Die Frau seiner Träume: You and Me / In My Pocket – Milow

Milow – You And Me (In My Pocket) from Daily Dolores on Vimeo.

Endlich ist es da, das neue Album von Milow: North and South. Auf Grund des Liedes „In My Pocket“ (Lyrics gibt es hier) wissen wir jetzt endlich, wie seine Traumfrau aussieht (und riecht): „I wish you smelled a little funny … I wish you were a little bigger, not just big but really fat“. Damit nicht genug, sie darf nicht nur streng riechen und übergewichtig sein – sie muss auch nicht von der schnellsten Sorte sein, und lange Beine braucht sie ebenfalls nicht: „I wish you were a little slower, not just slow but paralyzed… I really wish that you were smaller, not just small but really really short.
Na, da können wir ja alle, die wir schon immer wussten, dass wir bei Germany’s Next Topmodel eh keine Chance haben, so richtig aufatmen, für Jonathan Vandenbroeck alias Milow wären wir vielleicht gerade richtig.…😉
Es sind schon ungewöhnliche Bilder, die er da findet für seine Traumfrau: streunende Katze, Meerjungfrau, Vogel, Lampe – und letztendlich die kleine Stoffpuppe, die dem Lied den Namen gibt: „…So I could put you in my pocket and carry you around all day.

Was alle diese Bilder verbindet, ist der Wunsch, die Liebste, wenn er sie denn schon gefunden hat, daran zu hindern, sich wieder zu verflüchtigen. Vielleicht hat der arme Milow diese Erfahrung ja schon mal gemacht. Heutzutage kann man sich der Frauen nun mal nicht mehr sicher sein. Sie gehen wieder, wenn es ihnen nicht mehr gefällt…
Das ist vermutlich alles nicht so ernst gemeint. Ein netter Song, der ins Ohr geht, mit einem lustigen Video. Natürlich weiß Milow, dass man die Frauen heutzutage nicht mehr einsperren kann (oder?). In der Schlussszene des Videos deutet er ja an, dass es nur einen Ort gibt, an dem man den oder die Liebste „festhalten“ kann – und das ist das eigene Herz. Wenn das nicht gelingt, dann helfen auch keine Badewanne oder kein Vogelkäfig. Einen Vogel kann man schnell aus dem Käfig heraus lassen. Wenn sich jemand in meinem Herzen „eingenistet“ hat, ist das manchmal gar nicht so einfach, ihn oder sie wieder frei zu lassen und es ist oft mit ganz schön viel Herzschmerz verbunden. Da hilft auch der Hinweis auf anderer Mütter Söhne oder Töchter nicht viel:“ People say there are plenty of fish in the sea, baby, all I do is wish…“.
Am Anfang zählt sicherlich nur: „Oh, you and me, it would be only you and me.“ Alle anderen sind ausgeblendet. Auf die Dauer reicht das nicht, das wissen alle, die über die ersten Wochen einer Beziehung hinausgekommen sind.
Jetzt würde ich wirklich gerne mal die Frau an Milows Seite sehen, wenn es denn eine gibt…. Sie ist bestimmt groß, schlank, schnell, schlau, musikalisch und kann schwimmen und fliegen… Wer weiß, wer hier wen in die Tasche steckt…?😉

14 Gedanken zu „Die Frau seiner Träume: You and Me / In My Pocket – Milow

  1. Wieder ein Ohrwurm und ein komplett durchgedrehter Text, wie man es von Milow nicht anders gewohnt ist. Aber seine Frau würde ich nun auch gerne mal sehen wollen!
    Deine Analyse schnitzt mir ein Lächeln ins Gesicht. Liebe Grüße, Tanja

  2. Liebe Annette, liebe Tanja, freut mich, dass ihr mit meinen Gedanken zum Song etwas anfangen könnt. Ich werde mir jetzt ganz schnell die CD besorgen, ich glaube, da sind noch einige schöne Lieder drauf… Danke für euer Feedback! 🙂 LG, Uta

  3. Hey!
    Das Album ist klasse, ich habs mir schon angehört aber ich werds mir (noch) nicht kaufen. Ich vermute, dass es davon spätestens zu Weihnachten eine Extended-Version mit mehr Liedern drauf gibt.😉
    Ganz klasse finde ich „The Kingdom“, ein kritisches, politisches Lied über Belgien, oder auch schnellere Nummern wie „She might she might“ oder „Move to town“.
    Vom Text her interessant ist auch „KGB“, darin wird die Geschichte eines Sohnes erzählt, der herausfindet wie sein Vater als Spion arbeitet.

    Und nochmal zu You and me (in my pocket): Ich finde das Wortspiel mit dem „in die Tasche stecken“ sehr genial. Denn eigentlich geht es ja darum, jemandem sehr nahe sein zu können, in der Brusttasche am Hemd, ganz nah am Herzen. Letztes Jahr in Stuttgart hatte er das schon live gespielt und den Text auch ein wenig erklärt.
    Ein abgefahrenes Kompliment ist dabei: Ich wünschte, du würdest schlecht riechen, denn dann wäre ich der Einzige, der noch nahe bei dir sein wollte.😉

    • Danke, Christian, für deinen ausführlichen Kommentar – du Glücklicher hast Milow schon live erlebt?! Ich weiß nicht, ob ich noch bis Weihnachten warten kann mit der CD…😉 Übrigens ist das Wortspiel mit dem „in die Tasche stecken“ meines Wissens nur im Deutschen so möglich, im Englischen gibt’s da andere idioms – also muss ich mir für die English version da was anderes einfallen lassen… Und es stimmt, da sind noch sehr interessante Texte bei seinen anderen Liedern dabei – der klingt immer so harmlos und easygoing, der Milow, dabei macht er sich durchaus seine Gedanken! Danke fürs Vorbeischauen! Gruß, Uta

  4. Das ist eine wirklich sehr schöne Passage in Deinem Kommentar: „…dass es nur einen Ort gibt, an dem man den oder die Liebste „festhalten“ kann – und das ist das eigene Herz. Wenn das nicht gelingt, dann helfen auch keine Badewanne oder kein Vogelkäfig. Einen Vogel kann man schnell aus dem Käfig heraus lassen. Wenn sich jemand in meinem Herzen „eingenistet“ hat, ist das manchmal gar nicht so einfach, ihn oder sie wieder frei zu lassen und es ist oft mit ganz schön viel Herzschmerz verbunden. …“ wie sagt schon der Fuchs zum kleinen Prinzen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“

    • Vielen Dank, Christoph, für dein Feedback! Ich finde es schön, wenn Songtext und Video sich gegenseitig so gut und kreativ ergänzen wie hier. Ohne den Impuls vom Video wäre ich vielleicht gar nicht aufs Herz gekommen… ? LG Uta

  5. Danke für diese Gedanken zu Milows Songtext.
    Dies war der erste von ihm, bei dem ich bewusst zugehört habe und bei jedem Hören etwas mehr über den doch sehr merkwürdigen Inhalt gestolpert bin.

    Vor jemandem, dem im Zusammenhang mit seiner Traumfrau 1000 Wege durch den Kopf gehen, wie er sie ganz für sich allein haben könnte (und so fieses Zeug dabei), würde ich meine Tochter ehrlich gesagt ernsthaft warnen…

    Ich habe da leider immer so eine zombieartige Fratze vor meinem geistigen Auge, die sabbernd sagt „wir beide werden immer zusammen sein, mein Schschschatzzzz…“

    • Ja, wenn der gute Milow das nicht eher parodierend und ironisch meint, dann würde ich mir auch ernsthaft Sorgen machen um alle Frauen, die in seine Nähe kommen…😉 Gruß und Dank für den Kommentar! Uta

  6. Pingback: Lyrics-unter-der-Lupe-Sommer-Ferien-Rätsel 2011 « Lyrics unter der Lupe – Looking@Lyrics

  7. Also bitte Leute, dieses Lied ist doch definitiv kein Liebeslied.

    Milow versteht es perfekt ironische scheinbar-Liebeslieder zu schreiben oder zu vertonen. Ayo Technology war dementsprechend schon genial, wenn man bedenkt, dass er einen sexistischen Pornotext nimmt und ihn mit liebeslied-typischer Schmachmusik hinterlegt und dann eben diesen Text ins Mikro haucht.
    You and Me ist imho sogar noch ein Spur besser, weil er es hier perfekt schafft eine kranke, pervertierte Art von Liebe darzustellen. Das lyrische Ich verfällt definitiv in eine Obsession und objektiviert radikal seine Angebetete, lässt dabei jegliche Form von Erniedrigung oder Behinderung nicht aus, nur um sie ganz für sich zu haben. Der Besitzanspruch (in my pocket) wird schmerzhaft deutlich wenn er sie dann letzten Endes in einem Käfig einsperren will (es fällt da schon die ein oder andere neueren Geschichte von Kellergefängnissen ein… besonders hier in unserer Gegend). Auch dazu wieder eine lockere Liebesliedmelodie und fertig ist ein weiter Song, der nicht so gemeint ist wie er klingt. Auch wenn der Vergleich gewagt ist, aber auch größere Künstler haben sich dieser Methode schon öfter bedient. Ich erinnere nur an Shakespeares „My mistress eyes are nothing like the sun…“ (Sonett 130).

    So long

    • Das ist „wissenschaftlich-psychologisch“ noch mal ganz gut erklärt, Davin – ich weiß nicht, ob Milow diese absolut krankhaften Versionen vor Augen hatte – es gibt ja auch genug „harmlosere“ Varianten dieses Besitzanspruches, da muss man gar nicht in die Perversion abgleiten. Ich stimme dir zu, hinter der locker-leichten Melodie steckt sicherlich Kritik, aber eben auch Humor und ein Augenzwinkern, so empfinde ich das…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s