Bildschön: Somebody that I used to know – Gotye feat. Kimbra

Der Australier/Belgier Wouter De Backer  alias  Gotye  (sprich wie Gaultier, der Modeschöpfer) ist mit seinem originellen Video zum Song „Somebody that I used to know“  ( Link zum Video und Songtext/Lyrics  hier) aus dem Album  „Making Mirrors“ (2011) ganz groß auch auf der europäischen Bühne angekommen.

Thema ist wieder einmal das Scheitern einer Liebe. Warum nur sind all die Dinge, die wir für so wichtig halten, so kompliziert? Frieden, Gerechtigkeit, Liebe – wir suchen sie und meinen sie manchmal zu finden – und schon sind sie uns wieder entglitten.

Was bleibt, ist der Rückblick auf etwas, das mal da war und was der Sänger für Liebe hielt:

„Now and then I think of when we were together
Like when you said you felt so happy you could die
Told myself that you were right for me…“

Aber da war ein Zweifel von Anfang an, eine Traurigkeit, ein Wissen darum, dass es nicht „die Richtige“ ist:

„But felt so lonely in your company
But that was love and it’s an ache I still remember
You can get addicted to a certain kind of sadness
Like resignation to the end…“

Kann man sich an den Schmerz gewöhnen, an das Selbstmitleid? Gewiss, und da heute Beziehungen oft scheitern, ist man regelrecht dazu gezwungen, mit dieser Erfahrung weiter zu leben. Und man ist ja erwachsen und trennt sich einvernehmlich und als Freunde, denkt man jedenfalls:

„So when we found that we could not make sense
Well you said that we would still be friends
But I’ll admit that I was glad that it was over…“

Bisher bleibt der Sänger im Video relativ regungslos, er hat alles im Griff, so scheint es. Aber dann bricht der Schmerz doch hervor. Was scheinbar so spurlos an ihm vorbeigeht, hat doch furchtbar gekränkt:

„But you didn’t have to cut me off
Make out like it never happened                                                  
And that we were nothing…“

So tun, als wenn nichts gewesen wäre, die gemeinsame Geschichte auslöschen, ja, jeglichen Kontakt abbrechen und die Freunde beauftragen, die restlichen Sachen abzuholen, das ist ja wohl unterste Schublade:

„But you treat me like a stranger
And that feels so rough
You didn’t have to stoop so low                                                                                     
Have your friends collect your records
And then change your number…“

Aus der großen (oder kleinen?) Liebe wird einfach eine Bekannte:

„Now you’re just somebody that I used to know…“

Soweit die eine Seite der Geschichte. Dann hören wir die andere, IHRE, dargestellt und gesungen von der neuseeländischen Künstlerin Kimbra :

„Now and then I think of all the times you screwed me over
But had me believing it was always something that I’d done
And I don’t wanna live that way
Reading into every word you say…“

Sie fühlt sich betrogen, eingeengt, für alle Probleme verantwortlich gemacht und zieht einen Schlussstrich. Sie bewegt sich heraus aus dem Gemälde, schüttelt sich regelrecht frei, geht auf ihn zu und wieder zurück. Sie verliert die Farbe – und es ist, als ob er sie hier zum ersten Mal wirklich wahrnimmt und ihr fast bedauernd hinterher sieht.

Kann man sich so täuschen, kann man so blind sein?  Sind wir alle zu sehr damit beschäftigt, unser Leben zu entwerfen, die richtigen „Farben“ für unser  Lebens-Gemälde  zu designen – so sehr, dass wir die Menschen gar nicht mehr richtig wahrnehmen, die wir einfach in das Bild meinen einfügen zu können? Werden sie zu Körpern (some-body), Statisten, Leinwand, die wir meinen gestalten zu können?

Sehen wir genauer hin, bevor es zu spät ist und wir die Liste  derer, die wir mal „ganz gut kannten“ (somebody that I used to know), wieder um einen Namen verlängern müssen…

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Nimm dir das Leben – Udo Lindenberg

Foto via Wikipedia

Udo Lindenberg hat es dieses Jahr geschafft, mit dem Album „Udo Lindenberg MTV unplugged“ wieder ganz groß und locker rauszukommen – sehr schöne Remakes seiner Songs sind da entstanden, zusammen mit Künstlern wie Clueso, Max Herre, Inga Humpe und Jan Delay und  – und Udo und Clueso hat es ganz weit hinauf  in die Charts verschlagen mit „Cello“.

Nimm dir das Leben“  ist jetzt zwar kein richtiger Weihnachtssong, aber dieses Lied hat auch irgendwie etwas damit zu tun, mit der Liebe zum Leben.  Um die geht es ja Weihnachten auch, wenn der, der das alles hier ins Leben gerufen hat, sich nicht zu schade ist, sich mitten hinein zu begeben in unser manchmal recht armseliges und mühseliges Leben.

Der auch etwas „alt“ gewordene Udo singt hier einem Freund Mut zu, der es nötig hat, und ruft ihm vergangene glorreiche Zeiten in Erinnerung:

„Wir war‘n  zwei hammerkrasse Typen, zwei  wie‘s sie nur einmal gab,                          früher war‘n wir doch unsterblich…“.

Aber jetzt?

„Jetzt stehst du mit einem Bein im Grab.                                                                               Die Welt da draußen macht dich fertig und du sagst du hast genug..“

So ist das manchmal mit der Kraft und der Energie – die Akkus sind leer, ans Aufladen denkt man zu spät und schon geht das Licht aus:

„Wo ist deine Power hin, wo ist sie geblieben?“

Es ist schon seltsam, dass ausgerechnet die so schöne Weihnachtszeit viele an die Grenzen der Erschöpfung treibt, so dass einigen sogar der Suizid als Ausweg erscheint, dass in vielen Familien ausgerechnet in dieser Zeit der Haussegen schief hängt – wie traurig ist das? Gut, wenn einem dann einer sagt:

„Wir sind doch keine Automaten, wir sind ein Wunder, du und ich,                                    lass die andern weiterhetzen,  weiterhetzen – wir nicht!                                                       Wir streunen locker durch die Gegend, mal sehn wohin es uns so bringt…

Nimm dir das Leben und lass es nicht mehr los,                                                             denn alles was du hast, ist dieses eine bloß.                                                                       Nimm dir das Leben und gib‘s nie wieder her,                                                                  denn wenn man es mal braucht, dann findet man es so schwer.“

Also: Leben nehmen, ja, aber im positiven Sinne des Wortes. Was das für jeden persönlich bedeutet, mag unterschiedlich sein. Letztendlich ist alles, was  Leben fördert – meins und das der anderen – gut und im Sinne des Erfinders, oder?

Und denkt dran: nehmt euch das wahre Leben so oft und wann immer ihr könnt – und lasst die andern weiterhetzen…  😉  Macht mal Pause, bleibt stehen, setzt euch hin, hört Musik, singt, lest, liebt, lacht, redet mit anderen, oder bewegt euch, geht hinaus in die Natur, in die Stadt – findet heraus, was  euch gut tut – und seid ein Licht im Leben der anderen!

In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Leserinnen und Lesern

lebendige, frohe Weihnachten und ein gutes Jahr 2012!

P.S. Jetzt, gegen Ende des Jahres 2012 kommt ein Video zum Song:

Himmel über Husum: Casper – Michael X



Ist das jetzt Rap oder Pop oder Indie, was der Casper da macht? Darüber streiten sich die Gelehrten auf rap.de und anderswo mit erstaunlicher Aggressivität. Ist mir egal. Ich weiß auch noch nicht, was ich von der Stimme halten soll, aber dieses Video hat mich definitiv für Benjamin Griffey alias Casper eingenommen. Gedreht in meiner „quasi-zweiten-Heimat“ Husum in Nordfriesland. Im Song „Michael X“ aus dem Album „XOXO“ (2011) geht es angeblich um einen Jugendfreund, der sich das Leben genommen hat. Ab und zu „kommt er vorbei“, ist für seine Freunde spürbar und Casper gratuliert ihm zum  Geburtstag:

„Jedes Mal wenn der Wind pfeift und durch Äste weht,
bilden wir uns einfach ein, du willst nur nach dem Rechten seh’n.
Dann warst du kurz zu Besuch, leider nur zu Besuch, hoff ‚es geht dir gut,
da wo du bist.

War schön, dich zu seh’n, verdammt, alles Gute zum Geburtstag, bis nächstes Jahr!“                                                                                                                                                                                                                                                    

Casper erinnert sich an die guten, alten Zeiten der gemeinsamen Jugend, die ja gar nicht so lange her ist (Casper ist Jahrgang 1982)- sex , drugs, music, ob hip hop oder rock oder punk, ist ja egal, das macht einen großen Teil dieser Zeit aus.

„Ich weiß noch, wie …
Wir die Lieder sangen, die vom Leben lieben handeln,
Tequila tranken, machten Jägermeister platt,
In den Mond schrien: „Verdammt,
wir sind die geilste Gang der Stadt!“

Du warst unser Bruce, wir deine kleine E-Street Band,
Hatten nie viel Geld, aber jeden Tag mega Brand, Rewe-Markt, Rotwein im Tetrapack für den Weg gezockt…“

All die Anspielungen auf andere Bands und Zitate in den Lyrics sind hier ganz wunderbar zusammengestellt, das möchte ich hier nicht wiederholen.

Und was ist mit Michael, der sich aus dem Staub gemacht hat? Er war cool, das Bindeglied in der Clique, aber immer auch ein bisschen anders – hätte man kommen sehen müssen, was passiert ist?

„Ich weiß noch wie du sagtest:
‚Nie werd ich 27‘
du warst unser Bruce (Springsteen)
bist schon immer weg, wenn’s auf Partys am besten war…“

Alles hat sich verändert. Aus dem „Teenagerspaß“ wurde der Ernst des Lebens. Nach der Zivildienstzeit kommt nicht die Karriere als Astronaut oder Rockstar, sondern                                                                

„Sieh nur die Stadt, wie sie dabei sind, alles einzureißen,
kreidebleiche Gesichter schwer von der Zeit gezeichnet.
Zuviel Korn und Wein
treibt zur Morgenzeit Sorgen heim,
ein Ort ertränkt in Akkordarbeit…“
Man lächelt und nickt, redet’s Wetter schlecht, ab und an mal SMS…“          

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Ist das so? Sollte man wirklich vor 27 die Biege machen? Nur weil man merkt, dass wir nicht (nur) zum Vergnügen hier sind? Aber man hat’s ja auch als Teenager nicht leicht, wie man am Beispiel Michael X sehen kann und, ja, es tut weh, erwachsen zu werden, „is so“…

Andererseits, eine Jugend, die nicht aufbegehrt, ist mir auch suspekt. Casper findet hier eine Sprache, die offenbar die Gefühle seiner jungen Fans anspricht und Bilder, die auch bei mir etwas anrühren:

„Und deine Mum hält dein Zimmer wie du’s gelassen hast,
an dem Moment wo dich Willen und Mut verlassen hat.
Die Lautsprecher tönen es laut,
dein Lieblingslied, aber hörst du das auch?
Sag, hörst du das auch, da wo du bist?“

Und zum Glück gibt es auch nach 27 noch so etwas wie Liebe, die vielleicht bleibt:

„Spring nicht mehr von Bett zu Bett, schwer zu fassen, ich weiß
Kein Plan, ob’s Lieben ist, doch was es ist, ich hoff‘, dass es bleibt
Drück‘ mir die Daumen…“

…und einen Himmel, der vielleicht nirgendwo so schön und weit ist wie über Nordfriesland:

„Hoff‘ es geht dir gut, da wo du bist
Da wo du bist.“

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