Vom Finden und Verlieren der Liebe: New Age – Marlon Roudette

Mit Esoterik und New Age hat der Song des karibischstämmigen Musikers Marlon Roudette  nichts zu tun, wohl aber mit einer Erfahrung, die wohl jede und jeder im Laufe des Lebens einmal macht: es geht uns Suchen und Finden und Verlieren der Liebe. Man müsste mal alle Songlyrics der Welt einteilen in solche, die das Glück der Liebe besingen und solche, die sich um den Schmerz drehen, der mit der Liebe einher geht, ich vermute mal, das hält sich die Waage, oder?– obwohl die „schöneren“ Songs oft die sind, die vom Verlust dieses Gefühls singen… Glück und Leid, beides inspiriert die Künstler zu Melodien und Texten – und hilft uns dabei, diese Gefühle auszuhalten und zu verarbeiten.

Für alle, die die Liebe schon einmal verloren haben oder gerade eine Trennung hinter sich haben, ist dieser Song: New Age von Marlon Roudette (Lyrics gibt’s hier). Ich habe ihn gerade live auf einem Milow Konzert in Bielefeld erlebt und war angetan von seiner Vielseitigkeit.

Wer kann das, was wir Liebe nennen, verstehen? Es klingt so einfach, 5 Buchstaben ( 4 im Englischen), die unsere Leben bestimmen – und die wir so wenig unter Kontrolle haben:

„If love was a word, I don’t understand.
The simplest sound, with four letters.“

Die Liebe zu einem Menschen ist umfassend, bestimmend, sie kann uns “alles” bedeuten, bis hin zur Selbstaufgabe:

„I’m walking away, from everything I had…
There was a time,
When I didn’t mind living the life of others…

So much fire that it burned my wings.
Her heat was amazing.“

Wenn es vorbei ist, bleibt nur die Liebe zum Schmerz als Erinnerung an das, was war. Aus „alles“ wird „nichts“, jemand verändert sich, verändert mich, es gibt kein Gemeinsames mehr, ein neues Zeitalter beginnt:

„Are you loving pain, loving the pain?
And with every day, every day
I try to move on.
Whatever it was,
Whatever it was,
There’s nothing now.
You changed.
New age.“

Was bleibt, ist der Alltag, die einfachen Freuden und Dinge, die große Liebe, das frühere Leben ist ausgelöscht:

„Now I’m dreaming of the simple things.
Old ways, erased.“

Aber es gibt eine Perspektive:

„And with every day, every day
I try to move on…   I need a room with new colours.“

Im Moment scheint es unmöglich, aber wir wissen ja alle: es gibt ein Danach. Neues Leben, neue Farben, neue Erfahrungen, neue Lieder. Es ist schon seltsam: jemandem, der Liebeskummer hat, zu sagen: alles wird gut, ist oft nicht hilfreich. Aber ein Lied kann dasselbe durchaus sagen ohne aufgesetzt zu wirken. Musik findet für alles Worte und Töne, auch für das Finden und Verlieren der Liebe.

Danke, Marlon Roudette, dass du diese Erfahrung in so schöne Töne und Worte gefasst hast mit dem Song „New Age“…  Hier noch ein Live Auftritt in Berlin, New Age im Regen.. 😉

Werbeanzeigen

Home, sweet Home: Happiness – Jonathan Jeremiah

Es gibt so Themen, die begleiten einen ein Leben lang. Für mich ist das „Heimat“. Vor einiger Zeit war ich durch den fiftyfiftyblog und meine „Fachzeitschrift“ Brigitte wieder einmal auf die  Platte eines Künstlers aufmerksam gemacht worden, die ich momentan rauf und runter höre: A Solitary Man von Jonathan Jeremiah mit dem Song „Happiness“ (Lyrics gibt es hier).

Ein unaufwändiges, ruhiges Video, ein Sänger, der sicherlich auch in einem Jesus-Film eine Hauptrolle bekommen würde, wenn es mit der musikalischen Karriere nicht so klappen sollte 😉  – was nicht zu befürchten ist – und eben jenes Thema: Zuhause, Heimat.

Ich bin ja schon ein wenig herum gekommen in der Welt, aber wenn mich jemand fragt, woher ich komme, dann kann ich keinen Ort nennen. Geboren hier, aufgewachsen hier und dort, dann dorthin gezogen und wieder umgezogen und so weiter. In meinem jetzigen Wohnort lebe ich seit drei Jahren und inzwischen ist es „Zuhause“.

Vielen geht es heute so. Der Geburtsort ist nicht mehr der Wohnort, Eltern, Kinder, Geschwister leben über ganz Deutschland oder die Welt verteilt – Globalisierung findet eben auch im Kleinen statt.

Die große weite Welt ist ja ganz spannend, aber manchmal nervt sie auch:

„What you gonna do with people like that…
What you gonna say that will make them change their ways…
Who you gonna find to listen anyway?“
Manchmal fehlt das Verständnis – und das liegt nicht immer an der Sprache.

Manchmal fehlt die Nähe – und das liegt nicht immer an großen Entfernungen.

Jonathan Jeremiah hat eine Lösung für sich gefunden. Er macht sich auf den Weg nach Hause. Dabei lässt er offen, wer das ist: die Eltern und Geschwister, die eigene Familie, der Heimatort mit den alten Kindheits- und Schulfreunden? Entscheidend ist: da sind Menschen, die ihn kennen, die ihm zuhören, die offen zu ihm sind, wo er alles abladen kann:

 „Who’s it gonna be who’ll tell it like it is..
  Who you gonna blame for all our differences…
  Where you gonna go if you can’t take it all?“

Was für eine Liebeserklärung an die Menschen, die ihm nahestehen! Das Gepäck für die Reise nach Hause ist nicht groß, nur das Nötigste – und die Katze muss versorgt, der Vermieter und die Nachbarn informiert werden:

 „I once found the recipe, for what to do to cure my needs
  I packed some things just what I need
 Only bare necessities
 Asked Mrs Walsh to feed my cat
 Call Landlord Tate to tell him that“.

Dann ab ins Taxi, zum Bus und nach Hause:

Order a cab, take it to the bus station up on 42I’m going home, where my people live, need a little bit of happiness, yeah…”

Das ist alles so selbstverständlich, so einfach, so klar. So soll es sein. Ist es aber nicht immer. Manch einer ist froh, wenn er seinen Ursprung hinter sich lässt und dem Heimatort für immer den Rücken kehren kann. Dann sucht man „Happiness“ woanders.

Heimat, Zuhause – was ist das? Für mich nicht ein bestimmter Ort, sondern „ home (is) where my people live…“ – und da wohnt für mich auch das Glück.

Ich hoffe, es geht euch auch so….und genießt die „Happiness“ dieses Songs! 🙂

Ist Liebe ansteckend? Something in the Water – Brooke Fraser

Heute ist der letzte Sommertag – und ein Lied hat uns diesen Sommer im Radio begleitet, das ich irgendwie nicht aus dem Kopf bekomme. Deshalb kommt es jetzt in den Blog – und verschwindet dann vielleicht aus meinem Gehirn. Es verbreitet gute Laune mit seiner Melodie und dem beschwingten Rhythmus. Vom Text versteht man auf Anhieb nicht viel außer: …“there’s something in the water“ …. und „doo doo doo do dooo… „ und irgendwas mit „I love you“. Die Lyrics kann man hier nachlesen.

Nessie-by-oddsock-flickr

Der Song der Neuseeländerin Brooke Fraser aus  ihrem Album „Flags“ (2010) könnte ja auch glatt als Titel eines Horrorfilms oder Psychothrillers durchgehen. „There’s something in the water“ – also ich denke da an Seeungeheuer oder gefährliche surferfressende Haifische –

© PhotoXpress.com 1228113

shark  alarm?

Natürlich nicht, wie man schnell feststellt, wenn man das Video zum Lied ansieht. Es ist in der Tat ein Lied über die Liebe und die Sehnsucht, über lange, faule Sommertage und laue Sommernächte in der Hängematte  bei einem Glas Rotwein  oder zwei:

“Give me nights of solitude, red wine just a glass or two,
Reclined in a hammock on a balmy evening
I’ll pretend that its nothing that’s skipping my heart when I think of you
thinking of me babe I’m crazy over you”

Die Tage werden zum Präludium für die Nächte, der ganze Sinn des Lebens liegt in der Liebe, im an-den-anderen-denken und sich vorstellen wie der andere an mich denkt – hach…:

“Give me long days in the sun,
preludes to the nights to come
Previews of the mornings laying in all lazy
give me something fun to do like a life of loving you
kiss me quick now baby I’m still crazy over you”

Die Liebe macht schön, soviel ist klar, und sie kleidet die Liebende in ein Gewand aus Licht und Farbe und Schönheit – nix Prada, Dior, Gabbana und Co – der Schmuck sind singende Vögel auf den Schultern:

“I wear a demeanor made of bright pretty things
What she wears, what she wears, what she wears
Birds singing on my shoulder in harmony it seems
How they sing, how they sing, how they sing”

Frühling und Sommer sind die Jahreszeiten der Liebe: der Rhythmus des Frühlings lässt die Liebenden tanzen, die Sommersonne verleiht ihnen einen Heiligenschein – ich muss da an Botticellis  Gemälde „Frühling „ denken:

„I’ve got halos made of summer, rhythms made of spring
What she wears, what she wears, what she wears
I got crowns of words a woven each one a song to sing
Oh I sing, oh I sing, oh I sing“

Woher kommt dieses wunderbare Gefühl? Die Liebe kommt oft überraschend, auf jeden Fall nicht planbar und vorhersehbar, die liegt ganz einfach in der Luft und manchmal erwischt es einen eben. Dafür gibt es viele Bilder und Ausdrucksweisen. Früher malte man Cupidos und Amor mit ihren Liebespfeilen – es liegt etwas in der Luft oder eben „es muss etwas im Wasser sein“, das wir trinken, wenn plötzlich um mich herum alle rosarote Brillen tragen – Liebe kann ansteckend sein, wie schön:

„Theres something in the water that makes me love you like I do”

Im Video läuft die Comicfigur schlafwandelnd durch einen Wald – macht Liebe auch blind und willenlos? Manchmal wohl schon. Die Blätter fallen da schon von den Bäumen – hoffentlich wird das Herbst – Erwachen nicht allzu enttäuschend.

Eins ist klar: die Liebe verändert sich, auf Frühling und Sommer folgt immer Herbst und Winter.

Vielleicht  können wir noch ein wenig von der Leichtigkeit des Sommers  mit in den Herbst nehmen. Und Liebe muss ja auch im Herbst und Winter möglich sein, oder?

© PhotoXpress.com 5547744

Glück im Spiel? Love is a Losing Game – Amy Winehouse

Am 23.7.2011 ist Amy Winehouse gestorben. Nachrufe hat es schon viele gegeben und ihre Stimme wird sicherlich noch lange Zeit nachklingen. Im Rückblick auf ihr Leben gewinnen ihre Songs noch einmal eine besonders eindrückliche und  tragische Bedeutung. Es war immer klar,  dass sie in ihre Lieder ihre Erfahrungen einfließen ließ und dass Vieles autobiographische Züge hat.

Angesichts ihres Todes fragt man sich: warum musste es so kommen? Waren da nichts und niemand, der ihr helfen konnte? Ich weiß, diese Frage stellt sich bei vielen Opfern von Suizid, Drogenmissbrauch und Depression. Oft sind da Menschen, die den Opfern nahe standen und die dennoch nicht helfen konnten, weil diese sich vielleicht auch nicht helfen lassen wollten.

Ein Thema ihres Lebens und ihrer Songs war die Liebe. Da war die Liebe zu Blake Fielder-Civil,  ihrem späteren Ehemann, und das Scheitern dieser Beziehung, das sie offenbar nur schwer verwunden hat. Aber selbst die Liebe ist etwas Selbstzerstörerisches für Amy Winehouse, wie es im Song „Love is a Losing Game“ aus dem Album „Back to Black“ (2006) deutlich wird (Lyrics hier ):

For you I was a flame 
Love is a losing game 
Five storey fire as you came 

Feuer und Flamme, ja, aber ein 5 Stockwerke hohes Feuer birgt eher Gefahr,  als dass es zum Sinnbild einer lebendigen Liebe taugt und gleich zu Beginn wird deutlich:

Love is a losing game

Sie steht vor den Trümmern dieser Beziehung, die nicht ohne Drogen und Missbrauch gelingen wollte:

Oh what a mess we made 
And now the final frame 

Die letzte Einstellung, das letzte Bühnenbild ist Chaos und Tränen.

Die Liebe – ein Spiel? So hat Amy Winehouse es offenbar erlebt. Die Bilder, die ihre Erfahrung beschreiben, kommen aus der Welt des Glücksspiels. Aber das bringt ja erwiesenermaßen nur den Wenigsten wirklich Glück:

Self professed and profound
Till the chips were down
Though you’re a gambling man
Love is a losing hand

Voller Zuversicht gewagt, aber nicht gewonnen.

Das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr – sie wird auch nach Gründen gesucht haben für ihr Unglück. Vielleicht hilft es, die Götter oder das Schicksal verantwortlich zu machen. Es ist schwerer zu ertragen, wenn man sich selbst die Schuld gibt, und wer will das schon behaupten, dass man sein Schicksal in der Hand hat. Wer das behauptet, hat noch nie Schicksalsschläge erlitten. Neue  Chancen, Hoffnung? Ein Fremdwort, wenn selbst die Götter keinen Trost versprechen, sondern nur Spott und Hohn übrig haben für ein trostloses Leben.

Though I’m better blind 
Love is a fate resigned               
Memories mar my mind                         
Love is a fate resigned 

Over futile odds                           
And laughed at by the gods                      
And now the final frame 
Love is a losing game

Was für viele der Himmel auf Erden, die Lösung aller Probleme ist – für Amy Winehouse war es nur eine weitere Katastrophe, eine schmerzliche Erfahrung, eine Enttäuschung. Die Liebe hat nicht gehalten, was sie verspricht. Das Leben hat ihr nicht gegeben, was sie gebraucht hätte.

Sie muss sehr einsam gewesen sein, wenn ihre Zuversicht war:

Tears dry on their own 

(aus dem gleichnamigen Lied – Tränen trocknen von allein)

Ich hoffe, ihr macht auch andere Erfahrungen. Es gibt sie.

Tochter des Windes? The Blower’s Daughter – Damien Rice

So ein traurig-schönes Lied, „The Blower’s Daughter“  (2001)von Damien Rice, – danke an den fiftyfiftyblog für die Anregung! – und nirgendwo finde ich eine überzeugende Erklärung dafür, wer diese große Unbekannte ist:  the Blower’s Daughter.

Die abenteuerlichsten Geschichten kursieren darüber im Internet.

Ist sie die Tochter des Klarinettenlehrers oder ist der Vater Glasbläser? Was soll man von einer angeblich von Damien Rice selbst gegebenen Erklärung halten, nach der es sich um ein minderjähriges Mädchen handelt?

Warum löst du das Rätsel nicht auf, Damien? Aber wir lieben ja Geheimnisse und wer will schon so genau wissen, was die da singen

Eins steht fest: es geht um eine unglückliche, unerfüllte Liebe – und das rührt unser aller Herz an. Der Song  „The Blower’s Daughter“  ist Teil des Soundtracks zum Film „Hautnah“ (2004) und auch in mehreren TV Produktionen zum Einsatz gekommen. In diesem Video werden Szenen aus dem Film und der Gesang von Damien Rice mit Naturaufnahmen kombiniert – enjoy:

Damien Rice – The Blower’s Daughter – Official Video from StupidDoodler on Vimeo.

Lyrics auf der Website von Damien Rice, schön wie ein Gedicht…

and so it is
just like you said it would be
life goes easy on me
most of the time
and so it is
the shorter story
no love no glory
no hero in her skies

Sie hat seine Liebe nicht erwidert . Er würde darüber hinweg kommen, hat sie gesagt. Und so scheint es: “Life goes easy on me most of the time”.

and so it is
just like you said it should be
we’ll both forget the breeze
most of the time
and so it is
the colder water
the blower’s daughter
the pupil in denial

Es durfte oder konnte nicht sein, vergessen ist der Sommerwind, die kalten Wellen nehmen die Erinnerung mit sich fort. Der Schüler (er?), die Schülerin (sie? s.o.) oder  „die Pupille, das Auge“  (danke, Christian!) wollen es nicht wahrhaben, so einfach ist das mit der Liebe und dem Vergessen nicht…das klappt nicht auf Knopfdruck, nicht wahr?

Und deshalb:

i can’t take my eyes off you                                                                                                                                                                                                                                                                                                         i can’t take my mind off you

Kein Vergessen, immer wieder die Bilder betrachten, die Schönheit bewundern, die Stimme, was auch immer…. Er hat sich nie wirklich von ihr losgesagt, hat nie versprochen, sie zu vergessen. Sie hat schließlich nie gesagt, dass sie ihn hasst oder dass sie alles vergessen will, was war:

did i say that i loathe you?
did i say that i want to
leave it all behind?

Das wird so weitergehen, bis jemand anderes die Lücke füllt:

i can’t take my mind off you
my mind’til i find somebody new

Kann man eine Liebe durch eine andere ersetzen? Vielleicht NUR so. Sonst bleibt da immer eine Sehnsucht.

Das tut weh, aber es tut auch gut. Wir brauchen solche Songs, weil es da immer so eine Erinnerung gibt, die ganz persönliche  „Blower’s Daughter“.  Ein schöner Soundtrack für den ganz persönlichen Erinnerungsfilm. Für mich ist sie übrigens einfach die „Tochter des Windes“, der im Video so dramatisch ihre Haare verweht. Heute hier, morgen dort, anwesend, aber nicht festzuhalten.

Thank you, Damien!

Rockstars in der Midlife Crisis? Walk – Foo Fighters

Wer “Falling Down” mit Michael Douglas gesehen hat, wird seinen Spaß haben am Video zum Song “Walk” von den Foo Fighters aus ihrem neuen Album „Wasting Light“. Aber auch sonst ist das Video ein (teilweise recht derbes!) Vergnügen: Ein gestresster und geschniegelter Mann, David Grohl von den Foo Fighters, bleibt auf dem Weg zur Arbeit  im Stau stecken und beschließt, andere Wege zu gehen. Das fängt damit an, dass er nicht mehr Auto fährt, sondern geht.

Nur die Gitarre nimmt er mit und die lässt erahnen, dass es sich eben nicht um einen ganz normalen Büromenschen handelt. Auf seinem Spaziergang durchs neue Leben begegnen ihm jede Menge Unannehmlichkeiten – und es gibt kein Happy End , zumindest nicht für ihn. Seine Bandkollegen machen sich noch lustig über den von der Polizei abgeführten Musiker. Zum Glück hatten sie vorher noch Zeit, das neue Album mit dem Song „Walk“ aufzunehmen…! 😉

Die Lyrics könnt ihr hier nachlesen, das Video hier ansehen.

Die Mühle des ewig gleichen Berufs-Alltags, Formeln, jeden Montag wieder startklar und einsatzbereit:

To whom it may concern, I think I lost my way. Getting good at starting over every time that I return”.

Da ist nur eine Erinnerung an andere Zeiten, einen anderen Anruf:

A million miles away your signal in the distance…“

Wer da ruft, ist nicht klar, wohl aber ist da das Gefühl: etwas stimmt nicht in meinem Leben, es ist aus dem Gleichgewicht geraten. Ich sollte etwas ändern:

I’m learning to walk again; I believe I’ve waited long enough. Where do I begin? I’m learning to talk again, can’t you see I’ve waited long enough. Where do I begin?

Laufen statt Autofahren, Reden statt Telefonieren – das sind ja nur zwei Beispiele für andere mögliche Prioritäten. Dann ist da die Erinnerung an Kinder- und Jugendzeiten:

Do you remember the days we built these paper mountains, then sat and watched them burn. I think I found my place, can’t you feel us growing stronger – little conquerors…”

Wo ist diese Abenteuerlust geblieben, der Zusammenhalt der Freunde, das Gefühl, dass niemand einem den Weg versperren kann?

Sehen wir da Anzeichen einer Midlife-Crisis bei den Foo Fighters? Das Alter hätten sie ja – und es ist ja auch ganz normal und gesund, wenn man sich in den 40ern mal fragt: wie soll es weiter gehen?
Man möchte frei sein, nicht anderen nach dem Mund reden, die eigene Meinung vertreten:

Now, for the very first time don’t you pay no mind. Set me free again…”

Das Lebensgefühl der Lebensmitte? “To sacrifice but knowing to survive” – du weißt, dass Verzicht nicht immer Verlust sein muss, dass du dich weiter entwickelt hast.
You keep alive a moment at a time but still inside a whisper to a riot – to sacrifice but knowing to survive, the first to climb another state of mind…” – du lebst für den Tag, weil du nicht weißt, wie viel Zeit dir bleibt, aber in dir ist der Aufruhr, der Protest noch lebendig und wenn es nur ein Flüstern ist.

Im Laufe und gegen Ende des Songs bricht sich das Flüstern Bahn, der Protest gegen das Ende, die Begrenzung, den Tod:

I never wanna die
I’m dancing on my grave
I’m running through the fire
Forever, whenever
I never wanna die
I never wanna leave
I never say goodbye
.”

Wenn die Midlife Crisis der Foo Fighters solche Songs wie „Walk“ hervorbringt, dann:

Ein „Hoch“ auf die Krise! 😉

Vom Suchen und Finden – I still haven’t found what I’m looking for – U2

Ich komme gerade aus Dresden von einem  fünftägigen Happening. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag haben sich Hunderttausende auf die Suche gemacht. Sie haben nach Begegnung gesucht, Spaß, Musik, Entdeckungen in einer wunderschönen Stadt, aber auch nach Antworten auf die unterschiedlichsten Fragen: wer sind wir, woher kommen wir, wohin gehen wir, was sollen und können wir tun?

Darauf gibt es viele verschiedene Antworten. Christen finden andere als Buddhisten, Muslime, Juden oder Atheisten. Es soll Menschen geben, die sich solche Fragen gar nicht stellen. Das ist mir fremder als die Antworten, die andere Glaubensrichtungen geben.

Um das Suchen und Finden von Antworten geht es auch in diesem Song. 1987 veröffentlicht die irische Band U2 ihr Album „The Joshua Tree“ mit dem Song “I still haven’t found what I’m looking for“ (Lyrics gibt es hier, das Video zum Song könnt ihr hier ansehen).

Schwierig ist es natürlich dann, wenn man gar nicht so genau weiß, wonach man sucht. Die konkreten Fragen werden auch hier im U2 Song nicht genannt, wohl aber die Orte, an denen sie suchen: „I have climbed the highest mountains, I have run through the fields… I have run, I have crawled,I have scaled these city walls”. Nicht in der Natur, nicht in der Stadt sind sie fündig geworden. Was sie gesucht haben? „Only to be with you” – das klingt nach einem Liebeslied.

Im weiteren Verlauf bestätigt sich diese Vermutung: „I have kissed honey lips, felt the healing in her finger tips, it burned like fire this burning desire”. Endlich mit der Person zusammen sein zu können, die man begehrt und liebt, das scheint das Ziel vieler Menschen zu sein, besonders wenn man mal auf Songlyrics achtet. Um Liebe und Enttäuschung geht es immer wieder.
Hier auch: „But I still haven’t found what I’m looking for“ – der Titel des Songs ist zugleich der immer wieder kehrende Refrain. Gesucht und nicht gefunden. Auch die Beziehung zu einem anderen Menschen hat die Lücke nicht füllen können, die Sehnsucht nach einer Antwort auf alle Fragen.

I have spoken with the tongue of angels, I have held the hand of a devil” – selber mit Engelszungen reden und gleichzeitig die Gesellschaft des Bösen ausprobieren, das führt dazu, dass man selbst in einer lauen Nacht fröstelt: „It was warm in the night, I was cold as a stone“, es fühlt sich alles nicht richtig an, nicht vollkommen, da fehlt etwas. „But I still haven’t found what I’m looking for.

Was dann folgt, ist ein christliches Glaubensbekenntnis, dazu steht die Band U2 ja ganz öffentlich und daraus folgt auch ganz konsequent ihr soziales und politisches Engagement:  „ I believe in the Kingdom come… You broke the bonds and you loosened the chains, carried the cross of all my shame”. Der Glaube an das Kommen des Reiches Gottes und die Erlösung von Schuld durch den Kreuzestod Jesu gehört zu den zentralen Inhalten des christlichen Glaubens. „Then all the colours will bleed into one, bleed into one” – am Ende werden alle Farben, alle Fragen, alle Fantasien in eins münden, es wird EINE Antwort geben.

ABER: obwohl er das „glaubt“ – „you know I believe it” – bleibt da ein Zweifel. Der Song endet mit dem mehrmaligen „I still haven’t found what I’m looking for.

Das finde ich gut: Zweifel gehört zum Glauben. Wer zweifelsfrei glaubt, ist mir unheimlich. Es gibt noch zu viele offene Fragen.

Auch auf dem Kirchentag in Dresden wurden nicht Antworten auf alle Fragen gegeben. Aber man redet miteinander, die Christen mit den Muslimen und Juden, die Glaubenden mit den Skeptikern und Agnostikern, und das ist das Entscheidende.

Wonach sucht ihr? Seid ihr fündig geworden?
Warum fragt man eigentlich nicht mal U2, ob sie beim nächsten Kirchentag in Hamburg auf dem Abschlussgottesdienst spielen wollen? Fänd‘ ich toll! 😉

P.S. Hab ich heute (2.6.2012) entdeckt (danke, Martin!): der Song als Kirchenlied – geht doch! 😉

Weniger ist mehr? Society – Eddie Vedder

Nicht immer. Und nicht in jedem Zusammenhang. Oft ist es Geschmackssache. Manchmal hilfreich. Vielleicht wird es einmal überlebenswichtig.

Was Eddie Vedder hier in dem von Jerry Hannan geschriebenen Song „Society“ (Lyrics gibt es hier ) meint, gehört sicherlich eher in die Kategorie „hilfreich – notwendig“.
Er schildert eine Gesellschaft, in der die Gier, mehr zu besitzen als man eigentlich braucht, zum Standard gehört, ja, die darauf aufbaut, dass wir genug Geld haben, um immer mehr zu konsumieren und so wiederum die Wirtschaft anzukurbeln (nur mal so ganz grob skizziert… ;-)) :

We have a greed with which we have agreed
and you think you have to want more than you need
until you have it all you won’t be free.“

Wir werden erst dann glücklich und frei sein, wenn wir uns alles leisten können, was wir haben wollen. Klingt irgendwie vertraut, oder? Wenn man dann aber zum Nachdenken kommt, kann es schon mal sein, dass einem ein Licht aufgeht- und das kann durchaus schmerzhaft sein:

And when you think more than you want your thoughts begin to bleed.
I think I need to find a bigger place because when you have more than you think you need more space.”

Wenn man merkt, dass Freiheit eigentlich etwas anderes bedeutet, dann kann meine “Haben-Welt” mir plötzlich viel zu klein werden: „You need more space“…

Der Song „Society“ entstammt dem Soundtrack zum Film „Into the Wild“. Darin wird die authentische Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der sich von seinem gesicherten Leben verabschiedet und seinen Traum vom einfachen Leben verfolgt. Der Refrain des Songs ist sozusagen sein Abschied an die Gesellschaft: “ Society, you’re a crazy breed. Hope you’re not lonely without me…“
Er geht in die Wildnis nach Alaska, lernt eine Menge über das Leben und sich selbst. Es ist ein sehr berührender Film, absolut sehenswert, mit wunderbarer Filmmusik. Das Ende verrate ich hier nicht. Seht selbst…

Manche versuchen, dieses „Weiniger-ist-mehr“ Motto in ihr jetziges Leben zu integrieren. Das fängt bei Feng-Shui-mäßigem Entrümpeln der Wohnung und des Kleiderschranks an und endet bei der jüngsten „cult-of-less“  Bewegung in den USA. Wieviele Dinge braucht ihr zum Leben? Könnt ihr euch vorstellen, mit 100 Dingen auszukommen? Interessanterweise können diese neuen Minimalisten auf eines NICHT verzichten: ihren PC. Minimalistisches Leben ist heute digitalisiertes Leben. Auch eine Geschmackssache…

There’s those thinking, more-or-less, less is more
But if less is more, how you keeping score?
Means for every point you make, your level drops.
Kinda like you’re starting from the top –
you can’t do that…”

Das erfordert schon einiges Umdenken: nicht Punkte sammeln, sondern abgeben, herunter kommen, weniger ist eben mehr.

Der neue Minimalismus ist nicht für jeden etwas, genauso wenig wie das „Into-the-wild“-Projekt im Film.

Aber es ist eben nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern wird immer über-lebens-wichtiger auf diesem Planeten.

Ich geh jetzt mal den Kleiderschrank ausmisten. Wo fangt ihr an? Wo hört ihr auf?

Tatort Eurovision Song Contest! Taken by a Stranger – Lena Meyer-Landrut

Lena Meyer-Landrut – Taken By A Stranger from wiyono on Vimeo.

Morgen ist es soweit: Lena tritt abermals beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf an. Mir ist bisher noch kein Lied begegnet (außer vielleicht Stairway to Heaven von Led Zeppelin, entschuldigt, wenn ich es in einem Atemzug mit Lena nenne…), um dessen Lyrics und Bedeutung es so viel Rätselraten gibt. Hier kann man Infos zum Song und die Lyrics nachlesen.

Das ist wohl Absicht und soll den Reiz des Songs „Taken by a Stranger“ ausmachen: es sei spooky, anders, rätselhaft, wie ein Krimi. Also schalten wir mal die Spurensicherung ein:

She’s got a knuckle in her eye….”   Die Dame hat offenbar ein blaues Auge, auch „Veilchen“ genannt, ist Opfer von physischer Gewalt – oder ist sie doch nur die Kellertreppe heruntergefallen? Andererseits ist sie selbst aber auch nicht ganz ohne: „He knows her catcall  …can’t escape from telling lies“. Sie ist es , die ihm hinterher pfeift, die nicht immer bei der Wahrheit bleibt, um ihre Ziele zu erreichen. Sie macht sich an ihn heran:“Hey, mind if I take this chair? “

Kommen wir zur zweiten (tatverdächtigen?) Person: Er sitzt offenbar an der Bar (stell ich mir so vor) und ist eine eher ungepflegte Erscheinung: „You’ve got some coffee on your collar and you forgot to comb your hair“.  Trotzdem scheint von ihm eine ungeheure Faszination auszugehen, zumindest für die erwähnte Lady. Sie lässt sich selbst von seinem Zögern nicht abwimmeln und ihre Aufdringlichkeit scheint ihm gerade zu gefallen: „He drops a pause. She looks annoyed but she’s so mean- he thinks she has to be the one.

Es gibt Indizien dafür, dass die beiden sich schon früher einmal begegnet sind: „Trip me up and spin me round AGAIN“.

Sie spielt mit dem Feuer und weiß es, aber genießt es offenbar: „ Taken by a stranger, stranger things are starting to begin.  Lured into the danger (it’s a risky business) . „Taken“ ist hier sicherlich im Sinne von „Fasziniert sein, gefesselt sein“ gemeint, aber vielleicht auch mehr…

Was genau die beiden da treiben, weiß man nicht, es könnte sich aber um pikante Verkleidungsspiele handeln: „Put the blindfold on his eyes. She saw him peek through, can’t imagine her disguise” – jedem seinen Spaß!

Wenn wir das Video zum Film noch als Beweismaterial heranziehen, kommen noch  zerbrochene Spiegel  hinzu.

Das Verfahren muss jedoch eingestellt werden, da es weder eine Klägerin noch ein Opfer gibt.

Trotzdem bleibt bei den Ermittlern ein unbehagliches Gefühl.

Ist die Frau wirklich nur die Treppe hinuntergefallen?

Woher kommen die Scherben? Handelt es sich doch um ein Verbrechen? Die Frau wurde nach dem letzten Treffen in der Bar nie mehr gesehen (siehe letzte Szene im Video). Spooky, wirklich….

Klingt ein bisschen nach „Bad Romance“ 2. Auflage. Sowas ist offenbar im Trend.

Ich wünsche Lena am Samstag Glück. Nachdem ich ein paar Songs der Konkurrenz gehört habe, kann ich mir durchaus vorstellen, dass sie eine Chance hat. Und so übel ist der Song gar nicht, finde ich.

Go Lena!  😉

Amerika, Land der Träume? Hollywood Hills – Sunrise Avenue

Sunrise Avenue – Hollywood Hills from Anorak Agency on Vimeo.

Ich gestehe: ich bin Amerika –Fan. Bei Menschen meiner politischen Überzeugung hört man das selten. Aber seit ich das erste Mal mit 13 Jahren dort war und bei jedem weiteren Besuch hat mich das Land immer wieder begeistert. In erster Linie sind es die atemberaubenden Landschaften: Grand Canyon, Rocky Mountains, Great Lakes, die unendlichen Weiten – aber auch pulsierende Städte wie San Francisco und für mich vor allem New York.

© http://www.scu.hu ID 1342516

Da ich bisher nur auf  Urlaubsreisen dort war, sind mir die Menschen bisher noch eher fremd geblieben. Nur so viel:  Amerikaner „ticken“ offenbar in Vielem anders als wir Deutschen, was ja durchaus erklärbar ist. Allzu deutlich wurde dies gerade wieder anlässlich des Todes Osama Bin Ladens:  Amerikaner können sich erleichtert, triumphierend darüber freuen – uns Deutschen bleibt das Wort „Freude“ in diesem Zusammenhang im Hals stecken. Ich wage es nicht, hier und jetzt darüber ein Urteil abzugeben.

Hier soll es ja um einen Song gehen, der zurzeit im Radio immer wieder gespielt wird und der ein echter Ohrwurm ist: Hollywood Hills . Lyrics und eine Übersetzung kann man hier nachlesen. Die finnische Rockband Sunrise Avenue  besingt hier die Sehnsucht nach eben diesem Stadtteil von Los Angeles. Nicht dass ich fände, dass dies ein besonders schöner Teil Amerikas sei. Aber natürlich sind aus der Unterhaltungsindustrie L.A. und Hollywood nicht wegzudenken.

Kein Ort für  Traurige und Deprimierte: “Now this is not the time or the place for a broken-hearted, ‚cause this is the end of the rainbow where no one can be too sad”. Hier hat man gute Laune, alles ist “fun”, Tag und Nacht, alles Sonne, sehen und gesehen werden: “Thank you for the morning walks on the sweet Sunset and for the hot night moments, for the fantasy in my bed”. Erinnerungen an “Rodeo Girls”, Spaziergänge auf dem berühmten Sunset Boulevard, einer kitschigen Touri-Meile – naja, jedem seinen Spaß.

Was ich verstehen kann: dass man einen Ort vermissen kann, von ihm träumen kann und hoffen kann, eines Tages dorthin zurückzukehren. Muss ja nicht L.A. sein… „Bye bye, Hollywood Hills, I’m gonna miss you, where ever I go, I’m gonna come back to walk these streets again. Bye bye, Hollywood Hills forever.”

Sunrise Avenue haben offenbar den Aufenthalt dort genossen, die Heimat jenseits des Meers im kalten Europa ruft sie aber zurück:
No I don’t wanna leave but I must keep moving ahead ‚cause my life belongs to the other side behind the great ocean’s waves.”
Vielleicht spielt auch eine kleine oder große Liebe eine Rolle, aber sie sehen das ganz realistisch: Die Entfernung ist zu groß, um diese aufrechterhalten zu können : „Long distance love doesn’t work … No I don’t wanna go, I don’t wanna go.”

©www.sxc.hu

Trotzdem: sie gehen fort und nehmen ein Stück davon mit – und ein Teil von ihnen bleibt dort: “I take part of you with me now and you won’t get it back and a part of me will stay here, you can keep it forever, dear.”

So ist das im Leben: Niemals geht man so ganz. Ein wenig kann man sich dabei verlieren. Das kann jemand, der immer am selben Ort gelebt hat, vielleicht nicht verstehen. Aber man nimmt eben auch immer etwas mit, was einen bereichert, prägt, verändert. Ich habe das bei meinem 7jährigen Aufenthalt in Australien erlebt.

Aber Amerika steht auch auf meiner Liste. Warum Amerika? Wegen der landschaftlichen Weite, der vielen Möglichkeiten – ja, dazu gehören auch für uns unverständliche Varianten – wegen der Buntheit und Vielfalt, der „Verrücktheit“ , wegen der Extreme in jeder Hinsicht, wegen der Kreativität.

Welches ist das Land eurer Träume?