Apokalypse now? Skyfall – Adele

Skyfall by yatish on deviant.ART cc by nc sa

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Adele — Skyfall – MyVideo – ein Video zum Song

Skyfall – man meint, das zu verstehen, obwohl das Wort im englischen Wörterbuch gar nicht vorkommt. Zur Bedeutung:es muss etwas Bedrohliches sein. Erstens, weil es ein James-Bond-Film ist und zweitens, weil Fallen meistens schmerzhaft ist (z.B. „to fall in love :-)) und drittens, weil schon die alten Gallier wussten, dass es mit der Welt zu Ende geht, wenn ihnen der Himmel auf den Kopf fallen sollte.

Auch Adele, die britische Sängerin des neuen James-Bond-Titelsongs zum Film „Skyfall“, macht gleich zu Anfang klar, dass hier etwas zu Ende geht, was wiederum eine bedrohliche Erfahrung sein kann:

„This is the end
Hold your breath and count to ten
Feel the earth move and then
Hear my heart burst again“

Der final Count-down sozusagen – man fragt sich nur: ist das gleichzeitig der Soundtrack zum Ende des Maya-Kalenders (datiert auf Dezember 2012, das ist bald, nur wenige Wochen nach dem Bond-Film, zum Glück !) oder steckt dahinter eine ganz profane Aktion eines Bösewichts, die in guter 007-Manier mit reichlich Sprengstoff und Feuer einhergeht? Man weiß es nicht – und das Rätsel wird auch nicht gelöst im weiteren Verlauf des Songs:

„For this is the end
I’ve drowned and dreamt this moment
So overdue I owe them
Swept away, I’m stolen“

Das klingt reichlich kryptisch – und wer hier wem etwas schuldet, ist mir auch nicht klar, aber egal – seien wir einfach ebenso wie Adele überwältigt von dem, was da kommt:

Let the sky fall,
When it crumbles
We will stand tall
Face it all together
At Skyfall
At Skyfall“

Adele umschifft das linguistische Problem, indem sie ganz einfach aus dem Nomen ein Verb macht .Und es wird deutlich: sie ist nicht allein – der Weltuntergang/Himmelsturz/Skyfall wird gemeinsam durchgestanden, wenn auch mit gewissen Einschränkungen:

„Skyfall is where we start
A thousand miles and poles apart
Where worlds collide and days are dark
You may have my number
You can take my name
But you’ll never have my heart“

Gestatten: Bond, James Bond. My number? 007 – das muss reichen. Das Herz ist heute hier morgen dort oder im nächsten Film, beim nächsten Bond-Girl. Das sollten die doch inzwischen wissen, dass das kein Mann fürs Leben ist. Aber im Moment der Gefahr oder gar des Weltuntergangs ist der Mann ja keine schlechte Wahl (da kommt’s eh nicht aufs Morgen an) – und die Mädels sind ja auch nicht anders drauf.

„Where you go I go
What you see I see
I know I’d never be me
Without the Security of your loving arms
Keeping me from harm
Put your hand in my hand
And we’ll stand.“

…bis der Himmel einstürzt eben.

Aber natürlich ist das hier nicht wirklich das Ende, wo andere aufhören, fängt 007 erst richtig an:

„Skyfall is where we start…“

O-Ton Szene aus dem Film: “Jeder braucht ein Hobby”. „Und was ist Ihr’s? „  007:„Auferstehung“.

Also, nicht nachdenken, Adeles Stimme wirken lassen, Tickets besorgen (nicht in der ersten Reihe, da wird einem bei Bond-Filmen schwindelig und übel) und an die Auferstehung glauben… 🙂

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Outback-Rock mit Botschaft? Beds are Burning – Midnight Oil

Ein Video gibt es  hier –  Lyrics findet ihr hier

Man begegnet ihnen kaum, den Aborigines, den Ureinwohnern Australiens. Sie leben nicht in den Großstädten, nicht in Sydney und Melbourne, sondern im Outback, in den kleinen Landstädtchen und Dörfern oder Roadhouses am Rande der Landstraßen. Sie leben in Alice Springs, in der Mitte des Kontinents, in der Nähe (500km sind nah in Australien!) ihrer größten heilige Orte, Uluru und Kata Tjuta. Ihre Kultur, ihre Kunst jedoch ist allgegenwärtig. Sie wird vermarktet auf T-Shirts und Tassen, auf Kalendern und Postkarten. Viele Didgeridoos und Boomerangs verlassen als Souvenirs jeden Tag das Land. Großformatige Acryl-Leinwandmalereien hängen inzwischen in Museen weltweit und erzielen auf Auktionen Millionenbeträge. Die Künstler leben unter teilweise erbärmlichen Umständen in der staubigen Wüste . Mehrere Familien teilen sich eine Wellblechhütte, oft gibt es keinen Strom, kein fließendes Wasser. Im Jahr 2007 ging ein Aufschrei durch das Land, als eine Untersuchung diese Zustände an die Öffentlichkeit brachte. Dabei wussten es alle längst. Die Ureinwohner Australiens haben die niedrigste Lebenserwartung, die schlechteste Schulbildung, die größten Alkoholprobleme. Besonders die Kinder leiden unter diesen Zuständen, wie der Report aus dem Jahr 2007 „Little Children are sacred“ betonte. Kinder wurden bis in die 70er Jahre hinein aus ihren Familien gerissen, um sie in den Genuss der weißen westlichen Lebensweise zu bringen. Immerhin schaffte es 2007 die Regierung unter Premierminister Kevin Rudd, das längst fällige „SORRY“ im Parlament auszusprechen und so die Schuld einzugestehen, die das Leben dieser Menschen zerstört hat.

Midnight Oil hatte bei der Olympiade in Sydney 2000 auf diese Missstände hingewiesen mit ihrem Song aus dem Jahr 1988 „Beds are burning“. Sie trugen bei ihrem Auftritt schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „Sorry“. Damit rückten sie das Schicksal der Aborigines ins Rampenlicht der weltweiten Öffentlichkeit.

Der Song beginnt mit einer Beschreibung des staubig-trockenen heißen Outbackszenarios:

Out where the river broke
The bloodwood and the desert oak
Holden wrecks and boiling diesels
Steaming forty five degrees”.

Bloodwood und Desert Oak, Bäume, die in dieser Trockenheit überleben. Autowracks, die liegengeblieben sind, weil die nächste Tankstelle hunderte von Kilometern entfernt ist. 45 Grad Hitze, im Sommer keine Seltenheit.

In der zweiten Strophe eine ähnliche Stimmung:

Four wheels scare the cockatoos
From Kintore East to Yuendemu
The western desert lives and breathes
In forty five degrees.”

Hin und wieder scheucht ein Auto, meistens Allradantrieb, (asphaltierte Straßen gibt es hier kaum), die Kakadus auf. Was so tot und verlassen aussieht, lebt natürlich trotzdem. Und was da alles lebt: die giftigsten Spinnen und Schlangen der Welt, nachtaktive Beuteltiere, Kängurus natürlich. Aber eben auch Menschen. Unvorstellbar, wie man hier überleben kann, aber sie tun es, und das  seit 50000 Jahren, wie Archäologen nachweisen konnten.

Deshalb der Aufruf:

The time has come                  The time has come
A fact’s a fact                              To say fair’s fair
It belongs to them                     To pay the rent
Let’s give it back”.                     To pay our share“.

Die weißen, eingewanderten Australier sollten ihren Anteil, ihre “Miete” am Land zahlen. Heute kann das nur heißen, den Aborigines dieselben Chancen einzuräumen auf Bildung, Gesundheit, Wohlstand. Kein leichtes Projekt. Da prallen wirklich zwei Welten aufeinander, aber das heißt nicht, dass man aus der Verantwortung entlassen ist als „Eroberer“.

Der Refrain nimmt diese Problematik auf:

How can we dance when our earth is turning
How do we sleep while our beds are burning?

Wie können wir (ruhig) schlafen, während doch das Bett, in dem wir liegen, brennt. Darin liegt in der Tat sozialer Zündstoff. Wir tanzen, vergnügen uns, während die Erde sich weiterdreht. Wird uns nicht irgendwann schwindelig? Zeit zu handeln, Zeit zum Innehalten. Das ist die Botschaft.

So richtig angekommen ist sie noch nicht. Die Erde dreht sich weiter. Immer neue Probleme kommen hinzu. Nicht nur das australische Outback heizt sich auf, die gesamte Erde – auch wenn wir zur Zeit in Deutschland nichts davon spüren…brrr.

Midnight Oil gibt es als Band nicht mehr. Ihr Leadsinger Peter Garrett war Umwelt- und Kulturminister, jetzt ist er Minister für Bildung und Kinder-und Jugendangelegenheiten in der australischen Regierung.

Ihre Botschaft ist immer noch notwendig und ihre Musik hörenswert, finde ich.

Im Dezember 2009 wurde der Song anlässlich der Klimakonferenz in Kopenhagen umgedichtet. Mehrere Künstler und Kofi Annan wirkten an dem sehenswerten und leider immer noch aktuellen Videoclip mit.