute immer schwerer fällt, an so einen Gott zu glauben. Fast beschwörend, wie um ihre Zweifel niederzusingen, wiederholt Joan Osborne diesen Vers immer wieder im Refrain: „yeah, yeah, God is great!“

Aber was wäre, wenn Gott gar nicht der hohe, erhabene allmächtige Herrscher des Himmels und der Erde wäre? Könnten wir mit so einem Gott etwas anfangen? Wollen wir so einen Gott? Einen, der nicht regiert, nicht alles regelt, nicht eingreift und unsere Probleme löst? Immerhin sitzt er vielleicht neben uns im überfüllten Bus. Man könnte ihn endlich mal Vieles fragen. Aber wollen wir das wirklich wissen? Wollen wir einem allmächtigen Gott begegnen und dann das ganze himmlische Gedankengebäude akzeptieren müssen: „and would you wanna see if seeing meant that you would have to believe in things like heaven and in Jesus and the Saints and all the prophets”.

Was wäre wenn…wir uns damit begnügen würden, Gott im anderen Menschen zu sehen? Dadurch bekäme jeder Mensch eine Würde, unabhängig von Alter, Aussehen, Können. Das wird sehr schön am Video zum Song deutlich. Eine etwas surreale Szene, eine Kirmes, ein Fotogag: Gott hat viele Gesichter – auch nicht nur schöne.

Wenn Religionen sich darauf konzentrieren würden, Gott im anderen zu sehen, gäbe es vielleicht weniger Streit, mehr Achtung, mehr Respekt und Toleranz. Nicht schlecht, oder?

Im Übrigen steht im Zentrum des Christentums eine solche Aussage: Gott  – einer von uns. Ein Wanderprediger, ein Radikaler, ein Frauenversteher, ein Partytyp, einer, der schon mal ausrastet, ein als Verbrecher Gekreuzigter. Er war auch nicht allen sympathisch. Haben wir Christen die Konsequenz dieser Aussage eigentlich begriffen? Sind wir bereit und in der Lage, in dem Typen im Bus ein Bild Gottes zu sehen? Und ob man darüber mit Vertretern des Islam reden kann? Ich denke, wir stehen da noch ganz am Anfang.

Im Übrigen ein interessanter Gedanke: was würdest du Gott fragen, wenn du ihm (oder ihr?) begegnen würdest?

Es gibt übrigens auch eine deutsche Version des Songs mit Klage Lage: (Dank an A.Ebel für den Hinweis!)

Versatile Blogger Award

Seit ein paar Monaten weiß ich, dass es eine „Blogosphäre“ gibt, und ich bin ein kleiner, bescheidener Teil davon mit meinem gut drei Monate alten Blog.

Ein netter Bloggerkollege mag mein Blog und hat mir nun eine Auszeichnung zukommen lassen, den Versatile Blogger Award:

Herzlichen Dank an Jargs Blog , eine interessante, sehr vielseitige Website, an der mir vor allem die Musik-, Literatur- und Filmkritiken schon so manche Anregung gegeben haben.

Ich darf nun den Award an (15) andere BloggerInnen weitergeben. Es sollten kürzlich entdeckte, neue Blogger sein. Meine sind von mir „kürzlich“ entdeckt, aber sie bloggen schon eine Weile, teilweise sehr erfolgreich, denke ich. Ich kenne nicht viele neue, deutschsprachige, deshalb nenne ich einfach mal die, die ich gerne lese. Ich weiß auch gar nicht, ob die so etwas haben wollen, aber ich kann so ja mal einfach sagen: Ich mag eure Blogs!

Hier sind die Auserwählten, tataaa!

AnnetteWeber Blog

Lebe weise

mich allein

panzerkeks.de

Schreiben!

Der Herr Teddy und das Zwiebeleis

Wenn ihr mitspielen möchtet: Zu den Regeln des Spiels gehört es, den Award weiterzugeben und die „Preisträger“ natürlich zu informieren, sowie den/die Verleiherin zu nennen und 7 Dinge über sich selbst zu verraten – auch das will ich hiermit tun:

1. Ich glaube ich bin ein Network und Internet-Junkie.

2. Ich habe zuletzt „Tears in Heaven“ auf dem Klavier einstudiert.

3. Meinetwegen könnte der Winter ausfallen.

4. Ich säße jetzt gerne in meinem Lieblingscafe am Dee Why Beach, Sydney.

5. Ich mag eher Lieder in Moll, obwohl ich ein glücklicher Mensch bin.

6. Ich weiß: Geld macht nicht glücklich, aber ich hätte gerne etwas mehr davon.

7. Wenn ich es hätte, würde ich es fürs Reisen ausgeben.

Ich wünsche allen viel Spaß beim Entdecken neuer Blogs – und vergesst das „real life“  nicht!  😉

Ein Lied in Moll über das Glück: What Happiness Means To Me – Amy Macdonald

Wieder ein Jahr älter… Zeit um innezuhalten, nachzudenken. Wie läuft es so in meinem Leben? Bin ich glücklich?  Tue ich, was ich mag, was ich kann? Was möchte ich noch erreichen, was wünsche ich mir? Ich werde das hier jetzt nicht alles verraten – nur soviel: Ja, ich bin glücklich, immer mal wieder. Ein paar Gedanken zum Glück anhand eines Liedes:“What happiness means to me” von Amy Macdonald aus ihrem Album “A Curious Thing” (2010). Die Lyrics findet ihr hier.

Happiness – Glück, aber ein Lied in Moll, nachdenklich, ruhig, auch ein bisschen traurig: “Maybe in the end we would cry …And the tears did fill my eyes, and the memories they all had passed”. Eine (Liebes-) Beziehung ist zu Ende gegangen: “Will I ever see your face again ? Will I ever touch your skin?” Also Grund genug, un-glücklich zu sein, zu klagen. Sie hat ihm vertraut, ihm jedes Wort geglaubt: “But I believe in every book I’ve ever read and what you said“. Grund genug, ihm Vorwürfe zu machen. Aber nichts von alledem geschieht. Das gefällt mir. Das, was gewesen ist, macht sie glücklich, die Erinnerung, das Gute und Schöne. Das bedeutet “Happiness” für sie. Kann es sein, dass das ein Schlüssel zum „Glück“ ist – zu sehen, was mir Gutes begegnet ist, auch wenn es nicht von Dauer ist- „ I’ll never stop loving everything you do – but not me and you“? Ich klammere mich an das Gelingen, das Glück, das doch bitte ewig sein soll. Das ist es aber nie, oder? Das Glück kommt immer mal wieder vorbei. Es ist schwer zu fassen und festzuhalten.

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Die vielen Momente machen ein glückliches Leben aus. Sie zu sehen und dafür dankbar sein macht glücklich. Das kann man angeblich sogar lernen, behauptet Dr. Stefan Klein in seinem Buch „Die Glücksformel“. Wie gehe ich um mit dem, was mir zustößt? Wie behandele ich meine Erinnerungen? Darauf habe ich durchaus einen gewissen Einfluss und so gesehen auch auf meine Fähigkeit, glücklich zu sein.
This is what happiness means to me“ – ich bin glücklich, denn ich könnte eine lange Liste schreiben, mit Menschen und Dingen, Ereignissen, Träumen, Plänen, Erinnerungen, die  mich glücklich machen. Dabei sind auch Ereignisse, die mich zum damaligen Zeitpunkt traurig gemacht haben. Ich bin aber froh, dass ich sie erlebt habe. Sie haben mich schließlich zu der gemacht, die ich jetzt bin. Gut so.

Wie geht’s euch damit? Kann ein „trauriges“ Lied überzeugend vom Glück singen? Können euch auch traurige Erinnerungen glücklich machen? Dann gefällt euch der Song von Amy Macdonald ja vielleicht auch. 😉

Lied für die Mutigen: It’s My Life – Bon Jovi


Diese Tage werden vielleicht – hoffentlich?- in die Geschichte eingehen. Den ganzen Tag über habe ich die Bilder aus Ägypten verfolgt. Wird das ägyptische Volk den Weg in die Demokratie finden? Wie steht eigentlich „das Volk“ zu der ganzen Frage? Es demonstrieren ja längst nicht alle. Viele haben vielleicht Angst oder gar keine Meinung. Die Informationen fließen nur recht spärlich. Wer steigt da schon durch? Was ich sehe, berührt mich. Ich wünsche den Egyptern, dass ihr Wunsch, in einem demokratischen und freien Land zu leben, in Erfüllung geht.

Ein Lied aus dem Jahr 2000 von Bon Jovi kommt mir in den Sinn. „It’s my life“, die Hymne der Fußball-EM.

„I ain’t gonna be just a face in the crowd. You’re gonna hear my voice when I shout it out loud!” Über eine Million Menschen in Kairo – die Macht der Masse, aber eben auch: einzelne Gesichter, Individuen, die interviewt werden, die ihre Meinung sagen, die ihren Ärger und ihre Hoffnung den Reportern aus aller Welt offenbaren: „It’s my life, it’s now or never“. Dies ist die Stunde der Wahrheit, wenn sich jetzt nichts ändert, dann siegt vielleicht die Unterdrückung, der Machtwille einiger Weniger. Ich möchte leben, solange es noch nicht zu spät ist. Und Leben heißt hier: in Freiheit und Selbstbestimmung leben, im Hier und Jetzt, und nicht in einer Zukunft, auf die ihr, die Machthaber, die religiösen Führer mich vertrösten wollt.

Dieses Lied ist für die, die es schwer haben im Leben, für Tommy und Gina. Er, der Hafenarbeiter, sie, die Bedienung im Schnellrestaurant. Sie tauchen auch in anderen Liedern Bon Jovis auf, z.B. „Living on a Prayer“. Sie kämpfen, leben für ihren Traum, füreinander: “It doesn’t make a difference if we make it or not,we got each other and that’s a lot for love, we’ll give it a shot.”

Dieses Lied ist für die Kämpfer, nicht für die, die schon aufgegeben haben. “This ain’t a song for the broken-hearted, no silent prayer for the faith-departed”. Es ist für die, die ihren Weg gehen: “I did it my way“ (Zitat Frank Sinatra). Es ist für die, die die Herausforderung annehmen:  „Better stand tall when they’re calling you out“ , die sich nicht beugen, die  nicht brechen, nicht zurückweichen: „Don’t bend, don’t break, baby, don’t back down“.

Es ist leicht, sich vom gemütlichen Sessel aus eine Meinung zu bilden, zu sagen: lasst euch nicht unterkriegen.

Es fließt schon Blut, es gab schon mindestens ein Todesopfer.

Und trotzdem, was anderes bleibt uns jetzt nicht, als denen Mut zuzusprechen, die einen friedlichen und gerechten Weg suchen.

Unsere Gedanken, unsere Gebete sind mit euch.

It’s YOUR life, it’s now or never!