Weise Einsichten: OK Go – Needing / Getting

Zugegeben – bei dem Song ist erst mal das Video der Hingucker, dann achtet man auf die Musik und zuletzt auf den Text. Aber der Song hat eben auch einen Text – und so gehaltlos ist der gar nicht!

OK Go,  eine amerikanische Rockband aus Chicago, haben mit Needing/Getting einen absoluten Youtube-Hit gelandet, zur Zeit über 16 Millionen mal angeklickt.  Dass ein Auto auch Musik machen kann, wissen wir jetzt – eine unglaubliche Planung und Präzision muss dahinter stehen, alle Achtung! Wer hat all die Gitarren am Wegesrand installiert und justiert, die Klangstäbe aufgehängt, die Klaviere aufgestellt?

OK Go haben dafür offenbar Zeit, denn mit der Liebe läuft’s zur Zeit nicht so gut, wenn man den Lyrics von Needing/Getting glauben darf. Und anstatt die ganze Zeit einfach nur dazusitzen und auf die Verflossene zu warten, wird man doch lieber kreativ!

„So I been sitting around
Wasting my time
Wondering what you been doing…“

Sie ist weg, aber er kommt nicht von ihr los – was sie wohl macht?

„Aw, and it ain’t real forgiving
It ain’t real forgiving
Sitting here picturing someone else living…“

Was schief gelaufen ist? Wir wissen es nicht und es wird auch nicht verraten. Es hört sich so an, als gäbe es etwas zu vergeben – aber wie geht das und kann man das, wenn man einfach nur an jemanden denkt oder muss man sich dafür begegnen?

Das Drama ist: er liebt sie noch, er braucht sie –

„And I, yeah, I still need you, but what good’s that gonna do?“

Das hilft nix, denn, so die weise Erkenntnis des Songs:

„Needing is one thing and getting, getting is another.“

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: sie vergessen  oder hoffen, dass sie ihre Meinung ändert.

Möglichkeit eins: geht nicht, wenn man jemanden liebt, denn…

„… I’ve been hoping for months
Hoping for years
Hoping I might forget
Aw, but it don’t get much dumber
It don’t get much dumber
Than trying to forget a girl when you love her.“

Und was ist mit Möglichkeit zwei? Genauso aussichtslos, denn – hier kommt wieder eine weise Erkenntnis ins Spiel bzw. in den Liedtext von Needing/Getting

„I’ve been waiting for months
Waiting for years
Waiting for you to change
Aw, but there ain’t much that’s dumber
There ain’t much that’s dumber
Than pinning your hopes on a change in another.“

Es stimmt schon – die Chance einen Menschen zu ändern, ist nicht allzu groß. Wie schwer ist es schon, sich selber zu ändern – um wie viel geringer die Aussicht, bei einem anderen so etwas zu bewirken.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, zum Glück:

„When?
When?
Why not now?
Why not me?“

Ja, warum eigentlich nicht er? Bei so viel Kreativität und Spaß seitens der Band OK Go mit dem Video zu Needing/Getting  sollte sich die Angebetete das vielleicht doch noch mal überlegen, oder?  😉

P.S. Interessanter Clip über die Entstehung des Videos:

One Moment in Time – Whitney Houston

Whitney Houston ist tot. Auch wenn manche meinen anmerken zu müssen, dass ihr Lebenswandel dazu beigetragen hat – mit 48 Jahren sollte man noch nicht gehen müssen. Und wer weiß schon genau, wer sie war und warum sie was getan hat. Der Song „One Moment in Time“ (Lyrics gibt es hier)aus dem Jahr 1988 stammt aus einer Zeit, in der es ihr wohl noch besser ging als am Ende ihres Lebens. Es wurde zur Hymne der Olympischen Spiele 1988 und passt ja auch ganz gut zum sportlichen Ehrgeiz, diesen einen Moment des Sieges auskosten zu dürfen, dort angekommen zu sein, wofür man jahrelang trainiert hat:

„I want one moment in time
When I’m more than I thought I could be
When all of my dreams are a heartbeat away…

You’re a winner for a lifetime
If you seize that one moment in time
Make it shine“

Aber es geht natürlich um noch viel mehr als glänzende olympische Goldmedaillen in diesem Songtext. Die erste Strophe ist programmatisch:

„Each day I live
I want to be a day to give the best of me
I’m only one but not alone
My finest day is yet unknown“

So spricht jemand mit hohen Ansprüchen an sich selbst und das Leben, immer bereit, das Beste zu geben. Jeder kämpft für sich allein in diesem Lebenswettkampf, aber sie fühlt sich nicht allein, sondern als Teil einer Gemeinschaft – oder von jemandem begleitet. Dabei ist ihr durchaus bewusst, dass der Weg steinig ist und dass man den Erfolg nicht ohne Anstrengung und Enttäuschung haben kann, es ist ein Auf und Ab:

„I broke my heart, fought every gain
To taste the sweet I face the pain
I rise and fall“

Was will sie? Diesen einen Moment, in dem alles so ist, wie es sein soll, in dem Träume wahr werden und alle Fragen beantwortet scheinen, in dem man das Schicksal an seiner Seite hat:

„I want one moment in time
When I’m more than I thought I could be
When all of my dreams are a heartbeat away
And the answers are all up to me
Give me one moment in time
When I’m racing with destiny“

Wie sich der anfühlt, dieser Moment?

„I will feel eternity… I will be… I will be free…“

Freiheit, Ewigkeit, einfach Dasein. Geht das? Kann man das haben im Hier und Jetzt?

Man kann, sagt der Glaube. Wenn man erfährt, dass da mehr ist zwischen Himmel und Erde, als wir zu wissen meinen, dass die Ewigkeit kein Hirngespinst ist, sondern unsere Heimat und  manchmal hier schon aufscheint.

Man kann, sagt die Liebe. Zumindest für einen Moment, in dem man einfach so sein kann, wie man ist und wer man ist.

Man kann, sagt die Hoffnung. Eines Tages werde ich frei sein, auch frei vom Zwang, immer alles geben zu müssen und vielleicht daran zu zerbrechen.

Whitney Houston ist scheinbar daran zerbrochen, wer weiß. Obwohl sie eigentlich die Lösung, die Entlastung von diesem Druck kannte. Sie ahnte, dass der Erfolg letztlich nicht machbar ist, dass sie zwar ihren Teil dazu beitragen musste, dass da aber jemand ist, der ihr die Hände füllen musste, damit dieser „moment in time“ wahr wurde:

„I’ve laid the plans
Now lay the chance
Here in my hands“

Wen spricht sie da eigentlich an? Das Schicksal, Gott? Es klingt wie ein Gebet, dieses Lied.

Möge Whitney Houston diesen Moment von Freiheit und Ewigkeit nun erleben.

Besuch von der Ex: Someone like you – Adele

Man kommt ja nicht drum herum, um dieses Lied, das schon wochenlang die Nr. 1 in den deutschen Charts belegt. Mit „Someone like you“ aus dem Album „21“ hat die britische Künstlerin Adele den ganz großen Hit gelandet. Und meine Vermutung bestätigt sich einmal mehr: Lieder über Liebeskummer berühren oft mehr als Songs, die einfach die Freude und das Glück einer Liebesbeziehung besingen. Sagt sie selber auch im Lied:

„Sometimes it lasts in love, 
But sometimes it hurts instead.“ 

Der, den sie geliebt hat und immer noch liebt, wird nicht begeistert sein von ihrem Auftritt. Er ist inzwischen glücklich verheiratet – mit einer anderen.

„I heard that you’re settled down, 
That you found a girl and you’re married now. 
I heard that your dreams came true…“

Und so fragt sie fast ein wenig scheinheilig: Warum bist du so zurückhaltend und still, so kenne ich dich doch gar nicht:

„Old friend, why are you so shy? 
Ain’t like you to hold back or hide from the light.“

Für ihn ist sie Vergangenheit, für sie ist die Erinnerung an vergangene Zeiten so präsent und lebendig, dass sie noch einmal in sein Leben platzen  muss- ihr ist durchaus bewusst, dass sie da eine Grenze überschreitet, aber der Wunsch ihn wiederzusehen, ist übergroß:

„You know how the time flies, 
Only yesterday was the time of our lives. 
We were born and raised in a summer haze, 
Bound by the surprise of our glory days. 
I hate to turn up out of the blue uninvited, 
But I couldn’t stay away, I couldn’t fight it…“

Was sie von ihm will? Dass er sich auch erinnert, dass er sie nicht vergisst – und naja, dass er sich vielleicht wieder in sie verliebt:

„I had hoped you’d see my face, 
And that you’d be reminded that for me it isn’t over…Don’t forget me, I beg“

Ganz schön schwierig und unter Umständen peinlich, diese Situation. Aber wer verliebt ist, dem ist das egal.

Ob man ihr das abnehmen  darf, dass sie ihm das Allerbeste wünscht? Da nagt auch Eifersucht und wer kennt sie nicht, die Frage: was hat sie/er, das ich dir nicht geben konnte? Es klingt fast ein wenig trotzig, wenn sie beteuert, dass sie schon jemand anderen finden wird – ehrlicher  scheint mir  ihre Erkenntnis, dass er für sie einzigartig war und ist:

„Nothing compares, 
No worries or cares, 
Regrets and mistakes, they’re memories made, 
Who would have known how bittersweet this would taste?

Never mind, I’ll find someone like you. 
I wish nothing but the best for you.“ 

Wie lange kann so etwas  gehen – die Trauer um eine verlorene Liebe? Wieviel  Zeit gibt man sich heute dafür, bevor man sich in eine neue Beziehung stürzt?  Und warum hilft es nicht, wenn andere beteuern, dass die Zeit alle Wunden heilen werde? Sie tut es ja, meistens – zum Glück.

Zumindest lernen wir, mit den Wunden und Narben zu leben:

„Regrets and mistakes, they’re memories made, 
Who would have known how bittersweet this would taste?“

Und ja, man kann auch den Schmerz lieben, für eine Weile, und solche Lieder wie Adeles “Someone like you” hören – oder  “New Age”  oder “Happiness” oder „Somebody that I used to know“…  Den oder die Ex sollte man aber vielleicht nur in Gedanken aufsuchen, alles andere ist meistens nicht sehr förderlich für die „Wundheilung“ …. 😉

Hier noch ein Link zu einem schön-melancholischen Video zum Song, gefilmt frühmorgens in Paris, der Hauptstadt der (unglücklich) Liebenden

 

 

 

Wer bin ich? The person I should have been – James Morrison


Jahreswechsel sind ja immer so eine Gelegenheit, Resümee zu ziehen. Wie war das vergangene Jahr? Was bringt das neue? Bleigießen soll uns etwas über die Zukunft verraten, Vorsätze werden gefasst. Was sagen die Sterne – Horoskope haben Hochsaison. „Die Chancen werden 2012 neu verteilt“ stand in meinem – man könnte meinen, das sei ja immer so, stimmt aber auch nicht wirklich. Manche haben mehr Chancen als andere, manche sind gleicher als andere….

Der britische Sänger James Morrison zieht auch Bilanz in seinem Song „The person I should have been“  (Lyrics gibt es hier) aus dem Album The Awakening (2011). Es muss sich etwas ändern in seinem Leben, es braucht  Farbe nach einer schwarzen, dunklen Phase:

„I’m gonna start again
This world (wall?) I painted black
Just needs some colour
I’m gonna live my life like the other
Person I should have been…“

Das Licht in seinem Inneren droht auszugehen, man kann sich auch ans Dunkel gewöhnen, darin und im Schmerz den Sinn sehen – aber jetzt muss Licht her:

„I ain’t tapping out, no no no no
To this dark and twisted dream
That’s kept me living
I pray to my soul
To keep its fire burning
And when it does…“
I’m gonna let it shine…“

Er möchte nicht bereuen was war, aber doch einen Neuanfang wagen, seine andere Seite ans Licht lassen:

„I’ll make the best of this life I’ve got left
Got no time for no regrets
Gonna show you just what I can be
The person I should have been…“

Dafür braucht er keinen Jupiter oder Saturn in besonderer Konstellation, nur einen anderen Blickwinkel:

„I wanna change my perspective of reality
Be a much better version of me
The person I should have been…“

Das ist harte Arbeit und passiert nicht von selbst, es braucht Zeit, manchmal Reinigungs-Rituale, Ermutigung und Entscheidungen und das Wissen darum, dass man auch anders hätte handeln können oder sollen.

„And it might take time, take time…

Put my sincerity to the test
Wake up my senses finally
The water washes me clean…“

Wer bin ich eigentlich? Kann ich wirklich von vorne anfangen, nur weil der Kalender von vorne anfängt? Ich nehme das „alte“ Selbst immer mit, das wissen nicht nur Psychotherapeuten, das ahnen wir alle. Unsere Vergangenheit ist immer bei uns, begleitet uns, macht uns auch aus.

„Who am I now?
A lonely man that’s fallen down
No I can’t change
The past that time has all burned out…“

Wir SIND unsere Geschichte, wir verändern uns in ihr und schöpfen unser Potential vielleicht nie ganz aus, lernen uns vielleicht nie ganz kennen. Das mag beunruhigend sein, diese Schattenseiten in uns zu ahnen, aber ich finde das auch spannend und ermutigend:

„But I know somewhere inside of me
Is the person I could have been…“

Wer weiß, welche Persönlichkeitsanteile das Leben im Jahr 2012 in uns hervorlockt, welches „awakening“ uns bevorsteht – vielleicht werden wir uns wundern.

Bildschön: Somebody that I used to know – Gotye feat. Kimbra

Der Australier/Belgier Wouter De Backer  alias  Gotye  (sprich wie Gaultier, der Modeschöpfer) ist mit seinem originellen Video zum Song „Somebody that I used to know“  ( Link zum Video und Songtext/Lyrics  hier) aus dem Album  „Making Mirrors“ (2011) ganz groß auch auf der europäischen Bühne angekommen.

Thema ist wieder einmal das Scheitern einer Liebe. Warum nur sind all die Dinge, die wir für so wichtig halten, so kompliziert? Frieden, Gerechtigkeit, Liebe – wir suchen sie und meinen sie manchmal zu finden – und schon sind sie uns wieder entglitten.

Was bleibt, ist der Rückblick auf etwas, das mal da war und was der Sänger für Liebe hielt:

„Now and then I think of when we were together
Like when you said you felt so happy you could die
Told myself that you were right for me…“

Aber da war ein Zweifel von Anfang an, eine Traurigkeit, ein Wissen darum, dass es nicht „die Richtige“ ist:

„But felt so lonely in your company
But that was love and it’s an ache I still remember
You can get addicted to a certain kind of sadness
Like resignation to the end…“

Kann man sich an den Schmerz gewöhnen, an das Selbstmitleid? Gewiss, und da heute Beziehungen oft scheitern, ist man regelrecht dazu gezwungen, mit dieser Erfahrung weiter zu leben. Und man ist ja erwachsen und trennt sich einvernehmlich und als Freunde, denkt man jedenfalls:

„So when we found that we could not make sense
Well you said that we would still be friends
But I’ll admit that I was glad that it was over…“

Bisher bleibt der Sänger im Video relativ regungslos, er hat alles im Griff, so scheint es. Aber dann bricht der Schmerz doch hervor. Was scheinbar so spurlos an ihm vorbeigeht, hat doch furchtbar gekränkt:

„But you didn’t have to cut me off
Make out like it never happened                                                  
And that we were nothing…“

So tun, als wenn nichts gewesen wäre, die gemeinsame Geschichte auslöschen, ja, jeglichen Kontakt abbrechen und die Freunde beauftragen, die restlichen Sachen abzuholen, das ist ja wohl unterste Schublade:

„But you treat me like a stranger
And that feels so rough
You didn’t have to stoop so low                                                                                     
Have your friends collect your records
And then change your number…“

Aus der großen (oder kleinen?) Liebe wird einfach eine Bekannte:

„Now you’re just somebody that I used to know…“

Soweit die eine Seite der Geschichte. Dann hören wir die andere, IHRE, dargestellt und gesungen von der neuseeländischen Künstlerin Kimbra :

„Now and then I think of all the times you screwed me over
But had me believing it was always something that I’d done
And I don’t wanna live that way
Reading into every word you say…“

Sie fühlt sich betrogen, eingeengt, für alle Probleme verantwortlich gemacht und zieht einen Schlussstrich. Sie bewegt sich heraus aus dem Gemälde, schüttelt sich regelrecht frei, geht auf ihn zu und wieder zurück. Sie verliert die Farbe – und es ist, als ob er sie hier zum ersten Mal wirklich wahrnimmt und ihr fast bedauernd hinterher sieht.

Kann man sich so täuschen, kann man so blind sein?  Sind wir alle zu sehr damit beschäftigt, unser Leben zu entwerfen, die richtigen „Farben“ für unser  Lebens-Gemälde  zu designen – so sehr, dass wir die Menschen gar nicht mehr richtig wahrnehmen, die wir einfach in das Bild meinen einfügen zu können? Werden sie zu Körpern (some-body), Statisten, Leinwand, die wir meinen gestalten zu können?

Sehen wir genauer hin, bevor es zu spät ist und wir die Liste  derer, die wir mal „ganz gut kannten“ (somebody that I used to know), wieder um einen Namen verlängern müssen…

Himmel über Husum: Casper – Michael X



Ist das jetzt Rap oder Pop oder Indie, was der Casper da macht? Darüber streiten sich die Gelehrten auf rap.de und anderswo mit erstaunlicher Aggressivität. Ist mir egal. Ich weiß auch noch nicht, was ich von der Stimme halten soll, aber dieses Video hat mich definitiv für Benjamin Griffey alias Casper eingenommen. Gedreht in meiner „quasi-zweiten-Heimat“ Husum in Nordfriesland. Im Song „Michael X“ aus dem Album „XOXO“ (2011) geht es angeblich um einen Jugendfreund, der sich das Leben genommen hat. Ab und zu „kommt er vorbei“, ist für seine Freunde spürbar und Casper gratuliert ihm zum  Geburtstag:

„Jedes Mal wenn der Wind pfeift und durch Äste weht,
bilden wir uns einfach ein, du willst nur nach dem Rechten seh’n.
Dann warst du kurz zu Besuch, leider nur zu Besuch, hoff ‚es geht dir gut,
da wo du bist.

War schön, dich zu seh’n, verdammt, alles Gute zum Geburtstag, bis nächstes Jahr!“                                                                                                                                                                                                                                                    

Casper erinnert sich an die guten, alten Zeiten der gemeinsamen Jugend, die ja gar nicht so lange her ist (Casper ist Jahrgang 1982)- sex , drugs, music, ob hip hop oder rock oder punk, ist ja egal, das macht einen großen Teil dieser Zeit aus.

„Ich weiß noch, wie …
Wir die Lieder sangen, die vom Leben lieben handeln,
Tequila tranken, machten Jägermeister platt,
In den Mond schrien: „Verdammt,
wir sind die geilste Gang der Stadt!“

Du warst unser Bruce, wir deine kleine E-Street Band,
Hatten nie viel Geld, aber jeden Tag mega Brand, Rewe-Markt, Rotwein im Tetrapack für den Weg gezockt…“

All die Anspielungen auf andere Bands und Zitate in den Lyrics sind hier ganz wunderbar zusammengestellt, das möchte ich hier nicht wiederholen.

Und was ist mit Michael, der sich aus dem Staub gemacht hat? Er war cool, das Bindeglied in der Clique, aber immer auch ein bisschen anders – hätte man kommen sehen müssen, was passiert ist?

„Ich weiß noch wie du sagtest:
‚Nie werd ich 27‘
du warst unser Bruce (Springsteen)
bist schon immer weg, wenn’s auf Partys am besten war…“

Alles hat sich verändert. Aus dem „Teenagerspaß“ wurde der Ernst des Lebens. Nach der Zivildienstzeit kommt nicht die Karriere als Astronaut oder Rockstar, sondern                                                                

„Sieh nur die Stadt, wie sie dabei sind, alles einzureißen,
kreidebleiche Gesichter schwer von der Zeit gezeichnet.
Zuviel Korn und Wein
treibt zur Morgenzeit Sorgen heim,
ein Ort ertränkt in Akkordarbeit…“
Man lächelt und nickt, redet’s Wetter schlecht, ab und an mal SMS…“          

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Ist das so? Sollte man wirklich vor 27 die Biege machen? Nur weil man merkt, dass wir nicht (nur) zum Vergnügen hier sind? Aber man hat’s ja auch als Teenager nicht leicht, wie man am Beispiel Michael X sehen kann und, ja, es tut weh, erwachsen zu werden, „is so“…

Andererseits, eine Jugend, die nicht aufbegehrt, ist mir auch suspekt. Casper findet hier eine Sprache, die offenbar die Gefühle seiner jungen Fans anspricht und Bilder, die auch bei mir etwas anrühren:

„Und deine Mum hält dein Zimmer wie du’s gelassen hast,
an dem Moment wo dich Willen und Mut verlassen hat.
Die Lautsprecher tönen es laut,
dein Lieblingslied, aber hörst du das auch?
Sag, hörst du das auch, da wo du bist?“

Und zum Glück gibt es auch nach 27 noch so etwas wie Liebe, die vielleicht bleibt:

„Spring nicht mehr von Bett zu Bett, schwer zu fassen, ich weiß
Kein Plan, ob’s Lieben ist, doch was es ist, ich hoff‘, dass es bleibt
Drück‘ mir die Daumen…“

…und einen Himmel, der vielleicht nirgendwo so schön und weit ist wie über Nordfriesland:

„Hoff‘ es geht dir gut, da wo du bist
Da wo du bist.“

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Rolle rückwärts? Video Games – Lana del Rey

Lana del Rey, gebürtige Elizabeth Grant,  bastelt sich einen Kunstnamen aus Lana Turner und dem Ford Modell Del Rey aus den 80er Jahren, unterzieht ihre Lippen einer Botox-Behandlung und macht sich auf, der neue Shooting Star am Sternchenhimmel zu werden. Die Stimme – wirklich besonders, die Melodie von Video Games eindringlich-meditativ, das Video –  eine gekonnte, rasante Collage aus 50er und 60er-Jahre Zeitzeichen gemischt mit aktuellen Aufnahmen im angesagten Retro-Look.

Was sie da singt? Auf den ersten Blick ein ganz normales Liebeslied. Sie skizziert eine Szene wie aus einem Film: Sie wartet auf ihn im Hof, er fährt vor in seinem schnellen Wagen, pfeift ihren Namen, genehmigt sich ein Bier und lädt sie ein, zu ihm zu kommen und sich die Zeit mit einem Video Spiel zu vertreiben:

„Swinging in the backyard 
Pull up in your fast car 
Whistling my name 
Open up a beer 
And you say get over here 
And play a video game. „

Dann geht’s zur Sache, sie legt (warum jetzt erst?) sein Lieblingsparfum auf, legt einen Striptease hin und der Abend nimmt seinen Lauf:

„I’m in his favorite sun dress 
Watching me get undressed 
Take that body downtown 
I say you’re the best
Lean in for a big kiss 
Put his favorite perfume on.“ 

So weit, so romantisch. Grundsätzliches über die Liebe bildet den Refrain des Songs, auch sehr rosarot: die Welt ist nur für uns zwei da, ohne Liebe ist alles nichts:

„It’s you, it’s you, it’s all for you 
Everything I do 
I tell you all the time 
Heaven is a place on earth with you…
They say that the world was built for two 
Only worth living if somebody is loving you“ 

Etwas irritierend ihre Rückfrage:

„I heard that you like the bad girls 
Honey, is that true? „

Man weiß nicht so genau, findet sie das beängstigend oder turnt sie das an? Ihre Liebe beteuert sie weiterhin. Und wie um zu beweisen, dass sie die Rolle des „bad girl“ auch spielen kann, kommen andere Untertöne ins Spiel:

„Singing in the old bars 
Swinging with the old stars 
Living for the fame 
Kissing in the blue dark 
Playing pool and wild darts 
Video games 
He holds me in his big arms 
Drunk and I am seeing stars 
This is all I think of 
Watching all our friends fall 
In and out of Old Paul’s 
This is my idea of fun 
Playing video games.“ 

Der Traum vom Leben im Ruhm, in Kneipen, mit Drogen, Spiel und Alkohol – dazu die Bilder im Videoclip, diese Mischung aus Lebensfreude, Spaß und menschlichen Abgründen: das Bild vom American Dream und von der rosaroten Liebesgeschichte wirkt verzerrt, die hübsch gestylte Sängerin in den Armen eines Video Games spielenden Macho – ganz schön schräg.

Überhaupt dieses Frauenbild: haben wir emanzipierten Mütter unsere Töchter nicht vor solchen Typen gewarnt? Haben wir nicht immer wieder betont, dass es nicht nur auf die äußere Schönheit ankommt und dass wir nicht die Püppchen auf dem Schoß der Männer sein wollen und sollen? Eben! Die Töchtergeneration geht ihre eigenen Wege und spielt mit diesen Klischees, vielleicht verunsichert, vielleicht genervt, vielleicht trotzig gerade drum. Es ist nicht so einfach, sich zu entscheiden zwischen all den Rollenangeboten, die jungen Frauen heute gemacht werden.

Lana des Rey bedient in Video Games ja nicht einfach das Klischee vom seligen Hollywood-Himmel, von den guten alten Fifties und Sixties, auch der amerikanische Traum hat seine Schattenseiten.

In Zeiten der Krise (und in einer solchen befinden wir uns sicherlich, auch wenn wir das in Deutschland nicht so deutlich spüren) gibt es immer mehrere Optionen: neue Visionen entwickeln oder die „Rolle rückwärts“ in die guten, alten Zeiten. In der Generation der jungen Erwachsenen spüre ich eine gewisse Ratlosigkeit. Wovon sollen wir träumen, woran sollen wir glauben, wo führt das hin?

Kunstfiguren zu schaffen scheint ein Erfolgsrezept in der Pop-Industrie zu sein. Hoffen wir mal, dass Lana del Rey weiß, wer sie wirklich ist und was sie wirklich will…außer Geld verdienen natürlich, wie wir alle.     😉

Träumen und Hoffen: Paradise – Coldplay

Im Religionsunterricht am Berufskolleg sprechen wir über Religion im Alltag. Wo begegnet sie uns? – und allen ist klar: längst nicht mehr nur in der Kirche. Fernsehen, Internet, Werbung, alle bedienen sich religiöser Symbole und Bilder – und oft ist uns das gar nicht bewusst, so sehr sind diese Bilder in unseren kulturellen Wortschatz ganz selbstverständlich aufgenommen worden.

Das Video ist auch hier anzusehen (hoffentlich ;)…)

Beim Coldplay-Hit „Paradise“ aus dem Album  Mylo Xyloto ist das ja noch ziemlich offensichtlich. Wenn eine Werbeanzeige eines Urlaubsanbieters paradiesische Strände verspricht, dann weiß man, was man sich darunter vorzustellen hat: kristallklares Wasser, feinsandiger, weißer Strand, die eine oder andere schattenspendende Palme – und keine anderen Menschen weit und breit. Das einzige, was hier an die biblische Paradiesgeschichte (nachzulesen in 1. Mose 2) erinnert, ist die Menschenleere: Adam und Eva hatten das paradiesische Stück Garten tatsächlich für sich allein… 😉

In Coldplays Song „Paradise“ (Lyrics gibt’s hier) wird nicht beschrieben, was das Paradies ausmacht. Ein Mädchen, eine Frau („she“) träumt vom Paradies – und nur indem angedeutet wird, wie ihr Leben verläuft, wird das Gegenbild vom Paradies heraufbeschworen:

Das Leben ist schwer, Tränen werden zum Wasserfall, man gerät unter Beschuss und wundert sich, was man alles überlebt wie durch einen Zaubertrick (bullet catch), man gerät unter die Räder, und immer wieder Tränen:

“…and the bullets catch in her teeth

Life goes on, it gets so heavy

The wheel breaks the butterfly

Every tear a waterfall”

Früher war alles anders, besser. Als sie jung war, ein kleines Mädchen, da war das Leben leicht, die Welt lag ihr zu Füßen, die Träume waren groß und schienen greifbar. In der Bibel wird das nicht in eine individuelle Vergangenheit projiziert, sondern in die „Kindheit“ der Menschheit: früher war alles anders, besser, einfacher. Da gab es nur Freundschaft, Frieden und Fülle. Mit der Freiheit der Entscheidung, dem „Erwachsenwerden“ kam die Vertreibung aus dem Paradies. Da liegt ganz schön viel Menschenkenntnis und Weisheit in dieser uralten Geschichte.

Was bleibt uns? Das Träumen vom Paradies in stürmischen Zeiten?

„In the night the stormy night away she’d fly
and dreams of paradise…“

Es bleibt die Erfahrung, dass nach der Nacht  der Tag kommt, nach dem Sonnenuntergang der Morgen und die Erfahrung, dass es auch ein Stück „Paradies“ auf Erden gibt, ab und zu, eine Erinnerung sozusagen an das Leben, das ursprünglich gemeint war: Freundschaft, Frieden, Fülle.

„And so lying underneath those stormy skies

She’d say, „oh, I know the sun must set to rise

This could be paradise.”

Sehr nett interpretiert das Video zum Song diese Gedanken, ohne allzu kitschig daherzukommen, finde ich. Der Elefant flieht aus der Gefangenschaft und macht sich auf die Suche nach seinem Paradies. Er findet seinesgleichen und sein Stück „Himmel auf Erden“ bei den anderen musikalischen Coldplay-Elefanten.

Allerdings: ohne Sonnenauf- und Untergänge und unberührte Natur-Romantik a la „König der Löwen“ kommen auch Coldplay in „Paradise“ nicht aus. Ist aber nicht schlimm – im Gegenteil: auch die Natur sehnt sich nach ihrem Paradies und leidet unter dem Rad des technischen Fortschritts.

Bewahren wir uns die Erinnerung an das Paradies und eine Welt, wie sie sein sollte oder könnte. Religion muss nicht Opium zum Vergessen des Leids, sie kann auch Antrieb für eine bessere Welt sein, oder?

Vom Finden und Verlieren der Liebe: New Age – Marlon Roudette

Mit Esoterik und New Age hat der Song des karibischstämmigen Musikers Marlon Roudette  nichts zu tun, wohl aber mit einer Erfahrung, die wohl jede und jeder im Laufe des Lebens einmal macht: es geht uns Suchen und Finden und Verlieren der Liebe. Man müsste mal alle Songlyrics der Welt einteilen in solche, die das Glück der Liebe besingen und solche, die sich um den Schmerz drehen, der mit der Liebe einher geht, ich vermute mal, das hält sich die Waage, oder?– obwohl die „schöneren“ Songs oft die sind, die vom Verlust dieses Gefühls singen… Glück und Leid, beides inspiriert die Künstler zu Melodien und Texten – und hilft uns dabei, diese Gefühle auszuhalten und zu verarbeiten.

Für alle, die die Liebe schon einmal verloren haben oder gerade eine Trennung hinter sich haben, ist dieser Song: New Age von Marlon Roudette (Lyrics gibt’s hier). Ich habe ihn gerade live auf einem Milow Konzert in Bielefeld erlebt und war angetan von seiner Vielseitigkeit.

Wer kann das, was wir Liebe nennen, verstehen? Es klingt so einfach, 5 Buchstaben ( 4 im Englischen), die unsere Leben bestimmen – und die wir so wenig unter Kontrolle haben:

„If love was a word, I don’t understand.
The simplest sound, with four letters.“

Die Liebe zu einem Menschen ist umfassend, bestimmend, sie kann uns “alles” bedeuten, bis hin zur Selbstaufgabe:

„I’m walking away, from everything I had…
There was a time,
When I didn’t mind living the life of others…

So much fire that it burned my wings.
Her heat was amazing.“

Wenn es vorbei ist, bleibt nur die Liebe zum Schmerz als Erinnerung an das, was war. Aus „alles“ wird „nichts“, jemand verändert sich, verändert mich, es gibt kein Gemeinsames mehr, ein neues Zeitalter beginnt:

„Are you loving pain, loving the pain?
And with every day, every day
I try to move on.
Whatever it was,
Whatever it was,
There’s nothing now.
You changed.
New age.“

Was bleibt, ist der Alltag, die einfachen Freuden und Dinge, die große Liebe, das frühere Leben ist ausgelöscht:

„Now I’m dreaming of the simple things.
Old ways, erased.“

Aber es gibt eine Perspektive:

„And with every day, every day
I try to move on…   I need a room with new colours.“

Im Moment scheint es unmöglich, aber wir wissen ja alle: es gibt ein Danach. Neues Leben, neue Farben, neue Erfahrungen, neue Lieder. Es ist schon seltsam: jemandem, der Liebeskummer hat, zu sagen: alles wird gut, ist oft nicht hilfreich. Aber ein Lied kann dasselbe durchaus sagen ohne aufgesetzt zu wirken. Musik findet für alles Worte und Töne, auch für das Finden und Verlieren der Liebe.

Danke, Marlon Roudette, dass du diese Erfahrung in so schöne Töne und Worte gefasst hast mit dem Song „New Age“…  Hier noch ein Live Auftritt in Berlin, New Age im Regen.. 😉

Home, sweet Home: Happiness – Jonathan Jeremiah

Es gibt so Themen, die begleiten einen ein Leben lang. Für mich ist das „Heimat“. Vor einiger Zeit war ich durch den fiftyfiftyblog und meine „Fachzeitschrift“ Brigitte wieder einmal auf die  Platte eines Künstlers aufmerksam gemacht worden, die ich momentan rauf und runter höre: A Solitary Man von Jonathan Jeremiah mit dem Song „Happiness“ (Lyrics gibt es hier).

Ein unaufwändiges, ruhiges Video, ein Sänger, der sicherlich auch in einem Jesus-Film eine Hauptrolle bekommen würde, wenn es mit der musikalischen Karriere nicht so klappen sollte 😉  – was nicht zu befürchten ist – und eben jenes Thema: Zuhause, Heimat.

Ich bin ja schon ein wenig herum gekommen in der Welt, aber wenn mich jemand fragt, woher ich komme, dann kann ich keinen Ort nennen. Geboren hier, aufgewachsen hier und dort, dann dorthin gezogen und wieder umgezogen und so weiter. In meinem jetzigen Wohnort lebe ich seit drei Jahren und inzwischen ist es „Zuhause“.

Vielen geht es heute so. Der Geburtsort ist nicht mehr der Wohnort, Eltern, Kinder, Geschwister leben über ganz Deutschland oder die Welt verteilt – Globalisierung findet eben auch im Kleinen statt.

Die große weite Welt ist ja ganz spannend, aber manchmal nervt sie auch:

„What you gonna do with people like that…
What you gonna say that will make them change their ways…
Who you gonna find to listen anyway?“
Manchmal fehlt das Verständnis – und das liegt nicht immer an der Sprache.

Manchmal fehlt die Nähe – und das liegt nicht immer an großen Entfernungen.

Jonathan Jeremiah hat eine Lösung für sich gefunden. Er macht sich auf den Weg nach Hause. Dabei lässt er offen, wer das ist: die Eltern und Geschwister, die eigene Familie, der Heimatort mit den alten Kindheits- und Schulfreunden? Entscheidend ist: da sind Menschen, die ihn kennen, die ihm zuhören, die offen zu ihm sind, wo er alles abladen kann:

 „Who’s it gonna be who’ll tell it like it is..
  Who you gonna blame for all our differences…
  Where you gonna go if you can’t take it all?“

Was für eine Liebeserklärung an die Menschen, die ihm nahestehen! Das Gepäck für die Reise nach Hause ist nicht groß, nur das Nötigste – und die Katze muss versorgt, der Vermieter und die Nachbarn informiert werden:

 „I once found the recipe, for what to do to cure my needs
  I packed some things just what I need
 Only bare necessities
 Asked Mrs Walsh to feed my cat
 Call Landlord Tate to tell him that“.

Dann ab ins Taxi, zum Bus und nach Hause:

Order a cab, take it to the bus station up on 42I’m going home, where my people live, need a little bit of happiness, yeah…”

Das ist alles so selbstverständlich, so einfach, so klar. So soll es sein. Ist es aber nicht immer. Manch einer ist froh, wenn er seinen Ursprung hinter sich lässt und dem Heimatort für immer den Rücken kehren kann. Dann sucht man „Happiness“ woanders.

Heimat, Zuhause – was ist das? Für mich nicht ein bestimmter Ort, sondern „ home (is) where my people live…“ – und da wohnt für mich auch das Glück.

Ich hoffe, es geht euch auch so….und genießt die „Happiness“ dieses Songs! 🙂