Her mit dem schönen Leben: Wenn die Sonne schneit – F.R.

Nee, ich hab‘ mich nicht vertippt, wie vermutlich die Leute bei amazon und den Brahms-Noten – der Song von Rapper Fabian Römer alias F.R. aus seinem gerade erschienenen  Album „Ganz normaler Wahnsinn“ heißt wirklich so: “Wenn die Sonne schneit” – und spielt mit diesem paradoxen Bild.

Wie beurteilt F.R. die Situation?

„Wir haben zweitausendirgendwas, alles beim Alten, keine UFOs gelandet und keine Botschaft erhalten.  Keine Forschung mehr nötig und jeder Weg schon begangen.“

Kurz: es gibt nichts Neues  unter der Sonne. Die Wünsche und Fantasien sind auch die alten geblieben seit vielen  Jahrzehnten, die Menschen ändern sich nicht:

„Ey, ich wünsche mir ganz, ganz viel Geld. Kann ich das vom Schicksal verlangen, und ’ne hübsch zu betrachtende Frau, elegant, aber nicht zu verkrampft, ja, ja?“

Und ist sie dann da, dann folgt neuer Stress, Beziehungsstress, das alte Problem seit Adam und Eva – wie kann das klappen mit dem Zusammenleben und Verstehen?

„So ein Mist, dass ich dank Facebook nichts mehr in ihr’m Gesicht lesen kann, egal, sie gibt mir die Hand, „Du Frau, ich Mann, jetzt sind wir zusammen.“„

Tja, wenn’s so einfach wäre, einfach anzuklicken „gefällt mir“ und dann wär der Käse gegessen, alles rosarot.  Ist aber nicht:

„Alles gekriegt, aber richtig zufrieden damit bin ich nich‘ mehr so ganz. Ich will mehr, mehr als genug. Nur die Monotonie lässt es ehrlich nicht zu. Jede Farbe wird grau, ich schau‘ gar nicht mehr ‚raus.“

Damit nicht genug, manchmal schlägt das Schicksal oder wer immer so richtig zu und dann hat man nicht die passende Musik auf dem Ipod und da ist niemand, der das Leid mit dir teilt, weil du auch nichts von Bedeutung mehr mitteilst:

„Und jetzt zittern die Knie, wenn das Schicksal kommt, doch es will doch nur spielen, huh? So ein Mist, warum spielt dein iPod nur die Lieder, die dich noch tiefer zieh’n?… Du willst alles haben, alle Preise gewinn‘, noch nie war Teilen dein Ding – außer vielleicht mal ’nen Link.“

Die Monotonie ist endlos und langweilig. Nichts bringt dich aus der Ruhe:

„Dich grüßt täglich das Murmeltier, es sagt dir „Guten Tag“, selbst der ganz normale Wahnsinn ist wahnsinnig normal.“ 

Auch Gott, Glaube, Religion – alles keine Hilfe:

„Sie sagen, Gott wär‘ groß. Was soll das heißen? Dir gibt er ja noch nicht einmal ein klitzekleines Zeichen.“

Dabei wär das so schön und beruhigend, so ein Zeichen.

Aber dann gibt es auf einmal doch so etwas wie ein Zeichen, ein Wunder, eine unmögliche Möglichkeit:

„Und dann kannst du deinen Augen nich‘ trauen:
Die Welt rennt nach draußen, die Sonne schneit.
Alle Probleme lösen sich von allein.
Nichts, was uns aufhält, kommt vorbei,
wenn die Sonne schneit, wenn die Sonne schneit.“

Im Video zum Song werden die Höhlenmenschen durch das Sonnenlicht nach draußen gelockt und dort mit Natur, Farbe, Gerüchen, Bewegung und Wundern konfrontiert. Ob F.R. hier tatsächlich an Platons Höhlengleichnis denkt? Abitur hat er ja und hält er auch für sinnvoll, der Rapper und Pfarrerssohn – (für die hab‘ ich ’ne Schwäche…) -aus Braunschweig – wer weiß… 😉

Gibt es etwas, das uns aus unseren Höhlen  und von eingetretenen Wegen weglockt? Erwarten wir noch Wunder, Veränderungen in uns und anderen? Haben wir  Erwartungen an das Leben, die den „ganz normalen Wahnsinn“ unseres Alltags überschreiten?

Dass „die Sonne schneit“ ist nicht wirklich mein Traum, ich fänd’s ja  schon schön, wenn sie nur öfter scheinen würde, aber darum geht es ja eben – offen zu sein für das, was wir uns vielleicht gar nicht gewünscht haben und vorstellen können.

Wenn die Sonne schneit oder so etwas Wahnsinniges passiert, das wäre dann doch mal so ein  „klitzekleines Zeichen“, oder? 😉

Graffiti am Strand von Prora, Rügen

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