Lob der Mittelmäßigkeit? Little in the Middle – Milow

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Gibt es heute eigentlich noch jemanden, der davon träumt, mit einem Zirkus durch die Welt zu ziehen? Ich habe den Eindruck, dass die Zeit der großen Zirkuszelte, wie sie zuletzt im Kinofilm „Wasser für die Elefanten“ heraufbeschworen wurde, vergangen ist. Die kleinen Familienzirkusse, die übers Land tingeln und denen das Wasser oft bis zum Hals steht, taugen nicht wirklich für große Träume.
Um die geht es aber hier in Milows Song „Little in the Middle“ aus dem Album „North and South“. Nicht die nächtlichen, obwohl die dabei ja auch manchmal eine Rolle spielen, sondern die Lebensträume:

„You always wanted to be
Part of a circus company
For the fun and death defying…
Jugglers walk on the wire
Lions leap through hoops of fire
As the acrobats go flying…”

Clowns, Jongleure, Akrobaten, Löwen, die durch Feuerreifen springen – Action, Spannung, Gefahr -das volle Programm! Die Zirkuswelt steht hier natürlich stellvertretend für all die großen und kleinen Träume unseres Lebens, egal ob sie mit Beruf oder Privatleben zusammenhängen, ob es dabei um Reisen und ferne Länder oder um Erfolg, Berühmtheit oder die große Liebe geht. In jeder und jedem von uns steckt so ein Traum, hoffentlich… Manchmal lässt er sich verwirklichen. Ich habe immer von fernen Ländern geträumt und hatte das Glück, 13 Jahre meines Lebens dort zu verbringen.
Andere Träume lassen sich nur schwer oder nie verwirklichen. Die Luft ist dünn in den oberen Etagen und was ein Traum schien, erweist sich bei näherem Hinsehen als harte Arbeit und längst nicht so glamourös:

„But in time you forgot life is small in the big top

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And your dreams were slowly dying…
But what’s the show all about
When did your north get turned to south
And the truth turn to lying”.

Schade eigentlich, sagt Milow hier in “Little in the Middle” – du hättest es vielleicht schaffen können:

„What you wanted was not a crime
You could’ve done it but you needed time”

Stattdessen steckst du den Kopf in den Sand, vergräbst dich in deinem mittelmäßigen Alltag und dein Lieblingsspruch ist: Da kann man nichts machen…

„But it’s a hole you’re digging
A hole you’re digging you’re doing it despite
The so much more you’re missing
More you’re missing to your left and to your right.”

Andererseits: in der Mittelmäßigkeit liegt auch ein Trost, denn wer immer nach rechts und links und den sich dort anbietenden Alternativen schielt, dem wird schon mal schwindelig:

“Now you’re always just a little 
A little in the middle
A little in the middle of where you’re bound
Always just a little in the middle
It keeps your head from spinning round”.

Man kann eben nicht alles haben im Leben und die meisten von uns müssen sich sowieso mit einer gesunden Mittelmäßigkeit zufrieden geben – viele erreichen ja noch nicht einmal das… Also, seien wir gnädig mit uns und unseren Träumen, ohne sie ganz aufzugeben, man weiß ja nie…

Dass die Botschaft dieses Liedes mit einem Augenzwinkern zu betrachten ist, zeigt das Video zu „Little in the Middle“, in dem die Welt schon mal Kopf steht und man nicht immer weiß, wo oben und unten, wo Norden und Süden ist – so ist das Leben eben!

Das offizielle Video könnt ihr hier sehen:

Eine schöne Version live im Park hier unten:


Wie steht’s um eure Träume? Manch einer träumt ja auch von der Mittelmäßigkeit…😉

7 Gedanken zu „Lob der Mittelmäßigkeit? Little in the Middle – Milow

  1. Hallo Uta,

    Little in the Middle – ich lebe im Hier und Jetzt und versuche, das Beste aus jedem Tag zu machen. Natürlich träume ich manchmal, wie es anders sein könnte. Das sind aber nur Träumereien, kleine Fluchten, Auszeiten. Für große Träume habe ich keine Energie mehr und mir fehlt die entsprechende Unterstützung. Aber Träumereien sind immer erlaubt.

    Dir, Uta, wünsche ich einen schönen Sonntag.

    Viele Grüße

    Annegret

    • Ich glaube, das meint Milow auch mit dem Song – und ich finde das auch entlastend, dass man eben nicht immer irgendwelchen großen Zielen nacheifern muss. Little in the middle IST meistens genug…😉 ich wünsch dir genug Kraft für die „kleinen Träume“ und auch noch einen schönen Sonntag, liebe Annegret! LG Uta

  2. Pingback: Lyrics-unter-der-Lupe-Sommer-Ferien-Rätsel 2011 « Lyrics unter der Lupe – Looking@Lyrics

  3. Vielen vielen Dank für diese tolle „Aufklärung“.
    Der Song ist ein absoluter Ohrwurm- nur als ich mir die Übersetzung anschaute war ich sehr neugierig was sich Milow bei dem Text gedacht hat.
    Nun bin ich um einiges schlauer!🙂
    Ein Ohrwurm mit Tiefgang. Sehr genial!!!!🙂

    • Tja, ich weiß ja nicht wirklich, was sich Milow dabei gedacht hat, das ist ja „nur“ meine Interpretation – macht für mich aber so Sinn… schön, dass du etwas mit meinen Gedanken anfangen konntest!🙂 LG Uta

  4. manchmal gehen die Kleinen neue Wege … spielen nicht mehr nur für Kinder sondern mit Kindern, gehen in die Schulen und zeigen ihnen, wie sie selbst Akrobatin, Clown, Zauberer oder Zirkusdirektorin werden können.

    So lebt der Zirkus weiter. Nicht in den großen Shows sondern in der Begeisterung, miteinander in der Manege zu stehen.

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