Loslassen können ? The Flood – Katie Melua

Katie Melua – The Flood from Dramatico on Vimeo.   Die Lyrics gibt es hier.

Es ist schon merkwürdig: um die Auswahl von Liedern in meinem Blog muss ich mir gar nicht so viele Gedanken machen. Irgendwie ergibt sich das in letzter Zeit immer. Dinge passieren – und dann begegnet mir ein Lied. Jetzt sind schreckliche Dinge passiert. Erdbeben der Stärke 9.0 in Japan, Tsunami mit Bildern, die einem Hollywood-Horrorszenario in nichts nachstehen – und dann auch noch der vermutliche atomare GAU.

The Flood“ von Katie Melua ist bereits 2010 erschienen. Interessant, dass der Refrain ein Motiv aufnimmt, das immer wieder gern im Zusammenhang mit Naturkatastrophen aufkommt: Wer ist schuld? Bei der Katastrophe in Japan habe ich zum Glück noch nicht solche Stimmen gehört, die ein menschliches Fehlverhalten für ein angeblich göttliches Strafgericht verantwortlich machen.
No one is to blame. As natural as the rain that falls – here comes the flood again,” singt Katie Melua im Refrain ihres Liedes. Fluten, Erdbeben, Vulkanausbrüche, die sind nicht menschengemacht und man kann niemanden dafür anklagen – “höhere Gewalt” eben. Angesichts solcher Katastrophen sind wir hilflos, eben weil wir niemanden verantwortlich machen können, weil wir das nicht politisch ausnutzen können, weil die Not so groß ist und wir nicht direkt helfen können. Wie gesagt, Hollywood –Albträume werden plötzlich wahr und wir sind hin und her gerissen zwischen Sensationsgier und Mitleid.

Auch wenn das Erdbeben weit weg ist, der Boden schwankt unter unseren Füßen, auch wenn es nur für einen Moment ist: „What I thought was my way home wasn’t the place I know… Certain, nothing’s certain.” Wir hängen an dem, was uns gehört, was unser Leben ausmacht: “ What we own becomes our prison …My possessions will be gone, back to where they came from” – angesichts der Bilder von Menschen, die alles verloren haben, was sie besaßen, fragen wir uns: was brauchen wir eigentlich, woran hängt unser Herz, was wäre wenn WIR das alles verlieren würden? Melua geht soweit, sich manchmal offenbar sogar zu wünschen, die Sicherheit des Alltags, das Gefühl, alles reparieren zu können und im Griff zu haben, würde einmal ins Wanken geraten: „Broken people get recycled and I hope that I will sometimes be thrown off the pathways.
Woran halten wir uns fest, was gibt uns Halt – und hält das auch in einer Krisensituation?
See the rock that you hold onto. Is it gonna save you when the earth begins to crumble?” Das muss jede/r für sich selber entscheiden, was das ist oder sein könnte: ein Glaube, eine Überzeugung, andere Menschen, eine Aufgabe…?
Vielleicht ist es auch manchmal gut, loszulassen:
Flush away the weight that pulls you down, light the ways that freed from the dust. Why’d you feel you have to hold on? Imagine if you let go…” Je mehr wir uns an Dinge, Überzeugungen, “must haves” klammern, umso mehr haben wir zu verlieren, umso mehr wirft uns eine Krise aus der Bahn.
Ist das ein Trost: „That you can leave your prison…?” In welchem Gefängnis bin ich gefangen, was ist meine Angst?
Wichtig ist: „No one is to blame“. Das Chaos bricht einfach herein in unser geordnetes Leben, ungefragt. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze: „Feel the ancient rhythm… don’t trust your eyes.” Der scheinbar sichere Boden unter unseren Füßen ist eine dünne Erdkruste über flüssigem Feuer.

Das Piano in Katies Video steht auf schwankendem Boden und wird zum Spielball der Naturgesetze. Das Männerballett ist schön anzusehen – vielleicht kann mir jemand den tieferen Sinn erklären, ich bin noch nicht dahinter gekommen ;-)….
Übrigens: das Problem mit den Atomkraftwerken liegt etwas anders: das IST von Menschen gemacht, da gibt es Leute, die verantwortlich sind. Diese Katastrophen wären vermeidbar, wenn wir es nur wollten…

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