Sehnsucht nach Ewigkeit: Tage wie diese – Die Toten Hosen

Die pure Lebens- und Feierfreude kommt in der neuen Single der Toten HosenTage wie diese“ ‘rüber – keine Frage. Das Video zum Song explodiert in Farbe, Bewegung, Begeisterung. Das Lied besingt eine Verabredung, ein Treffen, das lange vereinbart war:

„Ich wart seit Wochen, auf diesen Tag
und tanz vor Freude, über den Asphalt
Als wär’s ein Rythmus, als gäb’s ein Lied
Das mich immer weiter, durch die Straßen zieht
Komm dir entgegen, dich abzuholen, wie ausgemacht
Zu der selben Uhrzeit, am selben Treffpunkt, wie letztes Mal“

Musik, Tanz, Party, viele Leute, Festivalstimmung. Musik begeistert, vereint:

„Durch das Gedränge, der Menschenmenge
Bahnen wir uns den altbekannten Weg
Entlang der Gassen, zu den Rheinterrassen
Über die Brücken, bis hin zu der Musik
Wo alles laut ist, wo alle drauf sind, um durchzudreh’n
Wo die Anderen warten, um mit uns zu starten, und abzugeh’n“

Musik lässt den Alltag und die Sorgen vergessen, ich gehöre dazu, ich bin icht mehr allein:

„Das hier ist ewig, ewig für heute
Wir steh’n nicht still, für eine ganze Nacht
Komm ich trag dich durch die Leute
Hab keine Angst, ich gebe auf dich Acht
Wir lassen uns treiben, tauchen unter, schwimmen mit dem Strom
Dreh’n unsere Kreise, kommen nicht mehr runter, sind schwerelos“

Musik und ihr Erleben in der Gemeinschaft ist sinnstiftend, hebt mich über das Jetzt hinaus, da klingt etwas an, das mehr als irdisch ist. Es soll immer so bleiben, es soll kein Ende,  keine Begrenzung, keinen Tod geben. Wahrscheinlich sind wir Menschen die einzigen Lebewesen, die wissen, dass sie sterben püssen, die ihren eigenen Tod fürchten, die sich nach Ewigkeit sehnen und überhaupt eine Ahnung von Ewigkeit und Unendlichkeit haben.

„An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit
Wünsch ich mir Unendlichkeit“

Das Thema Ewigkeit gehört ursprünglich in den Zuständigkeitsbereich  der Religionen. Längst taucht es aber im säkularen Alltag auf. Scheint etwas durchaus Menschliches zu sein, diese Sehnsucht. Sie entstammt sicherlich der Angst vor dem Tod und der Ungewissheit, die dieser mit sich bringt. Aber auch der Freude am Leben, dem Wunsch, das Schöne als unendlich zu erleben, ihm Dauer zu geben.

Heute ist Ostern. Ein Fest, das das Leben feiert. Dies soll sicherlich kein Osterlied sein und die Bilder des Videoclips entstammen offensichtlich keiner kirchlichen Osterfeier.

Trotzdem: die Botschaft  dieses Lieds der Toten Hosen „Tage wie diese“ und die gute Nachricht von der Auferstehung Jesu am Ostermorgen und dem Sieg des Lebens über den Tod klingen irgendwie verwandt:

„In dieser Nacht der Nächte, die uns so viel verspricht
Erleben wir das Beste, kein Ende ist in Sicht
Erleben wir das Beste, und kein Ende ist in Sicht
Kein Ende in Sicht“

In diesem Sinne:  Frohe Ostern euch allen! 😉

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Der Himmel über uns: You Found Me – The Fray

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The Fray – You Found Me (official video) von thefray

Das offizielle Video zu „You Found Me“ von The Fray könnt ihr im Link oben ansehen, den Liedtext könnt ihr hier nachlesen.
Kaum zu glauben, da ist schon wieder einer auf der Suche nach Gott – und findet ihn, Zigarette rauchend, an der Ecke First Avenue und Amistad (–Straße): ” I found God on the corner of First and Amistad… all alone smoking His last cigarette.” Leadsänger und Pianist Isaac Slade erklärt dazu:

“I just imagined running into God standing on a street corner like Bruce Springsteen, smoking a cigarette.” Das würde allerdings nicht zu einem freundlichen Plausch führen, sondern zum Streit, zur Anklage. Der Vorwurf:
Where were you when everything was falling apart? All my days were spent by the telephone that never rang and all I needed was a call that never came”. Wo warst du, Gott, als ich dich brauchte, als alles schief ging in meinem Leben? Warst du da mal eben eine rauchen, oder was?
Es ist ja kein Geheimnis, dass The Fray ihre Ursprünge im christlichen Milieu haben und sich sehr bewusst dazu entschieden haben, dass sie im profanen Musikgeschäft wesentlich mehr Fans und Zuhörer (und finanzielle Entlohnung) gewinnen können. In vielen ihrer Lyrics nehmen sie diesen Hintergrund auf, so auch in diesem Song „You Found Me“ aus dem Jahr 2007. Slade erklärt in einem Interview , der Song sei in einer Zeit entstanden, in der ihn mehrere Schicksalsschläge getroffen hätten und das „Licht am Ende des Tunnels“ schon mal aus dem Blickfeld geraten sei. Der Verlust eines geliebten Menschen steht offenbar im Hintergrund. Diese Erfahrung wirft uns auf uns selbst zurück. In der Trauer sind wir zunächst einmal allein:
In the end everyone ends up alone. Losing her, the only one who’s ever known who I am, who I’m not, and who I want to be. You got some kind of nerve taking all I want.”
Er habe ihn dann “gefunden”, ja, aber zu spät, das Unglück ist geschehen, der Verlust schmerzt: „Lying on the floor surrounded, surrounded, why’d you have to wait? Where were you, where were you? Just a little late…
Die Frage nach dem Ursprung und Sinn des Leids ist wohl eine der ältesten Fragen der Menschheit. Eine Antwort gibt es bisher nicht, nur Versuche, mit der Erfahrung umzugehen.
The Fray versuchen eine vorsichtige Antwort. Heißt es zu Beginn: „ I found God“, allerdings unbeteiligt, Zigarette rauchend, er scheint keine Hilfe zu sein – kommen sie über die Frage: „Where were you?“ – Wo warst du? – zur Antwort: “You found me“. Die Rollen kehren sich um. Er findet uns. Auch wenn es scheinbar zu spät ist, auch wenn wir schon am Boden liegen. Es ist eine vorsichtige Antwort, vielleicht sogar eher eine Hoffnung im Zweifel.

Das Video zum Film unterstreicht dies sehr eindrucksvoll. In Anlehnung an Wim Wenders Film „Der Himmel über Berlin“ singen die Bandmitglieder teilweise auf Brücken und Gebäuden stehend. Sie blicken herab auf die Straße, die Menschen, einen Unfall, der gerade passiert ist. Das Thema des Wenders- Films:  Der Engel Damiel will menschliches Leben kennenlernen und steigt herab auf die Erde. Leben, so erfährt er, heißt Farbigkeit und Liebe, aber auch Blut und Leiden.

Die Szene wechselt von Nacht-Aufnahmen ins Morgengrauen – ist da doch Licht am Ende des Tunnels? Das Unfallopfer öffnet die Augen, Gegenstände und Menschen erheben sich am Ende des Films in die Luft, in den Himmel? Der Blick geht nicht mehr hinunter, sondern nach oben.
Karfreitag und Ostern stehen in dieser Woche bevor. Christlicher Glaube sagt: da ist einer herabgekommen ins menschliche Leben, ganz Mensch geworden, gestorben. Hat genau diese Angst und Verlassenheit gespürt:  „Where were you?“ Mein Gott, warum hast du mich verlassen? fragt Jesus am Kreuz. Menschliches Leben geht nicht ohne Sterben.
Wo warst du? fragen wir Gott. Er war da, sagt die Bibel, sagen vielleicht auch The Fray mit ihrem Song „You Found Me.“ Er war da als du am Boden lagst, als du auf Antwort gewartet hast, als du gezweifelt hast, als der Tod kam. Auf die Nacht folgt der Morgen, auf Karfreitag Ostern.