Der Himmel über uns: You Found Me – The Fray

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The Fray – You Found Me (official video) von thefray

Das offizielle Video zu „You Found Me“ von The Fray könnt ihr im Link oben ansehen, den Liedtext könnt ihr hier nachlesen.
Kaum zu glauben, da ist schon wieder einer auf der Suche nach Gott – und findet ihn, Zigarette rauchend, an der Ecke First Avenue und Amistad (–Straße): ” I found God on the corner of First and Amistad… all alone smoking His last cigarette.” Leadsänger und Pianist Isaac Slade erklärt dazu:

“I just imagined running into God standing on a street corner like Bruce Springsteen, smoking a cigarette.” Das würde allerdings nicht zu einem freundlichen Plausch führen, sondern zum Streit, zur Anklage. Der Vorwurf:
Where were you when everything was falling apart? All my days were spent by the telephone that never rang and all I needed was a call that never came”. Wo warst du, Gott, als ich dich brauchte, als alles schief ging in meinem Leben? Warst du da mal eben eine rauchen, oder was?
Es ist ja kein Geheimnis, dass The Fray ihre Ursprünge im christlichen Milieu haben und sich sehr bewusst dazu entschieden haben, dass sie im profanen Musikgeschäft wesentlich mehr Fans und Zuhörer (und finanzielle Entlohnung) gewinnen können. In vielen ihrer Lyrics nehmen sie diesen Hintergrund auf, so auch in diesem Song „You Found Me“ aus dem Jahr 2007. Slade erklärt in einem Interview , der Song sei in einer Zeit entstanden, in der ihn mehrere Schicksalsschläge getroffen hätten und das „Licht am Ende des Tunnels“ schon mal aus dem Blickfeld geraten sei. Der Verlust eines geliebten Menschen steht offenbar im Hintergrund. Diese Erfahrung wirft uns auf uns selbst zurück. In der Trauer sind wir zunächst einmal allein:
In the end everyone ends up alone. Losing her, the only one who’s ever known who I am, who I’m not, and who I want to be. You got some kind of nerve taking all I want.”
Er habe ihn dann “gefunden”, ja, aber zu spät, das Unglück ist geschehen, der Verlust schmerzt: „Lying on the floor surrounded, surrounded, why’d you have to wait? Where were you, where were you? Just a little late…
Die Frage nach dem Ursprung und Sinn des Leids ist wohl eine der ältesten Fragen der Menschheit. Eine Antwort gibt es bisher nicht, nur Versuche, mit der Erfahrung umzugehen.
The Fray versuchen eine vorsichtige Antwort. Heißt es zu Beginn: „ I found God“, allerdings unbeteiligt, Zigarette rauchend, er scheint keine Hilfe zu sein – kommen sie über die Frage: „Where were you?“ – Wo warst du? – zur Antwort: “You found me“. Die Rollen kehren sich um. Er findet uns. Auch wenn es scheinbar zu spät ist, auch wenn wir schon am Boden liegen. Es ist eine vorsichtige Antwort, vielleicht sogar eher eine Hoffnung im Zweifel.

Das Video zum Film unterstreicht dies sehr eindrucksvoll. In Anlehnung an Wim Wenders Film „Der Himmel über Berlin“ singen die Bandmitglieder teilweise auf Brücken und Gebäuden stehend. Sie blicken herab auf die Straße, die Menschen, einen Unfall, der gerade passiert ist. Das Thema des Wenders- Films:  Der Engel Damiel will menschliches Leben kennenlernen und steigt herab auf die Erde. Leben, so erfährt er, heißt Farbigkeit und Liebe, aber auch Blut und Leiden.

Die Szene wechselt von Nacht-Aufnahmen ins Morgengrauen – ist da doch Licht am Ende des Tunnels? Das Unfallopfer öffnet die Augen, Gegenstände und Menschen erheben sich am Ende des Films in die Luft, in den Himmel? Der Blick geht nicht mehr hinunter, sondern nach oben.
Karfreitag und Ostern stehen in dieser Woche bevor. Christlicher Glaube sagt: da ist einer herabgekommen ins menschliche Leben, ganz Mensch geworden, gestorben. Hat genau diese Angst und Verlassenheit gespürt:  „Where were you?“ Mein Gott, warum hast du mich verlassen? fragt Jesus am Kreuz. Menschliches Leben geht nicht ohne Sterben.
Wo warst du? fragen wir Gott. Er war da, sagt die Bibel, sagen vielleicht auch The Fray mit ihrem Song „You Found Me.“ Er war da als du am Boden lagst, als du auf Antwort gewartet hast, als du gezweifelt hast, als der Tod kam. Auf die Nacht folgt der Morgen, auf Karfreitag Ostern.

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