Tatort See: Miriam – Norah Jones

Darf man das? Von Mord und Totschlag singen – und das mit einer so schönen Stimme und mit einem Ausdruck, als könne sie kein Wässerchen trüben? Na klar! Warum darf eine Sängerin nicht, was Schriftstellerinnen dürfen und reihenweise tun – Krimis schreiben. Das hat Norah Jones mit „Miriam“ auf ihrem Album „Little Broken Hearts“ (2012) getan. Video und Song kann man hier hören und sehen.

Da fährt man mit der schönen Norah nichtsahnend im Ruderboot auf den See, nur um Zeuge eines blutigen Racheaktes zu werden:

„Miriam
That’s such a pretty name
I’m gonna say it when I make you cry
Miriam
You know you done me wrong
I’m gonna smile when you say goodbye …“

Say goodbye – und zwar für immer…                                                                        Warum? Nun, die gute Miriam hat sich offenbar am falschen Mann vergriffen:

„When you were having fun
In my big pretty house
Did you think twice?
Miriam
Was it a game to you?
Was it a game to him?
Don’t tell me lies…“

Der betroffene Mann hat sich zwar ritterlicher Weise vor die gute Miriam gestellt – sie habe nicht angefangen, sondern er, aber das wird sie nicht retten – und ihn hat es auch nicht gerettet:

„I know he said it’s not your fault
But I don’t believe that’s true
I’ve punished him from ear to ear
Now I’ve saved the best for you
And I try not to hurt you
‚Cause you might not be that bad
But it takes a lot to make me go this mad…“

Sie ist wirklich böse und verletzt – und sie will Rache, denn die ist süß und hilft über den Schmerz hinweg:

„Oh, Miriam
That’s such a pretty name
And I’ll keep saying it
Until you die…
I’m gonna smile when
I take you life
Mmmm…“

Was ist passiert? Was der Songtext nur andeutet, macht das Video deutlicher: ein blutiges Ruder, eine mit einem Stein beschwerte gefesselte Frauenleiche im Wasser unter dem Boot, böse, böse…

Norah Jones nimmt damit die Tradition der „murder ballad“auf, die besonders in der Country Musik beliebt war.

Ist ja nur ein Song, und nicht zur Nachahmung empfohlen, das sagt auch Norah Jones im Interview:

„Q: What advice do you have for the brokenhearted?
A: Eat a cheeseburger, it will make you feel better [laughs]. I don’t know. Do something fun for yourself. Get your head out of your ass. You have to wallow in it for a while. But after a while it’s time to move on.“

Die Moral von der Geschicht‘? Traue schönen Frauen und stillen Wassern nicht? Wohl kaum. Aber ein bisschen böse steckt  in jedem von uns, das muss auch mal gesagt und  gesungen werden, finde ich… 😉

P.S. Als passionierte Krimi-Leserin frage ich mich nur: wo ist die zweite Leiche??? I’ve punished him from ear to ear... klingt nach noch mehr Blut…

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Tatort Eurovision Song Contest! Taken by a Stranger – Lena Meyer-Landrut

Lena Meyer-Landrut – Taken By A Stranger from wiyono on Vimeo.

Morgen ist es soweit: Lena tritt abermals beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf an. Mir ist bisher noch kein Lied begegnet (außer vielleicht Stairway to Heaven von Led Zeppelin, entschuldigt, wenn ich es in einem Atemzug mit Lena nenne…), um dessen Lyrics und Bedeutung es so viel Rätselraten gibt. Hier kann man Infos zum Song und die Lyrics nachlesen.

Das ist wohl Absicht und soll den Reiz des Songs „Taken by a Stranger“ ausmachen: es sei spooky, anders, rätselhaft, wie ein Krimi. Also schalten wir mal die Spurensicherung ein:

She’s got a knuckle in her eye….”   Die Dame hat offenbar ein blaues Auge, auch „Veilchen“ genannt, ist Opfer von physischer Gewalt – oder ist sie doch nur die Kellertreppe heruntergefallen? Andererseits ist sie selbst aber auch nicht ganz ohne: „He knows her catcall  …can’t escape from telling lies“. Sie ist es , die ihm hinterher pfeift, die nicht immer bei der Wahrheit bleibt, um ihre Ziele zu erreichen. Sie macht sich an ihn heran:“Hey, mind if I take this chair? “

Kommen wir zur zweiten (tatverdächtigen?) Person: Er sitzt offenbar an der Bar (stell ich mir so vor) und ist eine eher ungepflegte Erscheinung: „You’ve got some coffee on your collar and you forgot to comb your hair“.  Trotzdem scheint von ihm eine ungeheure Faszination auszugehen, zumindest für die erwähnte Lady. Sie lässt sich selbst von seinem Zögern nicht abwimmeln und ihre Aufdringlichkeit scheint ihm gerade zu gefallen: „He drops a pause. She looks annoyed but she’s so mean- he thinks she has to be the one.

Es gibt Indizien dafür, dass die beiden sich schon früher einmal begegnet sind: „Trip me up and spin me round AGAIN“.

Sie spielt mit dem Feuer und weiß es, aber genießt es offenbar: „ Taken by a stranger, stranger things are starting to begin.  Lured into the danger (it’s a risky business) . „Taken“ ist hier sicherlich im Sinne von „Fasziniert sein, gefesselt sein“ gemeint, aber vielleicht auch mehr…

Was genau die beiden da treiben, weiß man nicht, es könnte sich aber um pikante Verkleidungsspiele handeln: „Put the blindfold on his eyes. She saw him peek through, can’t imagine her disguise” – jedem seinen Spaß!

Wenn wir das Video zum Film noch als Beweismaterial heranziehen, kommen noch  zerbrochene Spiegel  hinzu.

Das Verfahren muss jedoch eingestellt werden, da es weder eine Klägerin noch ein Opfer gibt.

Trotzdem bleibt bei den Ermittlern ein unbehagliches Gefühl.

Ist die Frau wirklich nur die Treppe hinuntergefallen?

Woher kommen die Scherben? Handelt es sich doch um ein Verbrechen? Die Frau wurde nach dem letzten Treffen in der Bar nie mehr gesehen (siehe letzte Szene im Video). Spooky, wirklich….

Klingt ein bisschen nach „Bad Romance“ 2. Auflage. Sowas ist offenbar im Trend.

Ich wünsche Lena am Samstag Glück. Nachdem ich ein paar Songs der Konkurrenz gehört habe, kann ich mir durchaus vorstellen, dass sie eine Chance hat. Und so übel ist der Song gar nicht, finde ich.

Go Lena!  😉