Mach doch mal Pause: Zu schnell vorbei – Clueso

Clueso . Zu schnell vorbei from clueso on Vimeo.

Jetzt ist das auch schon wieder alles vorbei: Ostern, Ferien, die königliche Hochzeit von Kate und William – alles grünt und blüht nach einem langen, kalten Winter – wirklich schon wieder ein Jahr….

Es ist ein Irrsinn, weil ich nicht beschreiben kann wie alles schneller läuft, nichts hält diesen Streifen an“ , so singt auch Thomas Hübner alias Clueso in seinem Song „Zu schnell vorbei“  (den Text gibt es hier ).

Zu schnell vorbei. Sag mal wie schnell verging schon wieder die Zeit?
Eigentlich ist das ja ein Spruch der Älteren.  Der Erfurter Clueso ist  noch recht jung  (geb. 1980) und ich habe den Spruch  auch schon aus dem Mund meiner Söhne gehört. Ist das heute anders? Erleben wir Zeit anders als in früheren Zeiten? Wir werden immer älter, haben immer mehr Zeit zur Verfügung – und trotzdem haben wir das Gefühl, zu kurz zu kommen, die Zeit nicht auszukosten.

Das hört sich dann so an: „Ich will mehr erleben als mich nur erinnern. Ich hab genug geseh´n. Wer träumt der schläft. Heute zählt für mich nur wenn ‚was Neues entsteht. Ich will haben was sich gut anfühlt und zwar für immer.

Wir wissen: nichts bleibt für immer. Zeit geht immer weiter.

Zeit, das ist Erinnerung an Vergangenheit: „Die Erinnerung kommt immer um mich abzuhol´n, kann mich nicht wehr´n.“

Aber auch Erinnerung ist flüchtig: „Stell tausend Vergleiche an. Wann war wohl die schönste Zeit,  zu viel das vergessen bleibt.

Zeit, das ist  auch das Hier und Jetzt: „ Wachsam bleiben und genießen. Nicht mehr an morgen denken, jeden Moment erleben.“

Zeit, das ist Zukunft, der Blick geht immer auch nach vorne: “Wer träumt der schläft. Heute zählt für mich nur, wenn was Neues entsteht…. Heute ist der Tag, von dem wir später reden.“

Wir wünschen uns, etwas zu erleben, Neues zu sehen, den Moment zu genießen – und scheitern so oft daran. Warum nur?

Vielleicht liegt das Geheimnis genau darin, nichts festhalten zu wollen, zu akzeptieren, dass es immer weiter geht, dass es ein Ende mit uns hat, dass wir hier nur zu Gast sind.

Erinnerungen zulassen, sichtbare Zeichen meines Lebens sammeln, warum nicht- „verteil‘ den Sand aus meinen Schuh´n in meinem Zimmer. Was mach ich bloß?“

Träume zulassen, damit wir wissen, in welche Richtung wir gehen wollen.

Aber eben auch: „Jeden Moment erleben“,  denn  „heute ist der Tag, von dem wir später reden“.

Das Video zum Song ist beeindruckend – da ist es, dieses Lebensgefühl: immer weiter, immer schneller, nicht nachlassen, nichts verpassen. Dabei verpasst er so viel: schöne Landschaften, Weite, Ausblicke.

„Bleib doch einfach mal stehen, Junge!“ möchte man ihm zurufen. Und am Ende tut er das auch – oder geht ihm nur die Puste aus?

Also: Macht doch mal Pause!

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Der Himmel über uns: You Found Me – The Fray

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The Fray – You Found Me (official video) von thefray

Das offizielle Video zu „You Found Me“ von The Fray könnt ihr im Link oben ansehen, den Liedtext könnt ihr hier nachlesen.
Kaum zu glauben, da ist schon wieder einer auf der Suche nach Gott – und findet ihn, Zigarette rauchend, an der Ecke First Avenue und Amistad (–Straße): ” I found God on the corner of First and Amistad… all alone smoking His last cigarette.” Leadsänger und Pianist Isaac Slade erklärt dazu:

“I just imagined running into God standing on a street corner like Bruce Springsteen, smoking a cigarette.” Das würde allerdings nicht zu einem freundlichen Plausch führen, sondern zum Streit, zur Anklage. Der Vorwurf:
Where were you when everything was falling apart? All my days were spent by the telephone that never rang and all I needed was a call that never came”. Wo warst du, Gott, als ich dich brauchte, als alles schief ging in meinem Leben? Warst du da mal eben eine rauchen, oder was?
Es ist ja kein Geheimnis, dass The Fray ihre Ursprünge im christlichen Milieu haben und sich sehr bewusst dazu entschieden haben, dass sie im profanen Musikgeschäft wesentlich mehr Fans und Zuhörer (und finanzielle Entlohnung) gewinnen können. In vielen ihrer Lyrics nehmen sie diesen Hintergrund auf, so auch in diesem Song „You Found Me“ aus dem Jahr 2007. Slade erklärt in einem Interview , der Song sei in einer Zeit entstanden, in der ihn mehrere Schicksalsschläge getroffen hätten und das „Licht am Ende des Tunnels“ schon mal aus dem Blickfeld geraten sei. Der Verlust eines geliebten Menschen steht offenbar im Hintergrund. Diese Erfahrung wirft uns auf uns selbst zurück. In der Trauer sind wir zunächst einmal allein:
In the end everyone ends up alone. Losing her, the only one who’s ever known who I am, who I’m not, and who I want to be. You got some kind of nerve taking all I want.”
Er habe ihn dann “gefunden”, ja, aber zu spät, das Unglück ist geschehen, der Verlust schmerzt: „Lying on the floor surrounded, surrounded, why’d you have to wait? Where were you, where were you? Just a little late…
Die Frage nach dem Ursprung und Sinn des Leids ist wohl eine der ältesten Fragen der Menschheit. Eine Antwort gibt es bisher nicht, nur Versuche, mit der Erfahrung umzugehen.
The Fray versuchen eine vorsichtige Antwort. Heißt es zu Beginn: „ I found God“, allerdings unbeteiligt, Zigarette rauchend, er scheint keine Hilfe zu sein – kommen sie über die Frage: „Where were you?“ – Wo warst du? – zur Antwort: “You found me“. Die Rollen kehren sich um. Er findet uns. Auch wenn es scheinbar zu spät ist, auch wenn wir schon am Boden liegen. Es ist eine vorsichtige Antwort, vielleicht sogar eher eine Hoffnung im Zweifel.

Das Video zum Film unterstreicht dies sehr eindrucksvoll. In Anlehnung an Wim Wenders Film „Der Himmel über Berlin“ singen die Bandmitglieder teilweise auf Brücken und Gebäuden stehend. Sie blicken herab auf die Straße, die Menschen, einen Unfall, der gerade passiert ist. Das Thema des Wenders- Films:  Der Engel Damiel will menschliches Leben kennenlernen und steigt herab auf die Erde. Leben, so erfährt er, heißt Farbigkeit und Liebe, aber auch Blut und Leiden.

Die Szene wechselt von Nacht-Aufnahmen ins Morgengrauen – ist da doch Licht am Ende des Tunnels? Das Unfallopfer öffnet die Augen, Gegenstände und Menschen erheben sich am Ende des Films in die Luft, in den Himmel? Der Blick geht nicht mehr hinunter, sondern nach oben.
Karfreitag und Ostern stehen in dieser Woche bevor. Christlicher Glaube sagt: da ist einer herabgekommen ins menschliche Leben, ganz Mensch geworden, gestorben. Hat genau diese Angst und Verlassenheit gespürt:  „Where were you?“ Mein Gott, warum hast du mich verlassen? fragt Jesus am Kreuz. Menschliches Leben geht nicht ohne Sterben.
Wo warst du? fragen wir Gott. Er war da, sagt die Bibel, sagen vielleicht auch The Fray mit ihrem Song „You Found Me.“ Er war da als du am Boden lagst, als du auf Antwort gewartet hast, als du gezweifelt hast, als der Tod kam. Auf die Nacht folgt der Morgen, auf Karfreitag Ostern.

Wer bin ich? Ando por la vida – Gian Marco

 


Yo soy un criminal“ bekennt Gian Marco in seinem Lied „Ando por la vida“ (lyrics gibt es hier) – und man mag es ihm nicht wirklich glauben, so charmant und lässig wie er daher kommt. Einer, der mit Worten mordet, sei er: „…traficando versos con palabras asesinas“, aber das nur, um den eigenen Schmerz zu betäuben und seine Wunden zu lecken („para aniquilar mi pena… lamiendo mir heridas“) – das kann man ja verstehen, oder? Er redet von sich, einem Mann in den besten Jahren, in  der Mitte des Lebens – Jahrgang 1970 ist Gian Marco Zignago, ein peruanischer  Singer/Songwriter, der in der lateinamerikanischen Welt schon viele Auszeichnungen erhalten hat. Man nimmt ihm das ab, was er da von sich sagt, er ist kein Youngster mehr. Zunächst aber sagt er , was er alles NICHT ist: nicht verrückt, nicht erschrocken, nicht hübsch, nicht hässlich, weder gut- noch schlecht-gelaunt. Er ist nicht Richter, nicht Zuschauer, nicht Gauner, nicht Bandit, kein schlechter Freund und auch kein Verführer. Er sei nicht weise, nicht anspruchsvoll, nicht dumm , nicht verärgert, aber auch nicht fröhlich, nicht besonders zivilisiert, aber auch kein Tier.

Was bist du denn, fragt man sich? Bist du das Mittelmaß, unsichtbar, alles kann man ja nicht sein? Nein, auch das Mittelmaß ist nicht sein Ding, nicht das Reglement der Religiösen, er sei nicht besonders fromm, aber auch kein Verlorener. Schwer zu fassen, der Mann… Das genau will er sein.

Er hat keine Lust mehr – „ya no tengo ganas“, das wird in jeder Strophe einmal konkretisiert, und das sagt ja durchaus etwas darüber aus, wer er denn ist. Keine Lust mehr, ständig die Richtung zu wechseln, um den Ansprüchen anderer zu genügen. Keine Lust mehr, die Rechnung für andere zu bezahlen. Keine Lust mehr, aufzufallen. Keine Lust mehr, sich ständig in Frage stellen zu lassen. Die jugendliche Ungeduld („… con los años la impaciencia se acabó“) ist einer fröhlichen   Zerstreutheit gewichen, einem „durch das Leben wandern“ („ando por la vida„) wohl  wissend, dass das, was  anderen seltsam erscheint, für ihn ganz normal ist („lo que para tí es muy raro para mí es normal“). Selbst die Geschichten, die er erzählt, sind recycled („reciclando historias“) – es ist alles schon ‚mal dagewesen, es gibt nichts Neues unter der Sonne. Aber das bekümmert ihn nicht, im Gegenteil, es entlastet vom Zwang zur Originalität.

Bei allen Verneinungen,  zwei Gewissheiten bleiben ihm am Ende: Es gibt einen Gott und das Leben ist ein universelles Geheimnis : „…sólo sé que Dios existe y que la vida es un misterio universal“.

Kann man so leben?

Diese zwei Gewissheiten reichen ihm anscheinend, um zu leben und er selbst zu bleiben. Diese Gelassenheit und das Vertrauen, das sich darin zeigt, spiegelt sich in seinem Gesicht, in seinem Singen wieder – das gefällt mir sehr gut. Viva la vida! 🙂

P.S. Hier ein Versuch einer Übersetzung des Liedtextes:

Ich gehe durchs Leben

Weder verrückt noch erschrocken

nicht am Rand der Reihe

nicht hässlich nicht attraktiv

weder gut- noch schlechtgelaunt

Ich habe keine Lust mehr

die Richtung zu wechseln

Ich bin außerhalb des Durchschnitts

derer die eine Religion erfinden.

Kein Gefangener kein Bandit

Nicht Richter nicht Zuschauer

Ich bin kein schlechter Freund

Und auch kein Verführer

Ich habe keine Lust

die Rechnung zu bezahlen

Bin weder betrunken noch verloren

Mit den Jahren hat die Ungeduld aufgehört.

Refrain:

Ich gehe durchs Leben

Erzähle Geschichten  neu

Weine mich heimlich aus (?)

Handele mit Versen und mörderischen Worten

um meinen Schmerz aufzulösen – ich bin ein Krimineller.

Ich gehe durchs Leben

und verfolge meine Träume

und lecke meine Wunden.

Ich übe die Kunst des Dich-Verlassens aus wenn du mich vergisst

Was für dich seltsam ist –  für mich ist es normal.

Weder weise noch anspruchsvoll

Kein Dummer und kein Schauspieler

Weder unanständig noch besonders fromm

Ich habe keine Lust mehr aufzufallen

Ich bin zerstreut und verträumt

Und lebe wie in einem Flugzeug aus dem Koffer.

Refrain…..

Weder fröhlich noch böse

Kein Held und kein Unsterblicher

Nicht besonders zivilisiert aber auch kein Tier

Ich habe keine Lust mehr mich in Frage stellen zu lassen

Ich weiß nur, dass es Gott gibt

und dass das Leben ein universelles Geheimnis ist.

Die Frau seiner Träume: You and Me / In My Pocket – Milow

Milow – You And Me (In My Pocket) from Daily Dolores on Vimeo.

Endlich ist es da, das neue Album von Milow: North and South. Auf Grund des Liedes „In My Pocket“ (Lyrics gibt es hier) wissen wir jetzt endlich, wie seine Traumfrau aussieht (und riecht): „I wish you smelled a little funny … I wish you were a little bigger, not just big but really fat“. Damit nicht genug, sie darf nicht nur streng riechen und übergewichtig sein – sie muss auch nicht von der schnellsten Sorte sein, und lange Beine braucht sie ebenfalls nicht: „I wish you were a little slower, not just slow but paralyzed… I really wish that you were smaller, not just small but really really short.
Na, da können wir ja alle, die wir schon immer wussten, dass wir bei Germany’s Next Topmodel eh keine Chance haben, so richtig aufatmen, für Jonathan Vandenbroeck alias Milow wären wir vielleicht gerade richtig.… 😉
Es sind schon ungewöhnliche Bilder, die er da findet für seine Traumfrau: streunende Katze, Meerjungfrau, Vogel, Lampe – und letztendlich die kleine Stoffpuppe, die dem Lied den Namen gibt: „…So I could put you in my pocket and carry you around all day.

Was alle diese Bilder verbindet, ist der Wunsch, die Liebste, wenn er sie denn schon gefunden hat, daran zu hindern, sich wieder zu verflüchtigen. Vielleicht hat der arme Milow diese Erfahrung ja schon mal gemacht. Heutzutage kann man sich der Frauen nun mal nicht mehr sicher sein. Sie gehen wieder, wenn es ihnen nicht mehr gefällt…
Das ist vermutlich alles nicht so ernst gemeint. Ein netter Song, der ins Ohr geht, mit einem lustigen Video. Natürlich weiß Milow, dass man die Frauen heutzutage nicht mehr einsperren kann (oder?). In der Schlussszene des Videos deutet er ja an, dass es nur einen Ort gibt, an dem man den oder die Liebste „festhalten“ kann – und das ist das eigene Herz. Wenn das nicht gelingt, dann helfen auch keine Badewanne oder kein Vogelkäfig. Einen Vogel kann man schnell aus dem Käfig heraus lassen. Wenn sich jemand in meinem Herzen „eingenistet“ hat, ist das manchmal gar nicht so einfach, ihn oder sie wieder frei zu lassen und es ist oft mit ganz schön viel Herzschmerz verbunden. Da hilft auch der Hinweis auf anderer Mütter Söhne oder Töchter nicht viel:“ People say there are plenty of fish in the sea, baby, all I do is wish…“.
Am Anfang zählt sicherlich nur: „Oh, you and me, it would be only you and me.“ Alle anderen sind ausgeblendet. Auf die Dauer reicht das nicht, das wissen alle, die über die ersten Wochen einer Beziehung hinausgekommen sind.
Jetzt würde ich wirklich gerne mal die Frau an Milows Seite sehen, wenn es denn eine gibt…. Sie ist bestimmt groß, schlank, schnell, schlau, musikalisch und kann schwimmen und fliegen… Wer weiß, wer hier wen in die Tasche steckt…? 😉