Nur noch kurz die Welt retten – Tim Bendzko

Falls das Video auf Youtube gesperrt ist, bitte hier ansehen.
Mal abgesehen davon, dass ich dem Typen, Tim Bendzko,  einfach mal gerne durch die Haare wuscheln würde😉 – hier kommt mit „Nur noch kurz die Welt retten“ ein locker – leicht –ironischer Song mit Ohrwurmqualität, in dem man sich auch noch leicht wiedererkennt.

Ich habe den Verdacht, dass Männer sich vielleicht noch eher wiedererkennen als Frauen, weil sie ja auch viel wichtiger sind… Ok, es gibt auch Frauen, die enorm wichtige Positionen bekleiden und die unglaublich viel Verantwortung tragen und überhaupt die Welt auf ihren Schultern tragen.

Aber hier singt ja auch ein Mann und entschuldigt sich (so denke ich mir) bei seiner Liebsten, dass er noch nicht nach Hause kommen kann, weil es ja noch so viel Wichtiges zu erledigen gibt:

„Ich wär so gern dabei gewesen, doch ich hab viel zu viel zu tun, lass uns später weiter reden. Da draußen brauchen sie mich jetzt, die Situation wird unterschätzt… nur keine Angst, ich bleib nicht allzu lange fern.“

Kopfkino: Das Essen ist fertig, er hat doch gesagt, er ist um 7 zu Hause, wo bleibt er nur, das wird ja alles matschig – Ärger, grummel – Telefon:

„Irgendwie bin ich spät dran, fang schon mal mit dem Essen an. Ich stoß dann später dazu.“

Natürlich fragt sie: warum? Antwort aus dem Telefon:

„Du fragst wieso weshalb warum, ich sag, wer sowas fragt ist dumm. Denn du scheinst wohl nicht zu wissen, was ich tu. ‘Ne ganz besondere Mission, lass mich dich mit Details verschonen.“

Und überhaupt:
„Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg ich zu dir.
Noch 148 Mails checken, wer weiß, was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel .
Muss nur noch kurz die Welt retten und gleich danach bin ich wieder bei dir.“

Am Ende des Liedes haben sich ganze 148713 Mails angesammelt und die Apokalypse steht vor der Tür:

„Die Zeit läuft mir davon, zu warten wäre eine Schande für die ganze Weltbevölkerung. Ich muss jetzt los, sonst gibt’s die große Katastrophe, merkst du nicht, dass wir in Not sind.“

Wir wissen alle, dass das meistens nicht der Fall ist, aber es ist so schwer, sich dem zu entziehen. Der Gedanke, dass ich ersetzbar bin und auch andere meine Arbeit machen können und dass sie auch bis morgen warten kann (die Arbeit, nicht die Frau!), der ist offenbar für viele nur schwer zu ertragen. Wir sind alle wichtig, sicherlich, aber ab und zu sollten wir uns fragen: WARUM und vor allem WEM? Und dann Prioritäten setzen…

Das Video zum Song „Nur noch kurz die Welt retten“ von Tim Bendzko bringt allerdings noch eine andere, interessante Note ins Spiel. Hier geht es ja gerade nicht um ach so wichtige berufliche Termine und Aufgaben, nicht um überlange Konferenzen und wichtige Geschäftsessen (oder Extratermine mit der Sekretärin), denen man sich nicht entziehen kann. Hier sucht einer seine Freiheit, das Abenteuer, das oder die Andere, das Nichts-Tun-Müssen, das Ins-Blaue-Fahren.

Flucht vor Verantwortung und Bindung, so kann man das sehen, aber da ist eben auch die Sehnsucht nach dem offenen Blick aufs Meer. Ich kann das gut verstehen.

Das ist wohl die Kunst eines gelungenen Lebens, diese Balance zwischen Nähe und Distanz, Verantwortung und kleinen Fluchten, Heimweh und Fernweh.

Nur sollte man sich eine andere „Ausrede“ dafür einfallen lassen, denn „mal kurz“ ist diese Welt sowieso nicht zu retten…!😉

In meiner englischen Blogversion Looking@Lyrics gibt’s  „Keine Zeit“ von Tim Bendzko.

Unten noch  eine Live-Version des Songs – love it!

„Nur noch kurz die Welt retten“ von Tim Bendzko:

25 Gedanken zu „Nur noch kurz die Welt retten – Tim Bendzko

  1. Hallo Uta,

    ein locker, leichter, ironischer Song, den Du ausgewählt hast? Oder ist er doch nicht so locker, leicht? Der Song plus das Video zusammen drücken das Dilemma aus. „Ja, ich muß erst noch dieses und jenes machen. Dann komme ich zu Dir.“ Und im Video das Weite suchen. Ausreden statt Klartext. Sich verdrücken anstatt Konfrontation. Wir sollten zuweilen darüber nachdenken, wie wichtig uns unsere Mitmenschen, Menschen, mit denen wir zu tun haben, sind. Hören wir ihnen noch richtig zu? Wollen wir nur unsere Ruhe haben? Wer oder was ist uns wichtig? Da hat Tim Bendzko mit seinem Song den Nerv getroffen.

    Viele Grüße

    Annegret

    • Ja, ich glaube, der junge Mann hat schon was verstanden vom Leben und bringt seine Botschaft sehr gekonnt rüber – unter der unterhaltsamen Oberfläche ist Tiefe – er hat ja auch ein paar Semester Theologie studiert….😉 LG Uta

    • In dem Song gehts doch eindeutig um einen Typen der nicht von seinem Computer(spiel) los kommt! In vielen Spielen die Männer so spielen, gehts doch im Grunde darum, die „Welt“ (was auch immer man als Welt bezeichnen will) zu retten. Frauen, die Männer haben, die viel am PC sitzen, werden die Aussagen des Textes sicher gut kennen (mich eingeschlossen).

      • T.Bendzko hat ja in der Tat irgendwo im Interview gesagt, dass der Spruch „….kurz die Welt retten“ so einer Situation entstammt. Und es gibt sicher noch viele andere Gelegenheiten und Gründe, vor dem was wirklich gerade ansteht, zu fliehen. Das Video mit seinen Bildern weitet die Aussage des Songs ja durchaus noch etwas aus, was ich sehr gelungen finde. Deshalb spricht er offensichtlich auch so viele Leute an. Danke für deinen Kommentar!

  2. Ich glaube jeder hört in dem Text etwas anderes. Vielleicht zeigt das Lied, in welche abstrusten Ausreden wir uns heutzutage flüchten. Es kann auch zeigen, welche Superlative wir nutzen müssen um überhaupt noch Gehört zu bekommen. Oder es zeigt die machtlose Postion der wartenden Ehefrau am anderne Ende, die weiß, dass sie betrogen/belogen wird, und es doch nicht ändern kann. oder… oder … oder…

    Die persönlichen Erfahrungen und die idividuelle Einstellung zu Partnerschaft und zum soziallen Leben formen den Text immer wieder neu.

    Ist das gut, gewollt, was hat der Autor wirklich gemeint, ist es nur PR um möglichst viele anzusprechen……..?

    Meine Meinung: Es ist schlichtweg passend für jeden und somit ein guter Text!

    • Hallo Michael, ein guter Songtext hat viele Facetten – wie ein gutes Gedicht, da stimme ich dir zu. Auch in diesem Lied kommen ja beide „Seiten“ zur Sprache – die „wartende Partnerin“ und der „fliehende Mann“ oder so – wenn das viele anspricht und da scheint bei Tim Bendzko ja der Fall zu sein – umso besser für ihn. Ich gönn’s ihm!😉 Danke für deinen Besuch und Kommentar! Gruß, Uta

  3. Hi Uta!
    ich finds super dass du den text analysiert hast. Wie dz schon sagtest: ein guter Songtext hat viele Facetten – wie ein gutes Gedicht und der Tim schreibt meiner meinung nach gute songs!
    Dass er ein paar semester theologie studiert hat, wusste ich gar nicht🙂
    lg
    Angela

    • Hallo Angela, freut mich, dass du in meinem Blog vorbeigeschaut hast und dass du etwas mit meinen Gedanken anfangen konntest. Gefällt mir auch sehr gut, was Tim Bendzko da macht!🙂 LG Uta

      • Ja das ist endlich mal ne einschätzung von dem Song die ich auch vertrete..
        Die einzige Frage die man sich tellen müsste wäre.. obs vllt nicht viel entspannender wäre mit der freundin/frau das weite zu suchen und einfach mal ruhe zu finden? oder nervt die ihn genauso wie der berufliche druck?
        ansonsten könnt ich mir bei dem song auch denken dass vllt die eltern stress haben, der vater vielbeschäftigt immer unterwegs, der sohn bekommt mit wie die mutter immer wieder mit billigen ausreden abgespeist wird und hat die schnauze voll davon, will jetzt einfach raus und nichts mehr davon mitbekommen..

      • Bendzko hat ja selbst erklärt, dass der Freund seiner Mutter sich immer mit diesem Spruch verabschiedet hat um Computer zu spielen (und sich dabei vorm Abwasch oder einem Gespräch gedrückt hat…) – ich denke, es gibt viele verschiedene Situationen und Interpretationen, die denkbar sind, du nennst ja auch einige. Ist sicherlich eine Erfahrung, die viele schon gemacht haben – deshalb ist das Lied u.a. ja wahrscheinlich auch so erfolgreich, da denken alle: kenn ich doch…;) Danke für den Kommentar – und freut mich, dass du mir mal zustimmst!😉

  4. Pingback: Skal bare kjapt redde verden - Nur Noch Kurz Die Welt Retten | Runes verden

  5. Hey!
    Du hast den Text ja ganz schön auseinandergenommen! Deine Erklärung finde ich sehr gut. Was natürlich auffällt, ist der „enorme Zeitdruck“ im Musikvideo.

    Ich hätte da noch so eine Frage zu einzelnen Szenen im Musikvideo. Es könnte sein, dass ich mich täusche, aber bis jetzt habe ich nichts im Internet gefunden: Ist das Video teilweise (ev. mit Kulisse oder nachgestellt) auf der Route 66 in Amerika gedreht worden? Die Corvette, die er fährt und das Motel in einer kurzen Sequenz deuten irgendwie daraufhin.

    Freue mich auf eine Antwort.

    Gruss, Sapphira

    • Hallo Sapphira, ich habe irgendwo gelesen, dass Sony ihn tatsächlich nach Amerika geflogen hat um das Video zu drehen – die waren sich wohl sehr sicher, dass das ein Hit wird. Ob es wirklich die Route 66 ist, weiß ich nicht, es soll aber wohl auf jeden Fall so wirken… Danke für deinen netten Kommentar! Gruß, Uta

  6. Hey Uta,
    cooler Blog, den du hier betreibst. Bin gerade auf deine Seite gestoßen, da ich ein paar Ideen gesucht habe, selbst etwas über Tim Bendzko zu schreiben.😉 Deine Interpretation gefällt mir sehr gut. Werd dich auf jedenfall weiter im Auge behalten.😉

    Gesegnete Grüße Gina

  7. Eine sehr gute Interpretation. Meiner Meinung nach kann man sogar noch einen Schritt weiter gehen: Dieses „Ich muss doch die Welt retten“- Gefühl ist (leider) manchmal auch eine Vorstufe des Burn- Out. Dieses „Ich bin unabkömmlich, ohne mich bricht die ganze Welt zusammen“ geht oftmals dem totalen Zusammenbruch voraus… Wahrscheinlich hat Tim Bendzko das nicht gemeint, wollte das trotzdem noch hier ergänzen…

    • Danke, Torsten, für deine Idee – finde ich gut, den Gedanken, auch wenn T.Bendzko da vielleicht nicht dran gedacht hat. Lieder und Gedichte führen ja immer ihr Eigenleben wenn sie erst mal veröffentlicht sind – ich denke, das darf und soll auch so sein. Schön, dass du hier vorbeigeschaut hast…🙂

  8. also ich hatte den song anfangs ganz anders interpretiert, auch wenn deine version durchaus sinnvoll erscheint.
    tim bendzko könnte mit seinen song auch die phänomen der „generation facebook“ ansprechen wollen. wir wechseln oft den ort, sind schnelllebig, die beziehungen virtualisieren sich immer mehr und gleichzeitig verlieren sie dadurch an tiefe.
    in seinem video wird die schnelllebigkeit gezeigt: mal ist er auf dem highway in der wüste und dann am meer und wieder zurück. dabei hat er keine zeit mehr sich mit der im lied angesprochenen person zu treffen. zudem singt er „wer weiß was mir dann noch passiert, denn es passiert so viel“
    dass er noch „Noch 148.713 Mails checken“ muss zeigt die virtualisierung der beziehung zulasten der realen.
    das er noch „die welt retten“ muss halte ich einfach für eine übertreibung bei dem ganzen.
    was aber am meisten für meine interpretation spricht, ist a) dass das modell des karriere-mannes mit der ehefrau am herd veraltet und am aussterben ist. frauen machen mittlerweile immer öfter selbst karriere und b) dass tim bendzko selbst viel zu jung ist(und das zielpublikum des songs ebenfalls) um ein karriere-mann zu sein. stattdessen passt er und das publikum vom alter genau in die „generation facebook“ rein.

    wenn das lied aber bezug auf den freund seiner mutter nimmt, dann ist deine interpretation wohl doch richitger, auch wenn ich meine besser finde😉

    hat nicht mal in irgendeinem interview das rätsel gelüftet???

    • Ich glaube, dass der Song durchaus mehrer Interpretationen zulässt. Im Video wird ja wirklich nicht der Karriere-Mann gezeigt, sondern jemand, der einfach nur immer auf der Suche nach dem nächsten Event ist, immer Angst hat, etwas zu verpassen, vielleicht auch nicht wirklich weiß, wohin die Reise gehen soll. Und das kann in der Tat daran liegen, dass wir im Zeitalter der neuen Medien so viele Möglichkeiten geboten gekommen, dass es uns schwer fällt, uns zu entscheiden, Verbindlichkeiten einzugehen. Das Gute an dem Song ist ja offenbar, dass er offen ist für unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen🙂 Danke für deine Rückmeldung!

  9. Pingback: Lieber Tim Bendzko, | Sabienes TraumBilder

  10. Das ist ein Süßer, gell? Ich komme über Sabienes und finde Dein(en) Blog sehr interessant, da mein Leben auch zu großen Teilen aus Musik besteht.

    Viele Grüße von Ruthie

  11. Also ich finde, dass dieser text weder von großen inhaltlichem noch von sprachlichem Wert ist. Und das fand ich übrigens schon von Anfang an.
    Sicherlich habe ich mir beim hundertsten unerträglichen Mal als dieser Song im Radio kam Mühe gemacht, da vielleicht doch etwas zu finden bei dem ich sagen kann: „Wow, der Typ weiß wie das Leben läuft und schaut mir voll in die Seele!“
    Alles was mir dabei immer mehr aufgefallen ist war, dass es meiner Meinung nach ein verzweifelter aber erfolgreicher Versuch war, sich wichtig zu machen.
    Interviews mit Bendzko haben ihn mir auch nicht sypmathischer gemacht, weil er einfach extrem arrogant rüber kommt. Dann nimmt man ihm sein Gesäusel, dass er wie man sich vom hören denken könnte, geradezu rausscheißt auch nicht ab.
    Ich kenne übrigens genug Menschen, die Theologie studiert aber nichts verstanden haben. Einen kennen wir alle: den Pabst!

    • im allgemeinen fand ich die Meinung von saba über diesen Song nebst Künstler durchaus ok.Auch wenn ich jetzt viele Mädchen und Frauen verärgere:ich finde den Text völlig daneben und sinnfrei,da ihn letztlich jeder so interpretieren wird,wie es ihn gerade in den Kram paßt.Leider ist es in Deutschland große Mode geworden,derart textlastische „Werke“ zu schreiben,die genaugenommen niemand braucht-es sei denn,man hat ständig Partnerprobleme,die allerdings durch solche Interpretationen auch nicht gelöst werden.Desweiteren ist der Titel auch musikalisch extrem dünnhäutig,leider auch eine deutsche Erscheinung in Deutschland von 2000 plus….schade,daß das musikalische Feeling vielen abhanden gekommen ist.

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