Outback-Rock mit Botschaft? Beds are Burning – Midnight Oil

Ein Video gibt es  hier –  Lyrics findet ihr hier

Man begegnet ihnen kaum, den Aborigines, den Ureinwohnern Australiens. Sie leben nicht in den Großstädten, nicht in Sydney und Melbourne, sondern im Outback, in den kleinen Landstädtchen und Dörfern oder Roadhouses am Rande der Landstraßen. Sie leben in Alice Springs, in der Mitte des Kontinents, in der Nähe (500km sind nah in Australien!) ihrer größten heilige Orte, Uluru und Kata Tjuta. Ihre Kultur, ihre Kunst jedoch ist allgegenwärtig. Sie wird vermarktet auf T-Shirts und Tassen, auf Kalendern und Postkarten. Viele Didgeridoos und Boomerangs verlassen als Souvenirs jeden Tag das Land. Großformatige Acryl-Leinwandmalereien hängen inzwischen in Museen weltweit und erzielen auf Auktionen Millionenbeträge. Die Künstler leben unter teilweise erbärmlichen Umständen in der staubigen Wüste . Mehrere Familien teilen sich eine Wellblechhütte, oft gibt es keinen Strom, kein fließendes Wasser. Im Jahr 2007 ging ein Aufschrei durch das Land, als eine Untersuchung diese Zustände an die Öffentlichkeit brachte. Dabei wussten es alle längst. Die Ureinwohner Australiens haben die niedrigste Lebenserwartung, die schlechteste Schulbildung, die größten Alkoholprobleme. Besonders die Kinder leiden unter diesen Zuständen, wie der Report aus dem Jahr 2007 „Little Children are sacred“ betonte. Kinder wurden bis in die 70er Jahre hinein aus ihren Familien gerissen, um sie in den Genuss der weißen westlichen Lebensweise zu bringen. Immerhin schaffte es 2007 die Regierung unter Premierminister Kevin Rudd, das längst fällige „SORRY“ im Parlament auszusprechen und so die Schuld einzugestehen, die das Leben dieser Menschen zerstört hat.

Midnight Oil hatte bei der Olympiade in Sydney 2000 auf diese Missstände hingewiesen mit ihrem Song aus dem Jahr 1988 „Beds are burning“. Sie trugen bei ihrem Auftritt schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „Sorry“. Damit rückten sie das Schicksal der Aborigines ins Rampenlicht der weltweiten Öffentlichkeit.

Der Song beginnt mit einer Beschreibung des staubig-trockenen heißen Outbackszenarios:

Out where the river broke
The bloodwood and the desert oak
Holden wrecks and boiling diesels
Steaming forty five degrees”.

Bloodwood und Desert Oak, Bäume, die in dieser Trockenheit überleben. Autowracks, die liegengeblieben sind, weil die nächste Tankstelle hunderte von Kilometern entfernt ist. 45 Grad Hitze, im Sommer keine Seltenheit.

In der zweiten Strophe eine ähnliche Stimmung:

Four wheels scare the cockatoos
From Kintore East to Yuendemu
The western desert lives and breathes
In forty five degrees.”

Hin und wieder scheucht ein Auto, meistens Allradantrieb, (asphaltierte Straßen gibt es hier kaum), die Kakadus auf. Was so tot und verlassen aussieht, lebt natürlich trotzdem. Und was da alles lebt: die giftigsten Spinnen und Schlangen der Welt, nachtaktive Beuteltiere, Kängurus natürlich. Aber eben auch Menschen. Unvorstellbar, wie man hier überleben kann, aber sie tun es, und das  seit 50000 Jahren, wie Archäologen nachweisen konnten.

Deshalb der Aufruf:

The time has come                  The time has come
A fact’s a fact                              To say fair’s fair
It belongs to them                     To pay the rent
Let’s give it back”.                     To pay our share“.

Die weißen, eingewanderten Australier sollten ihren Anteil, ihre “Miete” am Land zahlen. Heute kann das nur heißen, den Aborigines dieselben Chancen einzuräumen auf Bildung, Gesundheit, Wohlstand. Kein leichtes Projekt. Da prallen wirklich zwei Welten aufeinander, aber das heißt nicht, dass man aus der Verantwortung entlassen ist als „Eroberer“.

Der Refrain nimmt diese Problematik auf:

How can we dance when our earth is turning
How do we sleep while our beds are burning?

Wie können wir (ruhig) schlafen, während doch das Bett, in dem wir liegen, brennt. Darin liegt in der Tat sozialer Zündstoff. Wir tanzen, vergnügen uns, während die Erde sich weiterdreht. Wird uns nicht irgendwann schwindelig? Zeit zu handeln, Zeit zum Innehalten. Das ist die Botschaft.

So richtig angekommen ist sie noch nicht. Die Erde dreht sich weiter. Immer neue Probleme kommen hinzu. Nicht nur das australische Outback heizt sich auf, die gesamte Erde – auch wenn wir zur Zeit in Deutschland nichts davon spüren…brrr.

Midnight Oil gibt es als Band nicht mehr. Ihr Leadsinger Peter Garrett war Umwelt- und Kulturminister, jetzt ist er Minister für Bildung und Kinder-und Jugendangelegenheiten in der australischen Regierung.

Ihre Botschaft ist immer noch notwendig und ihre Musik hörenswert, finde ich.

Im Dezember 2009 wurde der Song anlässlich der Klimakonferenz in Kopenhagen umgedichtet. Mehrere Künstler und Kofi Annan wirkten an dem sehenswerten und leider immer noch aktuellen Videoclip mit.

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Hausmusik der anderen Art: Closer to the edge – 30 Seconds To Mars

Hier gibt es Lyrics und Video.

Ich mag es, wenn Familienmitglieder zusammen  Musik machen. Hausmusik. Weihnachtsmusik. Was auch immer. Finde ich schön, rührend. Was die Brüder Jared und Shannon Leto da zusammen machen, ist aber eher nicht rührend. Die verbergen sich nämlich hinter dem kreativen, irgendwie kryptischen Bandnamen „30 Seconds to Mars“. Ich muss gestehen, bis vor kurzem wusste ich nicht, dass das  der Name einer Band und nicht der Titel eines Science-Fiction-Romans ist. Mit „Closer to the Edge“ landeten 30 Seconds to Mars Anfang 2010 einen großen Hit. Auch der Text dieses Songs mutet eher geheimnisvoll an.  Schau’n wir ‘mal:

I don’t remember the moment I tried to forget, I lost myself is it better not said, now I’m closer to the edge”.

Rückblickend auf einen Moment des Sich-Selbst-Verlierens gesteht der Sänger: Ich stehe am Abgrund. Und ich weiß nicht mehr genau, wann es anfing.
Unklar ist – warum? Weiter heißt es: “It was a thousand to one and a million to two. Time to go down in flames and I’m taking you closer to the edge”.  Standen die Chancen 1000:1 oder  2Mio:2, dass die Beziehung eine Chance hatte? Oder geht es um ein Spiel, das hoch, sehr hoch verloren wurde – aber zwischen welchen Parteien? Alles sehr rätselhaft. Eine Anklage steht im Raum, ein Vorwurf, die Aufforderung, sich zu entschuldigen. Aber nein: “No, I’m not saying I’m sorry”. Und dann, etwas versöhnlicher: “One day, maybe we’ll meet again”.

Wenn man bisher noch den Eindruck haben konnte, es handele sich um eine unglückliche Liebesgeschichte, dann wird es in der 2.Strophe noch mystischer und geheimnisvoller:

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Can you imagine a time when the truth ran free, the birth of a sun, the death of a dream?“

Mich erinnert das an die biblische Geschichte von Schöpfung (Geburt einer Sonne, die Wahrheit ist frei) und Sündenfall: „This never ending story paid for with pride and fate. We all fall short of glory, lost in our fate.” Die endlose Geschichte des menschlichen Stolzes und der “Vertreibung aus dem Paradies”, der Verlust der träumenden Unschuld und der Ehre, die Krone der Schöpfung zu sein. Wo die christlichen Kirchen zum Sündenbekenntnis aufrufen und die Vergebung durch die Kirche oder durch Gott zusprechen, da kommt hier das protestierende „no, no, no“, das im Song immer wieder auftaucht: „No, no, no, no I’m not saying I’m sorry. I will never forget. No, no I will never regret. No, no I will live my life!“ Ich bereue nichts, ich lebe mein Leben. Ich vermute, dieser Refrain und das Lebensgefühl, das sich darin wiederspiegelt, ist es, das die jungen Fans dieser Band sehr anspricht. Protest gegen die Moral der Etablierten, die Kontrolle der Autoritäten. Kann ich gut nachvollziehen.

Zum Song gibt es ein offizielles, sehr gut gemachtes Video, das bringt noch einmal eine ganz andere Dimension mit hinein. „Closer to the edge“ bekommt für mich hier eine gespenstische, ja politische Note.

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In weiten Teilen des Videos wird gezeigt, wie der Leadsänger Leto die Massen mitreißt.  An einer Stelle erhebt er, in einen dunklen, langen Mantel gehüllt, den rechten Arm zum Gruß. Ein „Are you ready?“ wird eingeblendet – ein Narr, wer da nichts Politisch-Deutsches-Geschichtliches  denkt. Wie es ihm gelingt, ihre Bewegungen, ihren Gesang zu koordinieren, auf den Punkt genau. Wie sie ihm folgen, ihn auf Händen tragen, ihn vergöttern. „Yes, this is a cult“ wird eingeblendet als Jared Leto in einem Lichterkranz regelrecht „gekreuzigt“ wird, und die weltweiten Kultstätten werden gleich mit dazu genannt: London, Tokio, Berlin, New York ….

Genial gemacht ist das Ganze und ich unterstelle mal, dass mit diesem Video genau dieser Abgrund, diese Gefahr selbstkritisch visualisiert werden soll. Der Sänger bringt seine Zuhörer und Fans „closer to the edge“, an den Punkt, an dem sie bereit sind, sich selbst aufzugeben für eine größere Sache, eine andere Person.

Das alles hat religiöse Züge, natürlich. Unterstrichen wird das durch die zwischendurch und besonders am Ende eingeblendeten Statements junger Leute: „Some people believe in God, I believe in music. Some people pray,  I turn up the radio. Music is everything to me.”

Musik, Religion, Macht- ein interessantes Dreigestirn. Ich kann mir keine Religion ohne Musik vorstellen. Viele können sich Religion nicht ohne Macht denken. Und Musik hat ganz sicherlich Macht über Menschen. Sie erfüllt religiöse Bedürfnisse. In diesem Song und vor allem dem Video kommt all das zusammen.

Eine Analyse, eine Warnung, eine Feststellung? Ich frage mich, ob ich überinterpretiere und ob die Fans dieser Band das nachvollziehen können? Ich halte die Band allerdings für so intelligent, dass ich ihnen diese Gedanken durchaus zutraue. Und sie sagen ja selbst: „Unsere Lieder funktionieren wie Gemälde. Kunst soll erfahren und interpretiert werden. Darin liegt ihre unglaubliche Kraft. Sie ist interaktiv und lebt in den Erklärungen jedes einzelnen Individuums weiter. Es wäre unfair, unseren Fans durch eine zu detaillierte Erklärung die Möglichkeit für eigene Interpretationen zu nehmen.“( Zitat)

 

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Also, macht euch selbst ein Bild und eure Gedanken. Was haltet ihr von meinen?

Denken Männer immer nur an das Eine? In My Head – Jason Derulo

Song und Lyrics findet ihr hier.

Ehrlich gesagt, ich mag das Lied. Zumindest die Melodie, den Rhythmus. Es macht irgendwie gute Laune und bringt mich in Bewegung. Aber der Text? Schauen wir ‘mal…

Denken Männer wirklich immer nur an das Eine?

Dies ist ein Song über Männerphantasien. Ende der 70er Jahre gab es ein Buch von Klaus Theweleit mit dem Titel, musste man als emanzipierte Studentin gelesen haben… Der hätte seine reine Freude an dem Song gehabt.

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Die Szene: ein Club, laute Musik, viele Leute. Auf der Suche. Nach was? Derulo unterstellt: nach Liebe – „Everybody’s looking for love. Ain’t that the reason you’re at this club. “
Stimmt so, ganz allgemein gesagt, oder nicht? Auch wenn sich die Geister bei der genaueren Beschreibung dessen wahrscheinlich schnell scheiden würden.

Die in dem Song angesprochene Frau sucht Kontakt und vielleicht Liebe, indem sie mit jemandem tanzt. „You ain’t gonna find it dancing with him. No. Oh.I got a better solution for you girl.“

Jetzt kommt Jason’s Einsatz. Es gibt einen schnelleren, effektiveren, viel direkteren Weg, Liebe zu finden: „just say the word and we’ll go“. Which word? Wird nicht verraten, bleibt unserer Phantasie überlassen. Vielleicht einfach „Komm…“

Und dann geht’s zur Sache. „I’ll be your teacher, I’ll show you the ropes“. Derulo verspricht viel. Er der Lehrer, sie die Schülerin in Sachen Liebe, ok wohl eher oder erst mal in Sachen Sex. Und da wird nicht lange gefackelt, wie in der zweiten Strophe klargestellt wird: „Instead of talking let me demonstrate. Get down to business, let’s skip foreplay…“ Reden, tanzen, Vorspiel, alles „game“, unnötig, nur Verzögerung.

Das mag in der Tat eine Seite der „Liebe“ sein, die nicht jede(r) kennt oder kennenlernen will…Der Sänger steht dazu, die Frau erfüllt seine (Männer-)Phantasien, liefert sich ihm aus und hat Spaß daran? „In my head, I see you all over me. In my head, you fulfill my fantasy”.

Will ich Jason Derulo wirklich als Lehrer in Sachen Liebe haben? Hmm…

Und denkt ihr Männer wirklich immer nur an das Eine?

Aber: ich mag den Song, trotzdem! In my head, you fulfill MY fantasy… 😉